Wohnmobiltour durch Nordfrankreich Teil 10: Utah Beach, unser westlichstes Etappenziel

mit dem Wohnmobiltour zum Utah Beach in Frankreich

Au revoir, le chien! A bientôt, la vache! Wir verabschieden uns vom malerischen Bauernhof und der Calvados und Cidre Destillerie. Auf geht’s hoch zum Küstenabschnitt Utah Beach im Département Manche. Dies soll die westlichste Etappe unserer Wohnmobiltour durch Nordfrankreich sein. Anschließend werden wir uns gemütlich auf den Rückweg in Richtung der Somme Region und Pas de Calais machen. Dort warten ja auch noch einige schöne Etappenziele auf uns, an denen wir auf dem Hinweg nicht gehalten haben.

mit dem Wohnmobil auf der Tour de France Strecke unterwegs

Touristische Highlights: Tour de France und 2. Weltkrieg

Wir durchfahren in der Haute Normandie viele kleine Orte, in denen bunte Plakate sowie oben an Laternen aufgehängte Fahrräder an die Tour de France 2016 erinnern, die auch hier entlang führte. Auch einige kleine Museen zum Thema des 2. Weltkriegs machen hier auf sich aufmerksam. Bereits im Supermarkt, wo wir uns eben mit Lebensmitteln fürs Abendessen eingedeckt hatten, türmten sich Hunderte von Flyern in einem Display, die sich alle um ein Thema drehen: Krieg. Am Ende des Beitrags habe ich einige Museen aufgeführt.

Wir rollen auf die lange Bucht, dem ehemaligen Atlantikwall, zu. Eine wenig befahrene Promenadenstraße mit schmalem Gehweg säumt die Küstenmauer. Zwischen den Dünen befinden sich hier nur vereinzelte Häuser mit Blick aufs Meer. Es ist eher ländlich ruhig hier.

Invasion im 2. Weltkrieg am Utah Beach

72 Jahre vor unserer Ankunft war es hier allerdings nicht so ruhig und idyllisch. Am berühmten D-Day, den 6. Juni 1944, kamen um kurz nach Mitternacht die ersten amerikanischen Soldaten in Frankreich an und leiteten damit eine der größten Militäroperationen der Geschichte ein, von der damals niemand sicher sein konnte, dass sie gelingen würde. Wir alle kennen die dramatischen Szenen, die sich hier an der normannischen Küste abspielten aus Filmen, wie etwa „Der Soldat James Ryan“. All das geht mir im Kopf herum, als wir am Gold und Omaha Beach vorbei und dann auf Utah Beach zu rollen.

An der Küstenlinie erinnern noch zahlreiche Bunker, Denkmäler sowie im Landesinneren mehrere Soldatenfriedhöfe und an die 30 Museen an die erfolgreiche Invasion vor 72 Jahren. Wenn das alles nicht wäre, würden wir uns das Blutvergießen, das hier stattgefunden hat, noch viel weniger vorstellen können. Die Sonne lacht als gäbe es kein Gestern und der Himmel ist von einem leuchtenden Blau, dass es in den Augen brennt. Badewetter!

mit dem Wohnmobil zum Campingplatz Le Comoran in Frankreich, Utah Beach

Campingplatz Le Cormoran

Circa 110 Kilometer von unserer letzten Etappe entfernt kommen wir in Ravenoville an. Gegenüber der Inseln „Iles St. Marcouf“ biegen wir bei der US-amerikanischen, der französischen, britischen und anderen Länderfahnen zum Campingplatz Le Cormoran links ein.

Zwischen Palmen und Hecken stellen wir uns wieder quer. „Bonjour“. Links von uns steht ein französisches Paar mit ihrem Wohnmobil. „Hello“. Rechts von uns campieren zwei Söhne und ihr Vater aus England. Freundlich werden wir von unseren Nachbarn zurück gegrüßt. Der Campingplatz ist trotz seiner Symmetrie ganz hübsch angelegt und sehr grün.

Es gibt eine Bar und nebenan einen kleinen Supermarkt, der morgens frische Baguettes, Brot und Croissants und sogar die Süddeutsche Zeitung verkauft. Ansonsten hält er auch einige weitere Alltagslebensmittel bereit, mehr aber auch nicht.
Zur Freude der Kinder gibt es Tretautos sowie drei große Hüpfburgen und zwei Trampoline. Außerdem Billard Golf, einen Fitness Parcours, einen überdachten Pool sowie ein Freiluftschwimmbecken. Irgendwo müssen sich noch eine Sauna sowie ein Tennisplatz befinden. Die für die Region typischen Mobile Homes stehen hier auch herum. Außerdem werden Aqua Fitness und Bastel- und seltsamerweise Sportschießkurse mit Luftdruckgewehren angeboten. Auf letzteres verzichten wir gerne. Das Sanitärgebäude ist sehr sauber und es gibt auch eine Badewanne für Babies und Kleinkinder.

Ziegengehege auf dem Campingplatz Le Comoran in Frankreich, Utah Beach

Tierische Nachbarn

„Mäh!“ Was begrüßt uns denn nun? Hinter unserem Stellplatz, nur knapp 30 Zentimeter hinter der Hecke, befindet sich ein Ziegengehege. Daneben gibt es noch eine Pferdekoppel, die allerdings von lauter Pferdeäpfeln nur so strotzt. Natürlich werden die kleinen Ziegen ersten einmal von unseren Kindern ausgiebig mit Gras verköstigt während wir die Badetasche klar machen. Die Kinder haben sich einen Sprung in den überdachten Pool oder ins Freiluftschwimmbecken mehr als verdient.

Windpocken Alarm?

Unsere Kleine hat sich nach unserer Diagnose entweder in Berlin oder kurz darauf auf dem hessischen Campingplatz wohl leider mit Windpocken angesteckt. Obwohl sie dagegen geimpft ist, gibt es keinen hundertprozentigen Impfschutz, sagt uns die Sprechstundenhilfe der Berliner Kinderärztin am Telefon. Aber die Kleine ist trotz der vielen Blässchen gut drauf. Sie darf allerdings nicht mit in den Pool, weil wir vermeiden möchten, dass sie andere Kinder oder Schwangere ansteckt.

Muscheln sammelm am Utah Beach

Am Utah Beach unterwegs

Nach der Erfrischung relaxen wir auf den Liegen am Pool. Jeder ein Eis in der Hand. Irgendwann wird es in der Sonne zu heiß und wir gehen am Strand spazieren. Er ist über und über mit großen Muscheln bedeckt. Die Sammeltasche füllt sich im Nu. Ich teste das Meerwasser. Es ist vorne angenehm warm, aber leider von vielen angeschwemmten Algenpflanzen durchsetzt. Nach ein paar Schwimmzügen sind die Algen weg und es wird kühler. Leider ist das Meer sehr trüb, weil so viel Sand darin aufgewirbelt wurde. Das ist mir immer suspekt. Ich möchte lieber sehen, was sich um mich herum bewegt. Also wieder raus ans Land.

historische Geländewagen am Utah Beach, Nordfrankreich

Während wir am Sandstrand einen Fuß vor den andern setzen und uns auf die Überreste eines deutschen Bunker sind zu bewegen, wird mir ganz anders zumute. Tut mir leid, wenn ich schon wieder so grüblerisch daher komme. Aber so bin ich nun mal. Denn genau hier, wo wir uns jetzt die Sonne auf den Kopf scheinen lassen und unsere Kinder fröhlich Muscheln auflesen, ist das Blut von tausenden Soldaten geflossen, um den Vormarsch der Nazis im Westen zu stoppen. Es klebt trotzdem kein Blut an unseren nackten Fußsohlen. Nur Muschelkalk. Die Meereswellen plätschern so unschuldig, als wäre hier nie ein Schuss gefallen. Nun stehen schräg hinter dem Bunker zwei Original Jeeps aus dem 2. Weltkrieg, die man inklusive einem Fahrer für eine historische Normandie Tour stunden- oder tageweise mieten kann. Das kostet allerdings eine Stange Geld.

Hüpfburg Campingplatz Le Cormoran, Nordfrankreich

Unser buntes Abendprogramm: Von den Ziegen bis zum französischen Elvis

Zum Abendessen verspeisen wir ein halbes Kilogramm Crevettes (Garnelen). Danach bereiten unsere Töchter zuerst den Ziegen ein grasiges Festmahl bevor sie auf den verschiedenen kostenfreien Hüpfburgen und Trampolinen hüpfen bis ihnen schwindlig wird. Wir müssen sie von den Trampolinen unter lauten Protest zerren damit auch mal die anderen Kinder dran kommen. Ansonsten würden sie wahrscheinlich bis zur Schließung des Campingplatzes noch dort hüpfen wie Flummis.

mit dem Wohnmobil durch Nordfrankreich, Utah Beach bei Sonnenuntergang

Wir laufen vom Campingplatz aus die 20 Meter bis zum Meer, dass sich aufgrund der Ebbe weit zurück gezogen hat. Wir springen von Sandbank zu Sandbank bis wir das Meer doch noch erwischen. Erst als die Sonne hinter dem Campingplatz verschwindet, gehen wir zurück.

französisches Elvis Double auf dem Campingplatz Le Cormoran, Frankreich

In der Campingplatz Bar ist ein französischer Elvis gerade dabei sich warm zu singen. Er sieht in seinem weißen und mit goldenen Strasssteinen bestickten Anzug samt goldenen Gürtel so intergalaktisch aus, dass unsere Kleine wie angewurzelt in seiner Nähe stehen bleibt und ihn einfach nur anstarrt. Nur schwer kommt sie in den Groove. Die Band in Saint-Valery-sur-Somme war anscheinend mehr ihr Ding. Wir hören Elvis Double noch lange bevor wir in den Schlaf finden.

Damit sich unsere kränkelnde Tochter von ihren Windpocken etwas erholen kann, bleiben wir noch eine weitere Nacht auf dem Campingplatz. Das salzige Meerwasser und die trockene Luft tun ihrer Haut gut.

Die Kriegsmuseen in der Umgebung besichtigen wir nicht. Wir genießen einfach das grandiose Wetter, nachdem wir ja auch einige durchwachsene Tage hatten, joggen am Strand und bauen dort mit unseren Kindern Torten mit Sandfüllung und einem sagenhaften Muscheltopping. Abends spielen wir Boule wie echte Franzosen. Endlich kommen die schweren silbernen Kugeln mal zum Einsatz, die wir bei jeder Wohnmobiltour mit dabei haben.

unterwegs im Département Manche

Adressen und weitere Informationen

Campingplatz Le Cormoran

50480 Ravenoville-Plage
www.lecormoran.com
lecormoran@wanadoo.fr
Tel: +33 (0)2 33 41 33 94

Freizeit & Museen

Normandy Jeep Tours
Tel: +33 (0)6 76 16 95 20

Utah Beach Museen du Debarquement
50480 Sainte Marie du Mont
www.utah-beach.com
musee@utah-beach.com

Öffnungszeiten
Oktober bis Mai: 10 bis 18 Uhr
Juni bis September: 9.30 bis 19 Uhr
Vom 1. bis 25. Dezember geschlossen.
Letzter Einlass ist eine Stunde vor Schließung.

Musée Mémorial d’Omaha Beach
„Les Moulins“ Avenue de la Liberation
14710 Saint-Laurent-sur-Mer
www.musee-memorial-omaha.com
musee-memorial-omaha@wanadoo.fr
Tel: +33 (0)2 31 21 97 44

Öffnungszeiten
Februar: 10 bis 17 Uhr
März: 10 bis 18 Uhr
April/Mai: 9.30 bis 18.30 Uhr
Juni: 9.30 bis 19 Uhr
Juli/ August: 9.30 bis 19.30 Uhr
September: 9.30 bis 18.30 Uhr
Oktober/November: 9.30 bis 18 Uhr

Normandy Tank Museum A10 Airfield
La Fourchette Avenue du Cotentin
50500 Catz
www.normandy-tank-museum.fr
contact@normandy-tank-museum.fr
Tel: +33 (0)2 33 44 39 45

Hangar d’Ecausseville
www.aerobase.fr
contact@aerobase.fr

Centre Historique des Parachutistes du Jour-J
(D-Day Experience + Dead Man’s Corner Museum)
2 Village de l’Amont
50500 Saint-Côme-du-Mont
www.paratrooper-museum.org
communication.carentin.101@orange.fr

Öffnungszeiten
1. Oktober bis 31. März: 10 bis 18 Uhr
1. April bis 30. September: 9.30 bis 19 Uhr

Reise- und Etappenführer für Wohnmobilreisen

„Mit dem Wohnmobil durch die Normandie“ (Womo-Reihe), Taschenbuch, 1. Juli 2013

„DuMont direkt Reiseführer Normandie“, Taschenbuch, 25. Juni 2015

„Mit dem Wohnmobil nach Nordfrankreich“ (Womo-Reihe), Taschenbuch, 3. Feburuar 2014

„Tourenführer Frankreichs Norden mit dem Wohnmobil“, Broschiert, 23. Februar 2012

ADAC Campingführer Südeuropa mit herausnehmbarer Planungskarte

ADAC Stellplatzführer Deutschland/Europa mit zwei herausnehmbaren Planungskarten

Etappenführer France Passion

Eva

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.