Ausflugstipp für Brandenburg: Skulpturenpark rund ums Schloss Schwante

Ein ermutigendes, stärkendes und inspirierendes Versprechen im Tümpel. Kunst, wie diese von Martin Creeds über dem Wasser schwebende Neonarbeit von 2011 „Everything is going to be alright“ wirkt sehr konstruktiv, insbesondere während der heutigen Zeit.

Wer Kunstgenuss, Gaumenschmaus und Bewegung an der frischen Luft miteinander vereinen möchte, findet das Überraschungsei auf Brandenburger Art 25 Kilometer nordwestlich vor den Toren Berlins auf dem idyllischen Schlossgut Schwante. Besonders in pandemischen Zeiten ist Kunst im Freien eine schlaue Idee. Inmitten des teilweise wild wuchernden 20 Hektar großen Parks im Havelland können 20 bis 30 Werke entdeckt werden. Darunter zum Beispiel eine zwischen Bäumen zu schweben scheinende Galaxie, die Skulptur „M-Sphären“ von Björn Dahlem. Oder eine Säule aus in Bronze gegossenen Schallplatten, die an zusammen geklappte Muscheln erinnern. Außerdem eine vom chinesischen Weltstar Ai Weiwei zum 70. Jahrestag der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen im Jahr 2018 gestaltete blau-weiße “Flag for Human Rights“ mit der Fußabbildung eines Rohinbga-Flüchtlings. Last but not least bieten Ponys, eine Tischtennisplatte, Schaukeln und ein Fedelballnetz Raum für Vergnügen. Im stilvollen Restaurant und Biergarten gibt es regionale Köstlichkeiten gegen das Hungergefühl. Brände aus der Grumsiner Brennerei in der Schorfheide, Marmelade aus Schwante, Apfelsecco und originelle Keramik der Manufaktur Kühn aus Kreuzberg sowie Kinderbücher und Kunstbände gibt es im Hofladen zu erstehen. Ein Froschteich mit Liegestühlen drum herum, Sitzbänke und unsere geliebten Hängemätten laden zum Entspannen vor, zwischen und nach dem Kunstgenuss ein und bieten Sichtachsen auf das Schloss, welches nun als privates Wohnhaus nicht mehr zugänglich ist. Was will man mehr?

Diese filigranen Aluminium-Blumen des japanischen Künstlers Toshihiko Mitsuya werden niemals welk: „The Aluminium Garden-Structural Study of Plants“.

Wir kommen an einem leicht regnerischen Tag an und haben den von 30 Meter hohen Pappeln umsäumten Park neben dem dreiflügeligen zweigeschossigen Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert unweit des Mühlensees fast für uns allein. Die Luft ist angenehm frisch und klar. Das Grün des Schlossparks ist so tief, wie es nur im Juni sein kann. Unsere Kinder wandeln im Gummistiefeln und Regenschirmen umher und freuen sich, wenn sie im Unterholz und an kleinen Teichen wieder etwas Unerwartetes, wie zum Beispiel drei Edelstahl-Quadrate des US-Künstlers George Rickey, die sich sanft im Wind hin und her schwingen, entdeckt haben. Oder die neun Tongefäße unter Weiden, die den Klang von Bäumen konservieren sollen. Erfrischend unkünstlich kommen diese sehr unterschiedlichen Kunstwerke daher, die im Zusammenspiel mit der umgebenden Natur ihre Wirkung entfalten sollen. Wir schlendern entspannt umher, gehen mal hierhin mal dorthin. Setzen uns, blicken um uns.

Dr. Loretta Würtenberger, einst Deutschlands jüngste Richterin, und Daniel Tümpel, Investmentbanker und Mitbegründer des gemeinsamen Unternehmens Fine Art Partners sowie Enkel des Bauhauskünstlers Wolfgang Tümpel, haben das Gut 2019 sogar für sie selbst ziemlich überraschend gekauft. Heute leben sie mit ihren Kindern auf dem Schlossgut, das nun größtenteils von Leihgaben international renommierter Künstler*innen umgeben ist, wie Hans Arp, Gregor Hildebrandt, Monika Sosnowska und zu Ai Weiei. Viele von ihnen waren vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen.

Das Leben ist zwar kein Ponyhof. Trotzdem wird am Ende alles gut.

Das Schloss Schwante hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis 1945 hatte es drei verschiedene Besitzer. Danach diente es als Kindergarten, Krankenhaus, Sitz des Bürgermeisters und der LPG sowie als Poststelle, Kino und Schule. Für die landwirtschaftliche Nutzung wurden gerade Linien gezogen, eine Streuobstwiese und Beete entstanden. Das Berliner Hexenkessel Hoftheater versuchte hier noch vor ein paar Jahren sein Glück. Wir sind nach unserem Besuch um Paradies-Schwante überzeugt, dass hier nun alles gut wird und wünschen der sechsköpfigen Familie alles Gute und viele Besucher*innen in diesem malerisch in die Landschaft eingebetteten Schlossgut! Der Skulpturenpark ist wirklich ein Hingucker!

Schloss Schwante, Schlossplatz 1-3, Oberkrämer (OT Schwante)
Geöffnet Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Maskenpflicht im Park
Öffentliche Führung jeden Sonntag um 14 Uhr
Eintritt 12 Euro
mehr Infos unter schlossgut-schwante.de

„Das Blau vom Himmel herunterholen“ nennt Loretta Würtenberger diese blau lackierte Stahlskulptur von Katja Strunz, deren Titel eigentlich „Unfolding Process“ heißt. Wie dem auch sei, beides passt. Natur trifft hier auf jeden Fall auf Kunst.
Eva

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