Kinder, ich bin dann mal weg. Mama ist auf Dienstreise im Ausland

Mama ist auf Dienstreise
Mama ganz weit weg, aber doch immer da?

Das Flugzeug setzt zur Landung in Nizza an. Kurze Zeit später steigen meine vier Kolleginnnen, mein Chef und ich aus dem Flieger und heben unsere schweren rollenden Koffer vom Band. Der freundliche Chauffeur Yve erwartet uns bereits und es geht weiter zu unserem Hotel in der Nähe der Croisette in Cannes. Im Zimmer angekommen, packe ich meine Business Kostüme aus und hänge die selbst gemalten Bilder meiner Tochter auf. Bevor wir gleich gemeinsam zum Abendessen verabredet sind, schalte ich mich via Skye nach Hause in Berlin, um meinen Mann und unsere Töchter zu sehen und zu sprechen.

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust

Ich bin eine Frau mit zwei Kindern und einem Teilzeitjob von 25 bis 30 Stunden. Ich liebe unsere Töchter und freue mich immer sehr darauf, sie nach der Arbeit von der Waldkita und der Schule abzuholen. Das Wiedersehen nach ihrer und meiner Arbeit ist täglich ein Fest für mich und ich herze beide so, als wenn ich sie eine Woche nicht gesehen hätte.

Ich bin glücklich, dass ich eine Arbeit habe, die mich erfüllt und mir viel Freude macht. Ich liebe Herausforderungen, Abwechslung und Reisen. Außerdem male ich gerne mit meinen Kindern, backe gerne Kuchen mit ihnen und lese liebdn gerne vor.

Mama geht auf Dienstreise

Zwei Mal im Jahr fliege auf eine fünf- beziehungsweise sieben bis achttägige Dienstreise. Einmal nach München und einmal nach Cannes. Ich finde nicht, dass das besonders häufig ist. Aber wenn die Kinder zwei und sechs Jahre alt sind und der Vater einen fordernden Vollzeitjob hat, ist das auch keine ganz so einfache Chose.

Eine solche Dienstreise anzutreten bedeutet für mich einerseits, dass ich im Job alle Aufgaben und Deadlines vor der Dienstreise abarbeiten muss damit nichts liegen bleibt. Also arbeite ich bereits ein paar Wochen vor der Dienstreise länger damit alles geregelt ist. Viel Zeit bleibt in dieser Zeit nicht für die süßen Mäuse.

Andererseits muss ich auch die Logistik für die Zeit meiner Abwesenheit Zuhause regeln: Wer holt die Kinder ab und betreut sie Zuhause bis mein Mann kommt? Das kann natürlich nicht jeden Tag die Oma oder der Opa übernehmen. Die Großeltern leben zwar in Berlin, aber jeden Tag zu uns zu fahren und die Kinder zu bespaßen, ist körperlich für sie nicht mehr ganz so einfach.

Ein ausgeklügelter Plan muss also her. Montags kommt die Babysitterin, zwei Nachmittage übernehmen Oma und Opa, einmal kommt der Papa früher nach Hause und am Freitag kommt die Patentante. Am Wochenende hat mein Mann zum Glück frei. Also alles paletti.

Plan oder nicht Plan

Ich habe mit mir gerungen. Soll ich oder soll ich nicht? Nein, ich meine nicht die Dienstreise als solche. Ich meine einen Plan. Letztendlich habe ich es doch getan und einen Wochenplan für meinen Mann geschrieben, was er an welchen Tagen beachten soll. Natürlich steht auch in unserem gemeinsamen Handykalender, wer an welchem Tag unsere Kinder abholen wird. Doch ich möchte auf Nummer sicher gehen, dass er an den Buggy für die Babysitterin denkt etc. Der Kontrollfreak in mir kommt da raus, ich gebe es zu. Und ja, ich habe auch vor der Dienstreise fast die gesamte Wäsche gewaschen. Obwohl mein Mann natürlich genau weiß, wie unsere Waschmaschine funktioniert und diese auch regelmäßig bedient. Aber ich habe immerhin weder vorher Lebensmittel für die Woche meiner Abwesenheit für die Familie gebunkert, noch habe ich für sie vorgekocht! Das möchte ich hier deutlich betonen. Was zu weit geht, geht zu weit. Ich halte mich nicht für die unentbehrliche Herrin des Hauses. Mein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl fußt auf anderen Fundamenten. Einkaufen und Speisen zubereiten kann mein Mann alleine genauso gut wie ich.

Tausche Badge gegen Schnullerkette

Am Abend vor der Dienstreise bekomme ich immer das große mentale Heulen. Ich mag nicht so lange weg von Euch sein, gestehe ich meinem Mann! Aber ich weiß, dass es gut ist. Gut für die Kinder und gut für mich. Die eine Woche ohne Mama ist wie ein kleines Bootcamp für sie. Denn die Kleine ist ganz schön auf mich fokussiert. Woher das kommt? Vielleicht, weil mein Mann bei ihr keine Elternzeit nehmen konnte. Vielleicht weil ich mich auch sehr auf sie konzentriere, wenn wir zusammen sind, weil sie das letzte Kind ist, dass ich bekommen habe, ziemlich sicher kein weiteres folgen und mit ihr somit alles das letzte Mal sein wird. Vielleicht auch, weil sie die Geburt fast nicht überlebt hätte und ich für einige Momente nicht wusste, ob ich sie verlieren würde, bevor ich sie überhaupt kennen lernen durfte. Wer weiß. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus alldem und noch mehr, was mir nicht bewusst ist.

Rabenmutter oder Vorbild für die Töchter?

Ich bin dann mal weg.

Mein Mann und ich verabreden uns zum allmorgendlichen Skypen. An die Haustür klebe ich einen selbst gemalten Wochenkalender auf dem die Mädchen jeden Tag ein Kreuz machen können bis ich wieder da bin. Und natürlich ringt mir die Große das Versprechen ab, ihr einen dieser grässlichen Glupschis mitzubringen, von denen sie mir schon seit Wochen in den Ohren liegt.

Die Kinder und mein Mann bringen mich zum Flughafen. Die Kleine will unbedingt auch mitkommen. Die Große ist ganz gelassen. Es gibt kein Drama und alles ist gut. Ich weiß, dass ich mich auf meinen Mann und Vater der Kinder 100% verlassen kann. Er hat sie im Griff. Die Kinder lieben ihn und er liebt sie sowieso. Die Patentante, die Großeltern und die Babysitterin sind jeder für sich ein Traum und unsere Mädchen verehren sie. Außerdem können sie bei ihnen Sachen machen, die sie bei mir vielleicht nicht dürfen. Obendrein kocht Opa viel besser als ich und mit Oma spielt die Große viel lieber „Mensch ärgere Dich nicht“ als mit mir. Ich weiß, dass ich nicht alles kann und alles können muss. Auch wenn ich das gerne möchte und mich abends im Bett oft gräme, weil ich etwas nicht geschafft habe oder genervt war und meine Kinder angeschnauzt habe.

Ist es nicht entspannend sich bewusst zu machen, dass wir Mütter für einen gewissen Zeitraum ersetzbar und entbehrlich sind? Väter gehen schließlich auch auf Dienstreisen und machen sich überhaupt keine Platte. Auch für mich ist es schön, während einer Dienstreise für einige Tage und Nächste nur für mich und meinen Job verantwortlich zu sein und nicht für die Kinder sorgen zu müssen. Dennoch freue ich mich wieder auf sie.

Arbeiten und Kinderziehung
Laptop und Still-BH

Wie war das eigentlich mit Kindern und Job direkt nach meiner Elternzeit?

Nach der ersten Elternzeit bin ich nach zwölf Monaten wieder in meinen Job zurückgekehrt. Beim ersten Kind nahm mein Mann nach meiner Elternzeit zwei Monate Elternzeit und regelte die Eingewöhnung in der Kita. Ich erinnere mich bis heute an den Tag vor fast sechs Jahren als ich den ersten Arbeitstag nach einem Jahr Pause antrat und mich von Mann und Tochter vor der Haustür verabschiedete. Ein Kloß saß in meinem Hals. Von Tag für Tag wurde es leichter und ich genoss es, unsere Kleine nach der Arbeit in der Kita abzuholen als die Eingewöhnung vorbei war. In der Zwischenzeit rückten Vater und Tochter enger zusammen, was wirklich rührend und wunderbar zu beobachten war. Unsere Erstgeborene war bereits als Baby offen und pflegeleicht. Vielleicht, weil wir sie von Anfang in die Arme von ihren liebevollen Omas, Opas, Tanten und Onkeln legten, während wir nach dem Umzug aus der Berliner Innenstadt unser Haus am Stadtrand herrichteten.

Arbeiten und stillen…

Wenn ich nach der Arbeit mit unserer erstgeborenen Tochter Zuhause war, stillte ich sie. Ich hatte das Gefühl, dass sie das Gestillt werden sehr genoss und es deshalb in die Länge zog, weil sie diese Art der Nähe zu mir noch brauchte. Am Anfang fand ich es auch noch ganz schön. Doch nach zwei Monaten Vollzeitjob und Stillerei war ich körperlich so erschöpft, dass ich abstillen musste. Das war ein ziemliches Drama. Mein Mann übernahm sie in den Momenten und schlief nachts mit ihr im Kinderzimmer. Nach vier Tagen war es vorbei und sie hatte es akzeptiert.

Bei unserer zweiten Tochter nahm sich mein Mann mach meinem Jahr Elternzeit keine Elternzeit mehr. Er war so stark eingebunden, dass es leider nicht mehr möglich war. Dafür hatte ich die Chance nach der Elternzeit vorerst von Zuhause aus zu arbeiten. Ihre Eingewöhnung in die Kita war nach zwei Vormittagen abgeschlossen, da sie die Waldkita bereits durch ihre große Schwester kannte und sich pudelwohl fühlte. Um auf eine Dienstreise fahren zu können, stillte ich unsere Zweitgeborene nach 16 Monaten peut à peut ab. Ohne Theater. Nach einem halben Jahr Homeoffice fuhr ich in die Berliner City ins Büro. Und das finde ich bis heute schön so. Jeden Tag im Haus am Schreibtisch zu hocken und niemanden zum fachlichen oder zwischenmenschlichen Austausch zu haben ist auf längere Sicht nicht mein Fall. Natürlich ist die Fahrerei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln manchmal aufreibend. Aber mit einem guten Buch ist alles nur noch halb so wild.

Natürlich läuft es nicht immer rund. Oftmals bin ich abends total k.O. Die Kinder sind noch relativ klein und betreuungsintensiv. Manchmal, wenn ich auf der Arbeit viel zu tun habe, gleichzeitig ein Kind krank wird und mein Mann auch Stress hat, ist es echt hart. Aber ich weiß ja, dass es nicht für immer so bleiben wird. Die vielen entzückenden und witzigen Momente mit den Kindern entschädigen für so vieles. Ähnlich wie es auch meine Arbeit tut, wenn etwas funktioniert, ein Plan aufgeht und der Kunde zufrieden ist. Ich will weder meinen Job noch natürlich meine Kinder missen. Ich will beides. Ich muss dafür kämpfen. Es ist intensiv. Es kostet Kraft. Es ist zum Heulen. Es ist zum Lachen. Es lohnt sich.

Eva

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