Auf zu den Wasserbüffeln

Etwas Exotik in Zeiten von Corona gefällig? Dafür brauchst Du weder in einen Zoo noch in ein aisatisches Land zu reisen (was wegen Corona gerade auch etwas kompliziert wäre), sondern kannst Dich ganz einfach in das Schutzgebiet Tegeler Fließtal begeben. Seit 2015 pflegen in Berlin-Reinickendorf, dank eines von der EU unterstütztes Projekt des Bezirksamts Reinickendorf und der Senatsverwaltung Berlin, Wasserbüffel das Fließtal. Insgesamt 13 tierische Rasenmäher bewegen sich seit dem 7. Mai 2020 bis zum Herbst wieder auf der Weide. Sie scheinen sich tierisch wohl in der Hauptstadt zu fühlen. Wenn man sie dabei beobachtet, wie sie sich auf dem feuchten Boden wälzen, gemeinsam gemächlich Grünzeug futtern oder sich an der Tränke erfrischen, sehen sie ganz zufrieden aus. Überwintern tun die Wasserbüffel auf der Weide eines Landwirts in Brandenburg. Bis dahin hast Du die Gelegenheit ihnen einen Besuch abzustatten.

Solltest Du vorher noch nie vom Tegeler Fließtal gehört haben, dann hast Du eine wahre Oase in der Großstadt bisher verpasst. Nicht nur die schönen dunklen Wasserbüffel sind einen Ausflug in den Berliner Norden wert. Auch das Fließtal allein ist landschaftlich wunderschön. Man kann es sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad prima erkunden. Der Name des Tegeler Fließ kommt vom gleichnamigen Bach, der insgesamt etwas über 30 Kilometer lang ist und sich fast zu einem Dritter der Länge in Berlin befindet. Er mündet in den Tegeler See mit direktem Anschluss zur Havel. Von diesen beiden Gewässern zumindest haben sicherlich alle Berliner*innen schon mal gehört und sie vielleicht schon einmal besucht, nicht wahr? Die Ufer des Fließ sind in weiten Teilen durch urwüchsige und vielfältige Bachauenlandschaft geprägt, die sich mit ausgedehnten Wiesen, Erlenbruch und Grauweidengebüschen abwechselt. Hier leben mittlerweile wieder viele gefährdete Tier- und Insektenarten: darunter seltene Schmetterlingsarten, die in Berlin bereits als ausgestorben galten. Auch gefährdete Vogelarten wie Braunkehlchen oder Beutelmeise haben sich hier angesiedelt.

Die Wasserbüffelherde bewegt sich auf einem 19 Hektar großen umzäunten Gebiet zwischen der Egidybrücke bzs. Egidysteg (gegenüber der Mühlenfeldstraße Nr. 45 in 13467 Berlin) im Süden und den nördlichen Niedermoorwiesen. Mit den öffentlichen Nahverkehr kommst Du mit dem Bus 125 bis Mühlenfeldstraße oder mit dem Bus 222 bis zur Haltestelle Freie Scholle. Es ist nicht immer so einfach die beeindruckenden Tiere zu finden, weil sie sich auch ganz gerne in die Weidengebüsche zurückziehen, um ihre Ruhe zu haben, was ihnen natürlich gegönnt sei. Doch gute Chancen die Herde zu entdecken hast Du von den Standorten aus.

Im Jahr 2019 wurde das Wasserbüffel-Projekt übrigens als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet und darf sich damit als vorbildliches Projekt, das sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzt, rühmen. Jawoll!
Wie kam es dazu? Bis in die 1960er Jahre wurde das Tegeler Fließtal noch landwirtschaftlich genutzt, was allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nach und nach aufgegeben wurde, weil die nötigen Maschinen zu kostspielig waren. Daraufhin eroberten immer mehr Gehölze die einst offene Wiesenlandschaft, wodurch auch viele seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten der Offenlandschaft verschwanden. Feuchtwiesen offen zu halten ist landschaftpflegetechnisch schwierig, weil die Flächen für die maschinelle Mahd zu nass sind und es für die Mahdgut keine wirtschaftliche Verwendung gibt. Wasserbüffel waren und sind die Rettung, denn sie erledigen die Beweidung der Überschwemmungswiesenlandschaft sehr gerne. Beim Fressen sind sie nicht so wählerisch wie Rinder. Wasserbüffel futtern auch gröberes Schilf und Seggen (das sind krautige Pflanzen) ganz gerne. Bis zu 40 Kilogramm können sie am Tag vertilgen. Den sumpfigen Untergrund bewältigen sie im Gegensatz zu uns Menschen, die gnadenlos darin versinken würden, dank ihrer auseinandergespreizten Hufe problemlos. Außerdem kippen sie ab und zu ganz gerne auch mal einen Baum um, was für die Offenlandschaft auch wichtig ist.

Das Tegeler Fließ ist Namensgeber des größten zusammenhängenden Natura-2000-Gebiets in Berlin und quert auf einer Länge von 14,5 Kilometern einmal das gesamte Stadtgebiet von Ost nach West.

Weitere Informationen

Informative und aktuelle Website des Bülow-Gymnasiums Berlin: Wasserbüffel am Tegeler Fließ

Reiseführer/ Ausflugstipps für Familien mit Kindern in Berlin:

Eva

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