Wie lernt mein Kind am besten Schwimmen und warum Kinderschwimmen so wichtig ist

Wie alt muss ein Kind fürs Schwimmen sein?

KinderschwimmenWenn Kinder ihren 4. Geburtstag hinter sich haben, ist es ihnen meist motorisch gut möglich, richtig schwimmen zu lernen.
Unsere viereinhalb jährige Tochter ist bereits an Wasser gewöhnt, weil wir im Sommer oft in der Havel oder im Winter in der Schwimmhalle baden gehen. Deshalb haben wir uns jetzt noch vor ihrem 5. Geburtstag dafür entschieden einen richtigen Schwimmkurs für unsere Tochter zu buchen damit sie ein Seepferdchen macht.

 

Wo lernt mein Kind schwimmen?

 

Es gibt Wassergewöhnungskurse sowie Schwimmkurse, die das Seepferdchen als Abzeichen zum Ziel haben. An die 2.000 kleine Berliner nehmen pro Sommer an Schwimmkursen der Berliner Bäder-Betriebe teil. Darüber hinaus gibt es zahlreiche private Schwimmschulen in der Stadt. Die Schulen schaffen es leider aus finanziellen Gründen immer weniger aus Kindern gute Schwimmer zu machen. Die Zahl der Nichtschwimmer in der Grundschule nach Klasse 4 ist mittlerweile auf über 30 % und bei den Erwachsenen auf über 25% angestiegen ist? (vgl. „Unterprivilegiert im Becken“, FAZ). Die Badeunfälle häufen sich daher, wie man im Sommer leider immer wieder in den Zeitungen nachlesen kann.

Wir wohnen in Wassernähe und wollen unserer Tochter Sicherheit unbedingt bieten damit sie nicht droht zu ertrinken, wenn sie doch einmal ins Wasser fallen sollte.

Unsere Tochter hatte am Samstag ihre 2. Kursstunde in der Schwimmschule Fabius in Berlin- Charlottenburg bewältigt. Wir haben uns aufgrund von mehreren Empfehlungen seitens unserer Familien- und Bekanntenkreises für diese Schule entschieden, da sie bekannt dafür ist, dass der Schwimmlehrer und sein Team hohe Erwartungen an die Kinder stellen. Damit ist gemeint, dass sie kein heititeiti veranstalten und die Kinder deshalb auch nicht bis zum Sankt Nimmerleinstag brauchen bis sie das Seepferdchen schaffen. Im Gegenteil, es geht ziemlich fix, wenn man die Stunden recht schnell hintereinander genommen werden. Dass sie nach drei Stunden schwimmen können ist damit nicht gemeint. Wir gehen z. B. zweimal pro Woche mit unserer Tochter zum Schwimmkurs zu je 45 Minuten.

Worauf muss man in den ersten Schwimmkursstunden achten?

KinderschwimmenVor Beginn der 1. Stunde sollte man sich auf einiges gefasst machen. Es kann wie eine Feuertaufe sein.
Die Schwimmstunde war nämlich nicht einfach für unsere Tochter und sie stellt damit keinen Einzelfall dar.
Warum die 1. Stunde die schwerste ist? Nun, die Umgebung und auch die Menschen sind neu. Darüber hinaus ist der Tonfall ein etwas anderer als sie es evt. von Zuhause und der Kita gewohnt sind. Schließlich geht es beim Schwimmen um eine wichtige Fähigkeit, die dem Kind das Überleben sichern soll, wenn es ins Wasser fällt. Die Kinder reagieren gewöhnlich verunsichert und sind verschüchtert.
Unsere Tochter hat geweint und geschrien als sie zum ersten Mal die Schwimmhalle betrat. Das kenne ich ansonsten von ihr gar nicht. Sie klammerte sich fest an mich und wollte partout nicht ins Schwimmbecken. Eine einfühlsame Assistentin des Schwimmlehrers pflückte sie von mir ab und erklärte ihr und den anderen Kindern was sie nun in der ersten Stunde erwartete. Ich wurde gebeten, den Blickkontakt zu ihr zu vermeiden damit sie nicht wieder weint. Mit einem Klos im Hals setzte ich mich auf die Wartebank. Danach machte sie prima mit. Andere Eltern berichteten mir, dass sie sogar einmal von draußen durch ein Türfenster zugucken mussten, weil ihr Kind ein riesen Theater veranstalteten. So schlimm war es bei uns also nicht.
Andere Eltern lesen in der Schwimmschule betont in einem Buch damit sie nicht die ganze Zeit ihr Kind anstarren.

Man muss man in Kauf nehmen, dass der Schwimmlehrer gegenüber den Kindern auch streng und autoritär auftreten kann, wenn sie nicht richtig mitmachen. Als Elternteil ist dann Zurückhaltung geboten, auch wenn es manchmal schwer fällt. Wenn man dem Schwimmlehrer in den Rücken fällt, würde man automatisch dessen Kompetenz in Frage stellen.

Es ist davon abzuraten noch ein kleineres Geschwisterkind mit in die Schwimmhalle mitnehmen, außer es handelt sich um ein Baby, das man in einer Trage mitnehmen kann. Ansonsten ist es aufgrund der Duscherei und Anzieherei des am Schwimmkurs teilnehmenden zu anstregend mit zwei Kindern.

Für ein zweites Elternteil ist meist zu wenig Platz auf der Wartebank.

Was lernen die Kinder in der 1. und 2. Kursstunde?

KinderschwimmenZuerst stellt sich der Schwimmlehrer oder die Schwimmlehrerin und ggf. die Assistenten dem Kind persönlich vor. Dabei hat mich beeindruckt wie schnell sich unser Schwimmlehrer all die neuen Namen eingeprägt hat. Außerdem hat mir gut gefallen, dass er jedem Kind die Hand gereicht hat. Darüber hinaus lernen sie Vertrauen zum Schwimmlehrer aufzubauen, auf ihn und seine Assistenten zu hören und sich an den Händen zu fassen, wenn sie um das Becken herum gehen. Sie werden natürlich nicht nur rumkommandiert, sondern werden auch gelobt, wenn sie toll mit machen.

Die Kinder bekommen in der 1. Stunde auf dem Trockenen von den Assistenten gezeigt, welche Schwimmbewegungen ihre Beine im Wasser machen sollen (Beine ran ziehen, auseinander spreizen und dann zusammen ziehen). Diese Beinbewegungen gilt es anschließend täglich zuhause zu üben.

Die Kids bekommen sogenannte Styroporgürtel um den Bauch geschnallt und erhalten große Schwimmbretter in Froschform an denen sie nicht mit langen Armen festhalten, so dass ihr Bauch nicht auf dem Brett sondern im Wasser liegt.

Im Wasser üben sie dann erstmal die Beinbewegungen und „schwimmen“ von an der kürzeren Seite Beckenrand zu Beckenrand. Das ist die physische Seite.
In der 2. Stunde üben die Kinder nochmals auf dem Trockenen die Beinbewegungen. Nachdem sie auch wieder von Beckenrand zu Beckenrand der kürzeren Seite auf ihren Fröschen halb liegend geschwommen sind, dürfen die Kinder bereits von einem kleinen Treppchen und dann von einer im Wasser liegenden Matte auf ihren Frosch ins Wasser springen und dann bis zur gegenüberliegenden Beckenseite schwimmen. Natürlich steht der Schwimmlehrer dabei stets im Wasser und passt auf. Gleichzeitig steht ein Assistent beim Kind oben am Beckenrand.

 

Was geschieht am Kursende?

Zum Kursende dürfen die Kinder sich an den Beckenrand setzen und mit den Beinen ordentlich plantschen.

Zum Abschluss jeder Kursstunde kam der Schwimmlehrer einzeln zu jedem Elternteil um über die Schwimmfortschritte und Schwierigkeiten zu sprechen. Auch das hat mir sehr gut gefallen. Dabei ermahnte er auch manche Mutter oder manchen Vater nicht zu hohe Ansprüche an ihr Kind zu stellen.

Was muss man für die 1. Schwimmstunde mitnehmen?

– genug Zeit zum Umkleiden (15 Minuten)
– Badekleidung und Tüte für die nassen Sachen für hinterher
– Handtuch/ Kapuzenhandtuch ist sehr praktisch
– Badelatschen
– Duschgel/ Shampoo
– Warme Kleidung für hinterher (besonders wichtig in Winter: Jacke, Mütze und Schal)
– Obst, Gemüse, belegte Brötchen und Getränk zur Stärkung für danach (sehr wichtig, die Kinder sind total ausgehungert)
– Bargeld zum Bezahlung der 1. Stunde (bei uns hat es ca. 15 Euro gekostet)
– Foto- oder Videoapparat bzw. Handy zum Dokumentieren (unser Kind war super stolz als es sich Zuhause das Video von seiner 1. Stunde ansehen und es dem anderen Elternteil zeigen konnte)

In der Schwimmschule erhält man den Vertrag sowie die Aufforderung, eine Schwimmmtauglichkeitsbescheinigung vom Kinderarzt mitzubringen (kostet um die 16 Euro, die man privat bezahlen muss).

Warum ist Kinderschwimmen so gut und wichtig?

– es macht den Kindern Spaß, auch wenn es in der 1. Kursstunde nicht danach aussieht
– fördert die Erfahrung von Körper- und Hautkontakt, was wiederum den Aufbau des Körperschemas fördert
– die Eltern-Kind-Beziehung wird vertieft
– das Kind kann sich auch im Wasser selbstständig bewegen
– die Motorik wird unterstützt
– der Gleichgewichtssinn wird trainiert
– die gesamte Muskulatur wird gestärkt
– Förderung der Wahrnehmung, da alle Sinne im Wasser angesprochen werden
– Kräftigung des Abwehrsystems
– Entspannung
– Stärkung der sozialen Kompetenz
– Förderung der Gehirnentwicklung

 

Warum ist Schwimmen für Kinder aus medizinischer Sicht gut?

1. Atmung: Kräftigung der Atemmuskulatur, Vermehrung der Lungenbläschen, Höhere Leistungsfähigkeit
2. Herz: Dehnungsfähigkeit des Herzmuskels wird vergrößert,Herzmuskel wird kräftiger,Steigerung der Ausdauer
3. Skelett: Wachstumsreize, Ausformung der Gelenke,Verstärktes Wachstum der Knochen
4. Wärmehaushalt: Beschleunigte Entwicklung des Unterhautfettgewebes, Verbesserte Wärmeregulation

Babyschwimmen, warum, und was einen erwartet und Anbieter in Berlin

Wer sich mit dem Kleinsten Nachwuchs mal zum Babyschwimmen gehen möchte, kann sich im Blogbeitrag zum Thema Babyschimmen auf stadtwaldkind.de/SWK_Test informieren: www.stadtwaldkind.de/SWK_Test

 

Der deutsche Schwimmverband hat unter dem Begriff „SwimStars“ eine Initiative gestartet, damit die Kinder wieder schwimmen lernen und vor allem, damit sie es richtig lernen. Auf ihrer Website findet Schwimmschüler, Eltern, Trainer, Lehrer, Übungsleiter und allgemein Schwimminteressierte alles Wissenswerte zum neuen deutschen Schwimmlernprogramm: www.swimstars.de

Eva

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.