Auf zu neuen Ufern: mit dem eigenen Boot auf der Havel unterwegs

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Darf ich vorstellen: unsere Blaue Möwe, ein Dreikieler Kajütmotorboot

Es gibt einen bekannten und treffenden Spruch zum Thema Boote: Die zwei schönsten Momente im Leben eines Bootseigners sind der Moment an dem er das Boot kauft und der Moment an dem er das Boot verkauft.

Den ersten Moment haben wir bereits durchlebt. Der zweite ist hoffentlich noch in weiter Ferne. Allerdings haben wir am Anfang nicht richtig eingeschätzt, mit wie viel Arbeit und Kosten der Unterhalt eines Boots verbunden ist. Ein Boot selbst kostet gebraucht verhältnismäßig wenig,. Auch die Versicherungskosten sind gering. Aber die monatlichen Liegegebühren schlagen je nach Angebot und Nachfrage ganz schön zu Buche.

Da Berlin von so viel Wasserwegen und Seen gefüllt ist und wir fußläufig der Havel leben, haben wir letztes Jahr unserem Verlangen nachgegeben und bei einem Motorboot auf Ebay Kleinanzeigen zugeschlagen. Klar hätten wir auch einfach mal ein Boot mieten können. Aber nachdem unser (abgesehen von den normalen regelmäßigen Reparaturarbeiten) Wohnmobil fertig ist und wir es auch reichlich genutzt haben, sehnte sich irgendein wahnsinniger Teil von uns nach einem neuen kleinen Projekt…

Von einer Familie aus Schwerin haben wir Aalbert, ein etwa fünf meter langes Dreikieler Kajütmotorboot Baujahr 1978, in Schwerin abgekauft und mit dem Auto an einem Trailer nach Berlin transportiert. Zum Glück fanden wir rasch einen Liegeplatz in einer Marina, die relativ in der Nähe von uns ist. Dort durfte unser Boot überwintern bis wir einen fußläufigen Liegeplatz fanden.

Im Trockendock

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Aalbert in seinem alten Zustand in Schwerin

Von nun an gab es von nun einiges zu tun! Der Motor musste geprüft werden und außerdem brauchte das Boot außen wie innen einen neuen Anstrich. Für die braun-orange karierten Polster wollten wir auch ein neues Outfit. Und dann waren da noch ein Tisch, der gebaut werden wollte und vor allem die Elektrik, die neu verkabelt werden musste.

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Die Kajüte vorher
Die Kajüte nachher. Das weisse Polster nehmen wir heraus, wenn wir den Tisch in der Kajüte und nicht draußen haben möchten. Unter den blauen Polstern befinden sich Staumöglichkeiten.

Anstatt Weihnachtskekse zu backen, nutzten wir den letzten dunklen Winter dazu, einen schönen Stoff auszusuchen, die Stoffe passend zuzuschneiden und die Polster neu beziehen. Außerdem bekam die braune Wand- und Deckenpanele einen hellen freundlichen Bezug aus weissen Kunstleder, das wir einfach festtackern konnten. Dieser Part war recht einfach und wir hatten schnell sichtbare Erfolgserlebnisse. Von innen sah das Boot schon mal gemütlich und gleichzeitig hell und freundlich aus. Die anstrengendere Arbeit, das Streichen, musste warten bis es wärmer und trockener wurde.

Voranstrich


Im Frühjahr war es dann endlich warm genug um die alte rote leicht abgeblättert Farbe am Boot abzuschleifen und es innen und außen neu zu lackieren. Mehrere Tage haben wir mit Freunden und Familie damit zugebracht bis es endlich außen im blauen Glanz erstrahlte. Alles in allem haben wir für die Sanierung des Motorboots mit Motorüberholung maximal 800 Euro investiert.

Missglückte Jungfernfahrt

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Zum Muttertag im Mai war es dann endlich so weit, das Boot scheint einsatzbereit und das Wetter bis auf etwas zu viel Wind perfekt: Die Großeltern, die Kinder, mein Mann und ich gehen erwartungsvoll mit dem Picknickkorb an Bord. Mein Mann zieht an der Startleine. Er zieht nochmal. Und nochmal. Und noch viele weitere Male. Vergebens. Der Motor springt trotz Überholung nicht an. Wie alle also wieder mit langen Nasen von Bord. Woran hat es gelegen? Die Gaszugsteuerung war nicht richtig eingehängt.

Die geglückte Jungfernfahrt

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Ein paar Wochenenden später ist der Fehler behoben, wir haben ein paar erfolgreiche kurze Testfahrten unternommen und nun ist das Wetter obendrein auch noch prächtig. Das Wochenende liegt warm und lang vor uns, die Taschen sind gepackt.

Unser Plan ist mit unseren Kindern auf dem Boot über Nacht in einer ruhigen Bucht zu ankern. Wir haben zwar die Kabine zwar in eine Schlafkabine ausgebaut, allerdings haben wir weder WC noch Küche an Bord. Wenn jemand Pippi machen muss, gibt es dafür einen Eimer oder wir gehen an Land. Für diesen Zweck haben wir das Stand up Paddle mit dabei. Das Abendessen und Getränke haben wir in einer Tiefkühltruhe verstaut. Handtücher und Badekleidung liegen bereit. Schiff Ahoi, es kann losgehen!

Nach dreimaligen ziehen (während ich die Luft gespannt anhalte) springt der Motor an. Erleichtert vernehmen wir das regelmäßige Brummen des Motors. Jetzt heißt es Leinen los und Pfänder an Bord! Haarscharf schippern wir beim Rückwärtsausparken am Nachbarboot vorbei. Wir sind noch ungeübt im Manövrieren und schaffen es aber letztlich doch ohne Schaden anzurichten unseren Bootssteg zu verlassen. Unsere beiden Kinder tragen Rettungswesten damit wir Eltern beruhigt sind.

Wir schippern mit circa fünf bis sieben Kilometer pro Stunde über die Havel nach Norden, wo wir Freunde besuchen möchten, bevor wir wieder in südliche Richtung zu einer kleinen Insel tuckern.

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Insel voraus!

Kurz vor dem Haus unserer Freunde legen wir an einem öffentlichen Steg an und spazieren mit ihnen zu einem DDR Grenzwachturm, der besichtigt werden kann. Mit dem Fernglas im obersten Stockwerk können wir gestochen scharf unsere Badestellen ausmachen. Nach dem Besteigen des schmalen hohen Turms, geht es wieder an Bord. Schließlich wollen wir im See noch baden und mit dem Sup paddeln.

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Vor der Insel finden wir einen ruhigen geschützten Ankerplatz für uns. Jetzt heißt es erstmal Tiefkühltruhe auf und Prost! Kurz darauf kommt eine befreundete Familie mit ihrem Kajak bei uns vorbei gepaddelt, die wir zu uns an Bord einladen. Die Kinder springen in einer Tour vom Boot ins Wasser, während ich faul auf dem Sup dümple bis es Zeit fürs Abendessen wird und unsere Freunde wieder heimwärts paddeln. Unsere Led Lichterkette leuchtet bunt auf während es um uns herum auf dem Wasser dunkelt. Außer uns ankern nich einige andere Boote allein oder im Päckchen in der Nähe des Ufers. Als die Sonne vollständig hinter der westlichen Uferseite mit einem letzten rosa Glimmen versunken ist, putzen wir uns mit etwas Wasser aus einer Trinkflasche putzen die Zähne und dann geht es für alle Matrosen und den Steuermann ab in die kleine Koje. Jetzt könnten wir Geschichten wie „Sindbad der Seefahrer“, „Die Sagen des Odysseus“ oder „Der kleine Wassermann“ lesen. Aber wir haben heute selbst zu viel erlebt und sind zu müde. Lieber lassen wir uns von dem Schunkeln des Boots und dem regelmäßigen Plätschern des Wassers an unserem Bug einlullen. Während alle schlafen und wahrscheinlich von Meerjungfrauen und Piratenschätzen träumen, liege ich noch lange wach, weil alles so ungewohnt und auch ganz schön eng ist.
Doch irgendwann schlafe auch ich erschöpft ein. Am nächsten Morgen müssen wir leider früh den Anker lichten und nach Hause fahren. Die jüngste Matrosin hat um 10 Uhr ihren Seepferdchen Schwimmkurs.

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Literatur zum Thema Boote

Handbuch für Motorbootfahrer (2019)

Der große Boots-Check: Leitfaden für Käufer und Eigner

Eva

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