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Unser Wochenentip: Kanutour in der Ruppiner Schweiz

Hallo liebe Outdoor-Freunde! Ich habe etwas verheimlicht und zwar waren mein Mann, unsere Kinder und ich vor den Sommerferien gemeinsam mit drei befreundeten Familien bereits vorvereist. Bei uns hat sich mittlerweile die Tradition entwickelt einmal pro Jahr eine Kanutour zusammen mit unseren Kids zu unternehmen. Meist hat unser Kurztrip im Spätsommer stattgefunden.
In diesem Jahr haben wir unser Fernweh nicht mehr ausgehalten und haben bereits vor dem großen Sommerurlaub ein Wochenende im Naturschutzgebiet Ruppiner Schweiz verbracht. Dieser Landstrich gehört zu den schönsten die ich kenne und eignet sich sowohl im Frühling als auch im Sommer oder Herbst für einen Ausflug oder Urlaub.

In der Ruppiner Schweiz gib es neben dem wunderbaren Waldgebiet (das als Wandergebiet sehr beliebt ist) eine Seenkette, die durch den Havelnebenfluss namens Rhin wie eine Perlenkette miteinander verbunden ist. Eine solche Seenkette ist ideal wie sonstwas zum Kanu- oder Kajalfahren, da ein glasklarer See nach dem anderen kommt. Man kann also bei guter Kondition einen See nach dem anderen abklappern. Wir haben uns für unser Wochenende den Zermützelsee und den Tornowsee ausgesucht.

Der Zermützelsee liegt neun Kilometer nördlich von Neuruppin (eine Sehenswerte Stadt in dessen Therme wir im Januar waren, siehe Beitrag: Unser Wellness-Wochenende) entfernt. Nördlich darüber reiht sich der Tornowsee. Auch vom Wasser aus ist die umgebende Landschaft einfach wunderbar anzusehen. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere liebe Freundin S., die Tour vorgeschlagen hatte. Sehr schade nur, dass sie selbst am dem Wochenende nicht dabei sein konnte.

Zwar haben wir in dem Anglerparadies von See weder Aale, noch Hechte oder Zander, Welse, Barsche, Karpfen, Schleien und Weißfische geangelt oder sie gesehen, obwohl diese Fischarten im 1,2 km2 großen Zermützelsee zuhause sind Aber dafür haben wir jede Menge Wasservögel und Seerosen entdeckt. Zwischendurch fühlten wir uns wie in einem Mangrovenwald, der mich mehr an Südostasien als an Nordbrandenburg erinnerte. Davon später mehr.

Campingplatz Stendenitz

Unser Camp, bestehend aus mehreren Zelten, mehreren Campingtischen und einem Wohnmobil, richteten wir gegen Mittagszeit auf einer 4-Sterne-Campingplatzanlage direkt am Ufer des Zermützelsees ein. Auf der anderen Seite des Platzes liegt ein hügeliges Buchenwaldgebiet, wie es so typisch für die Ruppiner Schweiz ist. Hinter der Einfahrt auf den Campingplatz befindet in sich übrigens das urige Waldmuseum Stendenitz.
Neben der tollen Lage an dem ausgezeichneten Badegewässer haben uns der Naturbadestrand, das freundliche Personal und die modernen Sanitäranlagen besonders gut an dem Platz gefallen. Vom Strand aus konnten wir praktischerweise unsere Kanus und Stand up Boards zu Wasser lassen. Da wir keines auf unser Wohnmobildach packen konnten, liehen wir uns vor Ort eines aus.
Der Campingplatz gehört zu CUR Camping, einer Gruppe von insgesamt drei Plätzen in dieser Umgebung. Wer also in Stendenitz keinen Platz mehr bekommt, findet eventuell auf einem der beiden anderen Plätze, am Rottstielfließ oder am Großen Rehwinkel, noch etwas. Da wir insgesamt vier Familien waren, hatten wir im Vorhinein ausreichend Platz für uns reserviert.

Unsere Kanutour über den Zermützelsee und Tornowsee zur Boltenmühle

Dschungelfeeling am Rottstielfließ

Vollständigerweise müsste die Überschrift „Unsere Kanu- und Stand up Board Tour“ heißen, da wir fast her genauso viele Boards wie Kanus aufs Wasser ließen. Einige der Kids, unsere inklusive, hatten mehr Spaß auf ihren Boards und paddelten oder ließen sich von den Kanus ziehen. Für den Hin- und Rückweg benötigten wir jeweils etwa 1,5 Stunden. Obwohl der Zermützelsee für Sportboote befahrbar ist haben wir während der gesamten Zeit nicht ein einziges Motorboot gesehen oder gehört. Es waren auch kaum andere Kanus auf dem Wasser unterwegs.

In nordwestliche Richtung verließen wir den Zermützelsee über den Rottstielfließ. Dieser schmale Stichkanal empfing uns gleich zu Amfang mit einem romantischen Schilf- und Seerosenteppich der als Stopover für zahlreiche Insekten diente. Danach entwickelte sich das Ufer immer mehr zu einem Mangrovenartigen Gebiet, denn wir konnten die Wurzeln der dicht am Wasser hinaufgewachsenem Bäume sehen.

Nach dem wir eine kleine Brücke unterquerten, erreichten wir den 2,18 Kilometer langen (oder kurzen, je nachdem) Tornowsee. Dieser See ist größer und mit zwölf Metern auch tiefer als der Zermützelsee. Sogar eine Miniinsel hat auf ihm Platz. Während wir über den See paddelten, fing es im Himmel an zu grummeln. Zuerst dachten wir, dass es unsere hungrigen Mägen wären. Aber mit der Zeit verdunkelten sich ein paar Wolken, weshalb wir mehr Gas haben um vor einem vermeintlichen Gewitter an Land zu kommen anstatt mitten auf dem See einen lebendigen Blitzableiter abzugeben.
Unsere Tour erreichte seinen Wendepunkt am nördlichen Ende des Tornowsees, wo sich mit der Boltenmühle eine hübsche Einkehrmöglichkeit für uns anbot: https://www.boltenmuehle.de/hotel

An der Boltenmühle in Gühlen Glienicke, von der bereits Promis wie Theodor Fontane oder Friedrich der Große literarisch schwärmten, befindet sich wirklich noch ein Mühlrad nach dem sich das Hotel benannt hat. Hotel und Gaststätte waren ursprünglich eine Schneidemühle. 1718 errichtet, diente sie dem Zerteilen von Baumstämmen und zum Mahlen von Korn. Das noch vorhandene Mühlrad wird vom wild-romantischen Binenbach angetrieben. Die Liste der ehemaligen Eigentümer der Mühle ist wirklich lang und die verschiedenen Nutzungen über die Jahrhunderte sehr abwechslungsreich. Hier gibt es die Chronik der Boltenmühle zum Nachlesen: https://www.guehlen-glienicke.de/boltenmuehlechronik.html
Ganz nebenbei erwähnt gibt es ich eine alte Hexengeschichte von der Boltenmühle. Aber davon zu erzählen, würde hier zu weit führen. Wer sich dafür interessiert, kann die Legende hier nachlesen: http://www.stadtspaziergaenge.de/2007/neur_hexe_boltenmuehle.php

Gleich nach dem Anlegen öffnete sich uns ein weitläufiger idyllisch angelegter Garten mit einem Gatter für Esel und andere Tiere sowie ein Restaurant mit angeschlossenem Bio-Gemüse-, Beeren- und Kräutergarten. Dahinter liegt leicht erhöht ein Biergarten von dem man über die gesamte Schönheit blicken und bei bodenständig märkischer Küche einfach nur genießen kann.
Wir fanden natürlich, dass wir uns hier eine ausgiebige Pause verdient haben. Obendrein reservierten wir bevor wir uns wieder auf den wasserreichen Rückweg machten, für den selbigen Abend eine lange Tafel im Restaurant, weil es uns so gut dort gefiel. Das dies eine weise Entscheidung war, bemerkten wir erst später. Denn gegen 20 Uhr, als wir im Restaurant durchs Panoramafenster hinaus blickten, wurden wir Zeuge eines ordentlichen Wolkenbruchs. Glücklicherweise waren wir abends mit dem Auto gekommen.

Wer Lust auf Wasserwandern bekommen hat und sich auf den Weg in die Ruppiner Schweiz machen möchte, findet in diesem Buch viele nützliche Infos.

Unser rasantes Himmelfahrtswochenende im Heide Park Soltau

Oh mein Gott, ich weiß nicht mehr, wann ich das letze Mal so laut und lange geschrien und gejauchzt habe. Der Adrenalinkick katapultiert uns mit 4,7 G (Beschleunigungsmaßeinheit) innerhalb von 2,5 Sekunden in eine ganz neue Atmosphäre. Meine Tochter, ihre Freundin und ich begrüßen das Geschehen lautstark, während der Mann (nicht meiner) neben mir keinen Pieps von sich gibt. Wahrscheinlich ist sein Testosteron in Schockstarre verfallen, während unsere weiblichen Östrogene jubilieren. Wir rasen mit 100 Kilometer pro Stunde durch die Lüfte und leider ist es deshalb auch viel zu schnell vorbei. Würden wir nicht 30 Minuten anstehen müssen, würden wir es gleich wieder tun. Das Himmelfahrtskommando in Form einer Katapultachterbahn trägt den passenden Namen Desert Race und befindet sich in einem ansonsten sehr harmonischen Landstrich in Deutschland: im Heide Park Soltau mitten in der Lüneburger Heide.

Meine Tochter, ihre Freundin und mein Mann hatten bereits ihren ersten Adrenalinkick auf Europas höchster Holzachterbahn namens Colossos. Allein schon das Material Holz in Verbindung mit dem Superlativ „höchste“ finde ich beunruhigend. Deshalb bin ich nicht gram, dass unsere zweitgeborene Tochter noch zu jung für diese 60 Meter hohe Attraktion ist und nur mein Mann mit den großen Mädels Kopf und Kragen riskiert. So habe ich eine entspannte Ausrede, weshalb ich leider nicht mit in den Waggon steigen kann. Stattdessen darf ich mit unserer Jüngsten in den Themenbereich „Drachenzähmen – Die Insel“ abtauchen und mich dort etwas entschleunigen. Uns beiden gefällt das Flugmanöver in einer der acht bunten Gondeln von „Hicks Himmelstürmer“ sehr gut und wir kommen uns fast wie echte Drachenreiterinnen vor. Es ist ein bisschen so wie Kettenkarussell, nur dass wir bei liegen anstatt zu sitzen. Ein Glück ist es wieder sonnig und unsere Kleidung ist nach unserer etwas feuchten Wildwasserfahrt wieder trocken. Ansonsten wäre es in den luftigen Höhen etwas frisch für uns geworden.

Orientierung im Freizeit- und Vergnügungspark

Es ist für uns kurz nach dem Betreten des 850.000 Quadratmeter großen Freizeit- und Vergnügungsparks gar nicht leicht, uns für eine der Attraktionen zu entscheiden. Deshalb laufen wir erst einmal entgegen des Uhrzeigersinns durch Deutschland zweitgrößten Vergnügungsparks und suchen uns dann aus, worauf wir Lust haben. Anhand der Heide Park App können wir nachschauen, mit wie viel Wartezeit wir bei welcher Attraktion rechnen müssen. Wer keine Lust auf Warten und etwas mehr Geld locker machen möchte, kann zusätzlich zum Eintrittsticket, das 40€ pro Person kostet, einen von fünf verschiedenen so genannten Express Butler Pässen kaufen, die die Wartezeit verkürzen.

Zusätzlich zur Wartezeit regulieren die Alters- und Größenbeschränkungen unsere Auswahl an Attraktionen etwas. Deshalb beginnen wir zunächst mit den Angeboten, die wir alle zusammen wahrnehmen können. Dazu gehören neben der Wildwasserbahn, gleich rechterhand des Eingangsbereichs, das Peppa Pig Land und das Kettenkarussell La Ola und Breakdance. Letztere sind natürlich Klassiker, die in keinem Vergnügungspark fehlen dürfen.

Zur Freude unserer achtjährigen Tochter gibt es außerdem einen großen Rutschenturm und eine Kinder-Fahrschule namens Wüstenflitzer, wo sie zwar die älteste Fahrerin ist, aber egal. Im Schritttempo drehen die Kiddies gemächlich ihre Runden, während die Eltern neben ihren geliehenen oder mitgebrachten Bollerwagen vom Zaun aus beobachten, wie ihr Nachwuchs sämtliche Vorfahrtsregeln missachtet und im Anschluss trotzdem einen Führerschein mit Lichtbild erhält, wenn man 9€ bezahlt.

Zwischen all dem aufregenden Gesause erholen wir uns auf einer der Parkbänke, die ganz idyllisch umgeben vom viel Grün liegen, in der Sonne und gönnen uns die ein oder andere Portion Pommes Rot-Weiss, obwohl wir schon den ganzen Tag an unseren unendlichen mitgebrachten Proviantboxen knabbern. Wir genießen es, dass es in dem Park immer irgendwo auch etwas schönes angepflanzt ist. Insgesamt kommen also Gross und Klein im Heidepark auf ihre Kosten.

Die Big 7 des Freizeit- und Vergnügungsparks

An den Drive Coaster namens Krake in der so genannten Bucht der Totenkopfpiraten trauen wir uns nicht ran. Zu steil und zu weit oben hängen die drei Sitzreihen über dem Heidepark See bevor sie rasant in die Tiefe und in den Krakenschlund stürzen. Wir müssen jedoch immer wieder automatisch nach oben schauen, wenn die Besucher:innen mehrere Sekunden mit baumelnden Füßen darauf warten in die Senkrechte zu fallen und kurz danach eine Wasserfontäne auslösen. Sieht wirklich spektakulär aus!

Über Scream diskutieren wir ernsthaft. Trauen uns dann aber jedes Mal doch nicht an den 71 Meter hohen Gyro-Drop-Tower ran. Mit nahezu 100 Kilometer pro Stunde hinab in die Tiefe zu fallen, ist ähnlich wie Fallschirmspringen und bringt bestimmt ein verrücktes Glücksgefühl. Aber eigentlich reicht uns der kleine Bruder namens Screamie schon aus, der um einiges kleiner ausfällt. Gerne wären mein Mann und ich in den absoluten Klassiker der Freizeit- und Vergnügungsparks, der Loopingbahn Big Loup, eingestiegen. Doch leider ist dieser derzeit gesperrt. Die beiden anderen Attraktionen der Big 7 heissen Limit, eine spektakuläre Hängeloopingbahn, und Flug der Dämonen, Deutschlands einziger Wingcoaster. Die langen Wartezeiten halten uns jedoch davon ab uns hier den nächsten Adrenalinkick abzuholen. Somit beschränken sich unsere praktischen Adrenalinkick-Erfahrungen, was die Big 7 betrifft, auf Colossus und Desert Race. Immerhin!

Statt uns die Beine bei einen der Big 7 in den Bauch zu stehen, machen wir alle zusammen eine spritzige Mountain-Rafting Tour durch eine Gebirgslandschaft und entspannen danach während einer Monotrailfahrt, die uns einen guten Überblick über den Park verschafft. Bevor unsere Kinder und ich den aufregenden Tag mit ein paar Hinauf-Hinab-Runden auf dem Turm Screamie ausklingen lassen, wollen wir es noch einmal richtig wissen und steigen in die Bobbahn, die uns kräftig durchrüttelt. Zum Abschluss steigen wir gegen 18 Uhr in die Piratenschiffsschaukel, die, so wie alle anderen Fahrgeschäfte nach 18 Uhr, keine neuen Gäste mehr aufnimmt, damit um 19 Uhr der Park seine Pforten schließen kann.

Unser Stellplatz auf dem Campingplatz Böhmeschlucht

Fernab vom Vergnügungstrubel, etwa 30 Minuten Fahrtzeit vom Heidepark Soltau entfernt, bekamen wir einen der letzten reservierbaren Stellplätze für unser Wohnmobil und ein großes Zelt. Der Campingplatz Böhmeschlucht liegt sehr idyllisch in einem Waldgebiet direkt am 71 Kilometer langen Fluss Böhme, in dem man auch Kanu fahren kann, insofern er ausreichend Wasser führt. Fußläufig befindet sich das Dorf Vierde, welches sich aktuell im Rhododendronrausch befindet und eine Straußenfarm als Attraktion sein Eigen nennen kann. Auf dem beschaulichen vier Hektar großen Campingplatz samt drei Seerosenteichen können wir nach dem rasanten Tag sehr schön runterfahren.
Der Inhaber geführte Platz hat für Erwachsene und Kinder jeweils eine eigene Bücherei sowie eine Spielscheune samt Tischtennisplatten, Federballschlägern, Kicker, Roller, Tretautos und Kinderräder. Außerdem gibt es ein Restaurant, Brötchenservice, ein Sanitärgebäude sowie eine Küche mit Backofen und frischen Eiern im Kühlschrank, die man kaufen kann. An manchen Tagen ist Backtag, dann gibt es frisch gebackene Pizzen und Brot vor Ort.

Wer vom Campingplatz nicht so weit wie wir zum Heidepark fahren möchte, kann sich auf einem der näher liegenden Campingplätzen umsehen oder natürlich in einem der originellen Themenzimmer des Heide Park Hotels einmieten. Allerdings muss man schnell sein, um noch einen freien Platz zu ergattern.

Wer noch mehr Tipps für Freizeit- und Vergnügungsparks haben möchte, kann sich gerne meine Beiträge über das Legoland in Günzburg oder den Playmobil Funpark und Karls Erlebnis-Dorf ansehen. Und last but not least habe ich über den sehr hübschen Jardin d’Acclimation berichtet.

Stadtfrei: Familienabenteuer in der Natur

Wohnst du auch in einer (Groß)Stadt? Wenn ja, dann kennst du sicherlich die Vor- und Nachteile vom Stadtleben. Ich kann auf jeden Fall ein Lied davon singen. Ich bin ein seltenes Exemplar von Urberlinerin, das heißt ich bin in Berlin geboren und habe immer hier gelebt, geliebt und gearbeitet und viel Spaß dabei gehabt und habe ihn noch immer. Aber es gibt so Momente, in denen ich auch mal eine Pausetaste drücke und wir uns im Garten austoben oder mit unserem alten Wohnmobil raus aufs Land zuckeln. Fernab der Großstadthektik können wir als Familie dann richtig schön runterkommen. Für Familien mit Kindern, die einmal raus aus der Stadt und rein in die Wildnis möchten, gibt es zum Beispiel richtig tolle Angebote von Stadtfrei. Bisher hatte Stadtfrei allerdings nur Angebote für Väter mit Kindern. Ziemlich schade für Mamas. Ob sich daran mittlerweile etwas geändert hat, verrät uns die liebe Nicole Sachse-Handke in diesem Interview!


Stadtwaldkind: Hallo Nicole, wir kennen uns jetzt schon seit 2007, huch das ist schon eine lange Zeit. Uns verbindet die Kultur, aber seit ein paar Jahren auch unsere Leidenschaft für Outdoor-Erlebnisse. Du hast gegründet, Nicole. Stadtfrei heißt eure gemeinnützige Genossenschaft. Dort bist Du für Presse und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und bist seit diesem Jahr qualifizierte Teamerin für Camps. Was macht ihr denn? Stadtfrei, das klingt für mich Großstädterin ja so nach Urlaub?
NSH: Ja, da liegst du richtig, Wir schaffen wir attraktive Angebote in der Berliner und Brandenburger Natur für Eltern und ihre Kinder. Frei nach dem Motto: Raus aus der Stadt und rein ins Abenteuer verschrieben.

Stadtwaldkind: Ich hatte schon früher mal in euer Programm geschaut, aber da hattet ihr aber nur Angebote für Väter. Gibt es denn auch Familien- oder Mutter-Kind-Camps?
NSH: Im letzten Jahr haben wir viel positives Feedback für unsere Stadtfrei-Arbeit bekommen. Uns haben aber auch viele Fragen und Wünsche. Die scheinbar interessanteste war dabei genau deine Frage: Wann gibts denn endlich Familien- oder Mutter-Kind-Camps? Bisher hatte Stadtfrei nur männliche Teamer. Das liegt daran, dass Stadtfrei aus der Initiative Männerjob – eine Initiative für Väter und Kinder entstanden ist. Wir haben auch 3 Teamerinnen, die in den letzten Monaten verschiedene Qualifizierungen durchlaufen haben. Neben der Erste Hilfe Outdoor und einer Kinderschutzfortbildung, gehört auch die Rote Karte und ein erweitertes Führungszeugnis dazu.


Stadtwaldkind: Was ist denn, wenn ich nicht soviel Zeit oder Geld habe und trotzdem der Stadtgewusel entfliehen möchte?
NSH: Dann kannst du einfach zu unseren kostenfreien Ein-Tages-Aktionen kommen. Wir starten am 2.4. mit der Aktion Erste-Hilfe-Fahrrad. Und dann gibt es noch Imkern, Walderleben, Bogenschießen, Räucherwerk und Baumschlagen.

Stadtwaldkind: Ich habe auch gesehen, ihr habt am 8. Oktober eine Aktion, die heißt Stadtfrei für alle? Ein Erlebnistag für Mütter, Väter und ihre Kinder. Was habt ihr geplant?
NSH: Ohja, alle sind eingeladen sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Es gibt reichlich Zeit zum Spielen für die Kinder und mit den Kindern, Musizieren und Toben. Er kann nach Regeln gerauft, mit dem Bogen geschossen, musiziert oder einem Bilderbuchkino gefolgt werden. Auf jeden Fall werden die Fotos/Videos der vergangenen Camps und Aktionen präsentiert. Zum Abschluss wird natürlich über dem Lagerfeuer Stockbrot gebacken oder auch das eine oder andere Würstchen gegrillt.

Stadtwaldkind: Das heißt ihr habt jetzt auch Angebote speziell für Mütter?
NSH: Ja, wir veranstalten vom 17.-19.6.2022 unser erstes Mutter-Kind-Camp für Mütter mit Kindern von 5 bis 9 Jahren. Musik & Yoga in wilder Natur. Wir kommen auf dem Gelände der Neuen Mühle Dahmetal unter. Der gesamte historische Hof ist umringt von wild-romantischer Natur. Man kann im eigenen Zelt übernachten oder in einem der Bauwagen.

Stadtwaldkind: Machst du das Camp?
NSH: Ja, im Tandem mit einer ausgebildeten Kinderyogalehrerin. Ich freue mich, mit den Kindern und Mütter auf musikalische Fantasiereise zu begeben. Ich begleite aber auch noch eines der beiden neuen Familien-Camps DER LAUF DES WASSERS – Ein Paddelabenteuer für Mütter/Väter und Kinder am 14.7.-17.7.2022.

Stadtwaldkind: In den letzten Jahren gibt es immer mehr solcher Erlebnis-Angebote. Was ist denn bei euch anders?
NSH: Nun, wir sind ein kleines Team mit ganz verschiedenen Temperamenten, wir leben alle in ganz verschiedenen Familienkonstellation und wir lieben es Zeit mit der Familie in der Natur zu verbringen. Wir glauben außerdem ganz fest daran, dass das gemeinsame Erlebnis nachhaltig die Verbindung zwischen Eltern und ihren Kindern stärkt und damit eine aktive Elternschaft unterstützt. Elternschaft verändert sich. Eltern haben heute ja ein ganz neues Selbstverständnis.

Stadtwaldkind: Ich verstehe, mir scheint eure Angebote haben eine ganz persönliche Note. Verdient ihr mit den Angeboten euren Lebensunterhalt?
NSH: Nein, unsere Teamer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Wir haben das Glück durch einige Partner finanziell unterstützt zu werden, wie AktionMensch, der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, das Jugendamt und den evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, der Vielfarb Social gGmbH Berlin & Brandenburg und Kinder brauchen Matsch, einer Aktion der Evangelischen Auferstehungsgemeinde.

Stadtwaldkind: Was empfiehlst du, wenn die Kinderbande unausstehlich wird?
NSH: Raus in die Natur und freihaben von der Stadt. Komm mit 😉

Na, neugierig geworden? Mehr Infos zum Stadfrei-Programm gibt es hier: www.stadtfrei.de



Süßer Ausflugstipp für Berlin: m&m store

Was ist klein, um die 80 Jahre alt, kommt in allen möglichen Farben daher und hat ein Herz aus Schokolade? Keine Idee? Na gut, ich gebe Dir noch einen Hinweis: um Fälschungen von Nachahmern zu vermeiden, zieren es zwei Buchstaben. Nämlich m&m! Seit Anfang Oktober 2021 hat das US-amerikanische Unternehmen unsere Stadt Berlin um eine süße Attraktion reicher gemacht. Wir haben vor kurzem am beliebten Kurfürstendamm zwischen Kanzlereck und Gedächtniskirche einen kleinen Bummel unternommen und in dem kunterbunten 3000 Quadratmeter großen M&M Store vorbei geschaut.

Wer wie wir gerne M&Ms nascht, wird hier voll auf seine Kosten kommen, denn dieser kreative Store steht dem in London in nichts nach. Auf drei verspielt gestalteten Etagen erwarteten uns die berühmten Schokolinsen in allen erdenklichen Farben und Geschmackssorten, die man sich in Tüten nicht nur selbst zusammen stellen, sondern sogar individuell bedrucken lassen kann.Aber pass auf, wie viele Schokolinsen Du abfüllst. Das geht schnell ins Geld.

Außerdem gibt es in dem Shop viele Kreationen, die man so noch nicht gesehen hat. Natürlich kommt dieser Megastore auch nicht ohne Souvernirs wie zum Beispiel Bleistifte, Tassen, Minigolfbälle oder Socken aus, die allerdings nicht ganz preiswert sind. Obendrein gibt es ein Café  mit einer zusätzlichen Außenterrasse mit Blick aufs Hotel Waldorf Astoria und schöne Sitzmöglichkeiten.

Mehr Infos: https://www.mms.com/de-de/berlin


Ausflugstipp: Weihnachtsstimmung im Botanischen Garten Berlin

Unsere elfjährige Tochter ist ein totaler Weihnachtsfan und trällert zur Entspannung bereits seit ein paar Wochen Weihnachtslieder. Logisch, dass der Wunschzettel bereits seit langem am Kühlschrank prankt, damit wir ihn ja nicht vergessen. Doch es gab bisher keine Gelegenheit um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Denn viel Schulstress für meine Tochter und arbeitsreiche Tage für mich waren in den letzten Monaten leider unserer trauriger Standard. Es war also allerhöchste Zeit um es richtig schön zu machen! So wie unsere Tochter für Weihnachten schwärmt, schwärme ich für den Botanischen Garten Berlin! Auf dem 43 Hektar großen Areal könnte ich mich ewig zwischen den 22.000 exotischen und heimischen Pflänzlein umher bewegen. Sobald es in diesem Garten irgendwelche besonderen Veranstaltungen gibt, bin ich am Start. Daher kam ich auch nicht darum herum, den Christmas Garden zu besuchen und konnte somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ein Ticket für meine Tochter und eines für mich im Online-Shop bestellt und wir beide sind glücklich. So der Plan, der am vergangenen Freitagabend auch voll aufgegangen ist. Warm eingemummelt tauchten wir rasch ins vorweihnachtliche Lichtermeer ein, denn lange Warteschlangen waren Fehlanzeige. Bereits auf dem Hauptweg hinauf in Richtung Gewächshäuser begrüßten uns von oben funkelnde Sterne und leuchtende Eiszapfen.

Leuchtende Märchenlandschaft


Gegenüber der eindrucksvoll bunt erleuchteten Schaugewächshäuser führte uns ein anderthalb Kilometer langer abgekordelter Rundweg zuerst durch den golden schimmernden Italienischen Garten und dann hinein in das magische Reich aus über einer Million Lichtpunkte, 3000 Lichterketten und einer Vielzahl bunter Illuminationen. Ein Teppich aus zur Musik changierenden Lichtern zog sich einen Hügel hinauf, den wir dank einer Art Aussichtsterrasse gut bestaunen konnten. Nach einigen verführerischen Selfiemöglichkeiten, stärkten wir uns rund um einen hübschen Pavillon mit Kinderpunsch und Bratwurst bevor es in der „Magischen Galaxie“ auf verwunschenen Wegen weiter ging. Schon erstaunlich wie man mit dezent gesetzten Laserstrahlen die außergewöhnliche Pflanzenwelt ganz neu inszenieren kann.

Ein weiteres Highlights war für uns das „Wassermärchen“. Ein Lichtkunstwerk aus Wassernebel und einer Videoprojektion ließ leuchtende Schiffe, Fische und Quallen auf einer imposanten Wasserwand entstehen. Der Publikumsliebling des Christmas Garden aus dem Jahr 2019, die Installation „Glockenspiel“, zog auch uns in seinen Bann. Beziehungsweise in seinen funkelnden Tunnel aus unzähligen Lichterkugelketten und echten, klingenden Weihnachtsglöckchen. Aber auch die exotischen Bäume wie zum Beispiel die ausladende Wuchsform des japanischen Hiba Lebensbaum kamen durch die Beleuchtung gut zur Geltung.

Corona-Regeln: Hinein kommt, wer entweder genesen oder geimpft und auf dem gesamten Areal eine medizinische Gesichtsmaske trägt. Wer sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen kann, braucht einen negativen PCR-Test. Kinder unter 18 Jahren müssen negativ getestet sein und können dies mit ihrem Schülerausweis belegen.

Öffnungszeiten: 19. November 2021 bis 9. Januar 2022 von 16:30 Uhr bis 22:00 Uhr

Weitere Infos: https://www.christmas-garden.de/berlin

Wo: Botanischer Garten Berlin

Berlin erkunden im Herbst

(Sponsered Post) Bevor wir Euch gleich unsere persönlichen Tipps für einen super Herbst mit Euren Kids in Berlin und Umland verraten, darf der Hinweis natürlich nicht fehlen, dass die richtige Kleidung das Nonplusultra für einen gelungenen Ausflug ist. Dann gibt es auch kein schlechtes Wetter! Also Wind- oder Regenjacke und feste Schuhe an und los geht’s! Wenn Euch noch das ein oder andere passende Stück fehlt: Der dänische Online-Shop für Kinderbekleidung, Einrichtung und Spielzeug Kids World hat auf jeden Fall die passende Kleidung für jedes Wetter parat: https://www.kids-world.com/de/

Dank der fallenden Inzidenz-Zahlen werden in Berlin erste Lockerungen umgesetzt. Nach und nach haben auch die die Attraktionen wieder geöffnet, so dass es in den bevorstehenden Herbstferien vieles (wieder) zu entdecken gilt! Berlins Angebot für Familien mit Kindern ist riesig! Egal ob für Klein- oder Schulkinder oder Teenager, indoor oder outdoor: Attraktionen, Theater, Cafés, Museen, Kletterparks, Führungen – all das gibt es in Berlin extra für Kinder.

Auch zu den Themen wie Natur, Tiere, Technik gibt es in Berlin familienfreundliche Angebote. Wir haben viele spannende Tipps – und auch Geheimtipps für Unternehmungen mit der ganzen Familie. So entdeckt Ihr Berlin gemeinsam mit Euren Kindern und habt alle Spaß in der Hauptstadt.

Kinder- und Jugendtheater

Egal ob Puppentheater, Kinderoper, Theaterworkshops, Theater Basteln, Open Air Kindertheater, zeitgenössische Inszenierungen für Kinder – die Berliner Theaterlandschaft hat für jeden Geschmack und jedes Alter inzwischen das passende Angebot, um Kinder und ihre Familien in ihren Bann zu ziehen. Die meisten von Euch werden schon mal vom GRIPS Theater im Zusammenhang mit den weltweit gespielten Erfolgsstücken “Linie 1” oder “Max und Milli” gehört haben, oder? Außerdem gibt es das Atze Musiktheater im Wedding und das Theater Strahl in Schöneberg, das Theater an der Parkaue in Lichtenberg, die Astrid Lindgren Bühne in Köpenick und die Schaubude Berlin und das Theater o.N. in Prenzlauerberg. Auch die großen Häuser, die man eher mit einem Kulturprogramm für Erwachsene verbindet, wie die Komische Oper, die Deutsche Oper Berlin und die Staatsoper unter den Linden bieten Unterhaltung für die jüngsten Zuschauer:innen.

Volkfeste

Total trashig, aber gerade deshalb immer wieder super, sind Volksfeste und Rummelplätze! Im Herbst gibt es auf dem Zentralen Festplatz in Tegel Fahrgeschäfte wie wir sie noch aus unserer eigenen Kndheit kennen und die sich seitdem wenig verändert haben. Unsere Mädels lieben das und alle ein bis zwei Jahre geben wir uns die volle Packung und fahren Autoscooter, XXL-Krake, Wildwasserbahn und Riesenrad bis uns schlecht wird, werfen auf Dosen und kaufen Zuckerwatte sowie kandierte Äpfel bis die Zähne vom Zucker knirschen.

Tempelhofer Feld

Seit der Aufgabe des Flugbetriebs 2008 und der Öffnung am 8. Mai 2010 als 355 Hektar große Freifläche für Freizeit- und Erholung zieht es mittlerweile jährlich bis zu 2 Millionen Besucher auf das Tempelhofer Feld. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang steigen anstelle von Flugzeugen nun Drachen in die Luft. Radfahrer, Inlineskater und Jogger ziehen ihre Runden und Familien genießen den Platz für ein Picknick oder eine Runde Basketball.

Durch das Engagement von Bürger:innen, Initiativen und Organisationen sind auf der Freifläche z.B. eine mobile Fahrradwerkstatt, ein Freilandlabor, eine Einrad-Fahrschule und Zirkusschule mit Zirkus- und Bewegungsparcours, ein Mini ART Golfplatz und ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Außerdem stehen nordische Rollsportgeräte im Sommer und Langlaufski im Winter sowie Segway- und E-Roller zum Verleih bereit.

Neben den freizugänglichen Aktionsflächen für sportliche Aktivitäten und Picknick, gibt es zwischen den zwei Kilometer langen und 40 Meter breiten Start- und Landebahnen abgepollerte Wiesenflächen, die während der Vogelbrutzeit nicht betreten werden sollen. Eingezäunte, nicht betretbare Flächen im Südosten des Feldes wurden außerdem zu Vogelschutzgebieten erklärt.

Kletterwald

Um zu klettern, braucht Ihr nicht ins Gebirge zu fahren! Das könnt Ihr auch in Berlin haben. Denn hier gibt vom Klettern im Hochseilgarten über im Kletterparks oder in Kletterhallen alles, was das Klettererherz begehrt. Es gibt dabei sowohl die Indoor- und die Outdoor Variante: den Waldhochseilgarten Jungfernheide in Charlottenburg, den South Rock in Mariendorf, den Kletterwald Wuhlheide, die Weddinger Kletterhalle Magic Mountain, das Kletterzentrum des Deutschen Alpenvereins in Moabit, den Kegel in Friedrichshain, die Climb Up Kletterwälder in Strausberg, Klaistow und Hennigsdorf, den AbenteuerPark Potsdam und das BergWerk.Berlin in Hellersdorf.

Bauernhöfe

In Berlin gibt es viele kleine Oasen für gestresste Großstadtfamilien mit Kindern. Auf Kinderbauernhöfen kommen Kinder nicht nur in Kontakt mit allerlei Vierbeinern, sondern können auch bei der Versorgung und Pflege der Tiere mithelfen. Wer sich nicht vorstellen kann, dass es mitten in Berlin einen familienfreundlichen Bauernhof gibt, der sollte dem früheren Charlottenburger Sanierungsgebiet Klausener Platz einen Besuch abstatten. Hier lebt eine Ziegenkommune in einer 6.000 qm großen Wohngemeinschaft ganz friedlich mit gackernden Zwerghühnern, summenden Bienen unter Schatten spendenden Bäumen. Auf dem rund um die Uhr zugänglichen Areal gibt es mehrere Hochbeete, in denen verschiedene Gemüsesorten und Gartenkräuter an wie z. B. Tomaten, Gurken, Zucchinis, Kartoffeln, Möhren, Radieschen, Kürbisse angepflanzt werden.  Wer hier nicht nur vorbei schauen, sondern auch aktiv werden möchte, kann an den Aktionswochenenden ehrenamtlich bei der Tierpflege, beim Kompostumsetzen, Pflanzen und bei der Gartenpflege teilnehmen.
In einem weiteren Beitrag von uns findet Ihr eine Auswahl an Bauernhöfen in der Großstadt: https://www.stadtwaldkind.de/reise-und-ausflugstipps/wo-gibt-es-kinderbauernhofe-berlin/

Spaziergang durch die Baumwipfel: Beelitzer Heilstätten

Wer von Lostplaces magisch angezogen wird und auch Spaß draußen in der Natur hat, sollte auf jeden Fall seinen Fuß auf den Baumkronenpfad 23 bzw. 36 Meter oberhalb des verwunschenen Geländes der Beelitzer Heilstätten in Brandenburg setzen. Der Zauber dieser Ruinenanlage ist einfach ein Erlebnis, denn die inzwischen stark verfallenen Gebäude strahlen immer noch einen unvergleichlichen Charme aus. Die weitläufige alte Parkanlage führt die Besucher über 100 Jahre in die Vergangenheit zurück. Natur, Geschichte und Architektur verschmelzen an diesem magischen Ort zu einem Gesamtkunstwerk.

Drachensteigen

Eizeit R.I.P. und danke für diese tolle Sanddüne!

Wusstest Du schon, dass es in Berlin eine Binnendünenlandschaft gibt? Wenn nicht, mein Beileid. Denn dieser Teil des Landschaftsschutzgebiets Tegeler Forst im Berliner Ortsteil Heiligensee (Bezirk Reinickendorf) gehört aus meiner Sicht zu den schönsten grünen Orten der Hauptstadt. Dank des Abschmelzens der Gletscher nach der letzten Eiszeit und dem Transport von Staub und Feinsande vor allem aus dem Berliner Urstromtal können wir heute vom etwa 20 Meter höchsten Dünenpunkten unsere Drachen herrlich in die Lüfte steigen lassen.

Wer Weitblick sucht, der findet ihn auf dem Teufelsberg im Ortsteil Grunewald. Aus knapp 120 m Höhe erkennt man den Glockenturm am Olympiastadion, das Rathaus Spandau, den Wasserturm in Westend, die Türme vom Kraftwerk Reuter, das Corbusier-Haus, das Berliner Rathaus und den Fernsehturm.

Im Kalten Krieg entstanden auf Berlins höchster künstlicher Erhebung die heute verwitterten futuristisch anmutenden Bauten einer Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte. Seit 1999 steht die an eine Sciencefiction-Filmkulisse erinnernde Radarstation leer und wurde zwischenzeitlich an einen privaten Investor verkauft. Die Planungen für exklusive Wohnungen, ein Museum und ein Hotel- und Tagungszentrum platzten allerdings. Was man beim Besteigen des Gipfelplateaus auch kaum ahnt: Der Teufelsberg hatte einst drei Rodelbahnen, eine Skipiste mit Schlepplift und 1986 fand dort sogar der Weltcup im Parallelslalom statt. Nordöstlich vom Teufelsberg und nur durch einen Einschnitt von ihm getrennt, befindet sich der 99 Meter hohe Drachenberg. Er ist bei entsprechenden Windverhältnissen als Übungsgelände bei Drachen- und Gleitschirmfliegern sehr beliebt.

Tipi bauen

Kinder-Outdoor-Projekt: Tipi aus Ästen bauen

Für echte Indianer und solche die es werden wollen, ist das Bauen eines Tipis im Wald oder Garten das abslute Muss. Während des Lockdowns wimmelte es bei uns im Forst nur so von Tipis. Wenn genauso schnell Wohnhäuser in der Stdt entstehen würden, hätten wir bald keine Wohnungsnot mehr. Und so wird’s gemacht: Zuerst wird der Baum ausgewählt, um den das Tipi gebaut werden soll. Dieser sollte möglichst wenige Verästelungen am Stamm haben. Dann werden drei bis fünf stabile und große Äste gesammelt. Diese dienen als Grundgerüst und werden um den Baumstamm aufgebaut. Danach werden weitere dünnere Äste an die stabilen Äste gelehnt.

Tier-Freizeit- und Urzeitpark Germendorf

Streichelzoo und freilaufendes Rotwild sind für manche Wesen zu verlockend…

Wo bekommt man ganzjährig lebensecht aussehende Dinosaurier, Gibbonaffen, Flamingos, Antilopen, Schlangen, Rotwild, Spielplätze und Imbissstände in alles zusammen in einem Park geboten? Meines Wissens nach nur im Norden Berlins, nämlich im Tier-Freizeit- und Urzeitpark Germendorf und das für einen schmalen Taler. Der weitläufige Park ist so angelegt, so dass man die Sehenswürdigkeiten und Eindrücke in Ruhe genießen kann und jeder auf seine Kosten kommt. Im Sommer gibt es sogar die Möglichkeit in einem See zu baden und zu picknicken. Parkplätze gibt es ausreichend. Was will Familie mehr?

Dark Matter

Lichtinstallationen von Künstlern wie Christopher Bauder sind aktuell der heißeste S*****. Zu recht. Unsere Kinder sind schon immer von Licht und Feuer fasziniert gewesen und kommen deshalb in den sieben Räumen der Ausstellung Dark Matter in Lichtenberg voll auf ihre Kosten. Die ehemaligen Fabrikhallen sind innen alle vollständig schwarz gestrichen. Besonders toll für Kids sind das elektronische Lagerfeuer „Bonfire“ und die interaktive Tonleiter in Form von Haushaltsleitern, die durch das Berühren der Sprossen unterschiedliche Klänge und Lichteffekte fabrizieren.

Museum für Kommunikation

Post- und Kommunikationsmuseum aus dem 19. Jh. mit Ausstellungen
von Telefonen bis hin zu Computertechnologie

Gute 💡 für Sauwetter 🌧: Im Museum für Kommunikation können Kids erkunden, mit welchen Gerätschaften ihre Eltern und Groß- sowie Urgroßeltern Botschaften versandten und empfingen. Ein Telefon mit Wahlscheibe und ein Radioapparat haben für unsere Mädels auf jeden Fall Seltensheitswert. In dem von der Museumsstiftung Post und Telekommunikation betriebenen Museum können sie unter anderem eine eigene Radiosendung aufnehmen, eine Rohrpost verschicken oder auf der Schreibmaschine einen Brief oder eine Kurzgeschichte tippen. Für den Besuch des Museums ist trotz Covid-19 kein Online-Ticket-Kauf nötig, aber ein Mund-Nasen-Schutz-Maske ist obligatorisch. Desinfektionspender sind überall im Haus verteilt. Nur wenige Hands-On-Stationen sind gesperrt. Für mich ist allein schon die Gebäudearchitektur des früheren Reichspostmuseums an der Leipziger Straße/Ecke Mauerstraße in Berlin-Mitte, in dem sich das Museum befindet, ein Besuch wert. Von der obersten Etage lässt sich hervorragend in die unteren Etagen und in den Lichthof blicken, in dem die Roboter ihre Runden drehen und mit den Besuchern Kontakt aufnehmen.

Tukadu Schmuckladen

Wer selbst künstlerlisch aktiv werden möchte, sollte meinem Lieblings-DIY-Geschäft namens Tukadu in Berlin-Mitte unbedingt einen Besuch abstatten. In dem süßen bunten Laden gibt es glitzernde Perlen in Hülle und Fülle sowie vom Dinosaurier, über Katzen, Brezeln bis hin zu Schallplatten alles mögliche im Kleinformat, das sich zu schönen Ohrringen, Ketten und Armbändern einbauen lässt. Allein die Schaufensterdokoration ist schon einen Besuch wert. Drinnen gibt es Porzellanteller in denen man die Bestandteile der zukünftigen Schmuckstücke zusammen stellen kann.



Ausflugstipp für Brandenburg: Skulpturenpark rund ums Schloss Schwante

Ein ermutigendes, stärkendes und inspirierendes Versprechen im Tümpel. Kunst, wie diese von Martin Creeds über dem Wasser schwebende Neonarbeit von 2011 „Everything is going to be alright“ wirkt sehr konstruktiv, insbesondere während der heutigen Zeit.

Wer Kunstgenuss, Gaumenschmaus und Bewegung an der frischen Luft miteinander vereinen möchte, findet das Überraschungsei auf Brandenburger Art 25 Kilometer nordwestlich vor den Toren Berlins auf dem idyllischen Schlossgut Schwante. Besonders in pandemischen Zeiten ist Kunst im Freien eine schlaue Idee. Inmitten des teilweise wild wuchernden 20 Hektar großen Parks im Havelland können 20 bis 30 Werke entdeckt werden. Darunter zum Beispiel eine zwischen Bäumen zu schweben scheinende Galaxie, die Skulptur „M-Sphären“ von Björn Dahlem. Oder eine Säule aus in Bronze gegossenen Schallplatten, die an zusammen geklappte Muscheln erinnern. Außerdem eine vom chinesischen Weltstar Ai Weiwei zum 70. Jahrestag der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen im Jahr 2018 gestaltete blau-weiße “Flag for Human Rights“ mit der Fußabbildung eines Rohinbga-Flüchtlings. Last but not least bieten Ponys, eine Tischtennisplatte, Schaukeln und ein Fedelballnetz Raum für Vergnügen. Im stilvollen Restaurant und Biergarten gibt es regionale Köstlichkeiten gegen das Hungergefühl. Brände aus der Grumsiner Brennerei in der Schorfheide, Marmelade aus Schwante, Apfelsecco und originelle Keramik der Manufaktur Kühn aus Kreuzberg sowie Kinderbücher und Kunstbände gibt es im Hofladen zu erstehen. Ein Froschteich mit Liegestühlen drum herum, Sitzbänke und unsere geliebten Hängemätten laden zum Entspannen vor, zwischen und nach dem Kunstgenuss ein und bieten Sichtachsen auf das Schloss, welches nun als privates Wohnhaus nicht mehr zugänglich ist. Was will man mehr?

Diese filigranen Aluminium-Blumen des japanischen Künstlers Toshihiko Mitsuya werden niemals welk: „The Aluminium Garden-Structural Study of Plants“.

Wir kommen an einem leicht regnerischen Tag an und haben den von 30 Meter hohen Pappeln umsäumten Park neben dem dreiflügeligen zweigeschossigen Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert unweit des Mühlensees fast für uns allein. Die Luft ist angenehm frisch und klar. Das Grün des Schlossparks ist so tief, wie es nur im Juni sein kann. Unsere Kinder wandeln im Gummistiefeln und Regenschirmen umher und freuen sich, wenn sie im Unterholz und an kleinen Teichen wieder etwas Unerwartetes, wie zum Beispiel drei Edelstahl-Quadrate des US-Künstlers George Rickey, die sich sanft im Wind hin und her schwingen, entdeckt haben. Oder die neun Tongefäße unter Weiden, die den Klang von Bäumen konservieren sollen. Erfrischend unkünstlich kommen diese sehr unterschiedlichen Kunstwerke daher, die im Zusammenspiel mit der umgebenden Natur ihre Wirkung entfalten sollen. Wir schlendern entspannt umher, gehen mal hierhin mal dorthin. Setzen uns, blicken um uns.

Dr. Loretta Würtenberger, einst Deutschlands jüngste Richterin, und Daniel Tümpel, Investmentbanker und Mitbegründer des gemeinsamen Unternehmens Fine Art Partners sowie Enkel des Bauhauskünstlers Wolfgang Tümpel, haben das Gut 2019 sogar für sie selbst ziemlich überraschend gekauft. Heute leben sie mit ihren Kindern auf dem Schlossgut, das nun größtenteils von Leihgaben international renommierter Künstler*innen umgeben ist, wie Hans Arp, Gregor Hildebrandt, Monika Sosnowska und zu Ai Weiei. Viele von ihnen waren vor Ort, um sich selbst ein Bild zu machen.

Das Leben ist zwar kein Ponyhof. Trotzdem wird am Ende alles gut.

Das Schloss Schwante hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Bis 1945 hatte es drei verschiedene Besitzer. Danach diente es als Kindergarten, Krankenhaus, Sitz des Bürgermeisters und der LPG sowie als Poststelle, Kino und Schule. Für die landwirtschaftliche Nutzung wurden gerade Linien gezogen, eine Streuobstwiese und Beete entstanden. Das Berliner Hexenkessel Hoftheater versuchte hier noch vor ein paar Jahren sein Glück. Wir sind nach unserem Besuch um Paradies-Schwante überzeugt, dass hier nun alles gut wird und wünschen der sechsköpfigen Familie alles Gute und viele Besucher*innen in diesem malerisch in die Landschaft eingebetteten Schlossgut! Der Skulpturenpark ist wirklich ein Hingucker!

Schloss Schwante, Schlossplatz 1-3, Oberkrämer (OT Schwante)
Geöffnet Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr
Maskenpflicht im Park
Öffentliche Führung jeden Sonntag um 14 Uhr
Eintritt 12 Euro
mehr Infos unter schlossgut-schwante.de

„Das Blau vom Himmel herunterholen“ nennt Loretta Würtenberger diese blau lackierte Stahlskulptur von Katja Strunz, deren Titel eigentlich „Unfolding Process“ heißt. Wie dem auch sei, beides passt. Natur trifft hier auf jeden Fall auf Kunst.

Nur Fliegen ist schöner ✈️

Flughafen Tegel

Dröhn, brummmmmm… Als Nordwestberlinerin bin ich diesen Klangteppich gewöhnt. Bereits 126 Monate leben wir sehr zubringerfreundlich in Berlin-Tegel. Vom einem lauschigen Wald und einen See getrennt, war das weltstädtische Rauschen des Flughafen Tegel doch besser zu überhören als zu unseren Wohnzeiten in Prenzlauer Berg. Seitdem Corona den Flugverkehr fast zum Erliegen gebracht hat, sind das Blätterrascheln und das Vogelgezwitscher dafür umso hörbarer geworden.

Kunst am Bau: Papierflieger auf der Besucherterrasse des Flughafen Tegel
1984 von Georg Kohlmaier

Dieser seltsame Gefühlszustand, der mich durch den endgültig letzten Flug, der am 8.11.20 von der Air France nach Paris (fair enough: dieselbe Airline startete 1960 als erste ihren planmäßigen Flugverkehr ab Tegel) stattfinden soll, beschleicht, könnte ich am besten mit nostalgisch und zugleich erleichtert beschreiben. Nostalgie deshalb, weil ich von von dem Westberliner-70erJahre-Sechseck meinen ersten Flug als Baby mit meinen Eltern auf eine kanarische Insel antreten durfte und ich dort seitdem immer wieder so unkompliziert an die Gates spazieren oder meine Liebsten abholen durfte. Erleichterung stellt sich bei mir deshalb ein, weil nun die Luft im Berliner Nordwesten besser wird und die Natur sich erholen darf. 

Noch bis zum 7.11.2020 ist von 11 bis 20.30 Uhr die Besucherterrasse des Flughafen Tegel geöffnet

Dass wir durch die wiederholten Lockdowns vom Fliegen (noch mehr) Abstand nehmen, bedeutet aber noch lange nicht, dass wir den Flughafen nicht mehr besuchen! Da die Abschiedsfeier für den Flughafen Tegel wegen Corona ins Wasser fällt, haben wir uns mit den Kindern und eine befreundeten Familie aufgemacht und die Besucherterrasse unsicher gemacht. Diese ist nach einer vorigen Online-Anmeldung noch bis zum 7.11.2020, bzw. wegen des Lockdowns bis 31.10., kostenfrei zu besichtigen. Hier kannst Du Dein Zeitfenster reservieren: https://www.berlin-airport.de/de/reisende-txl/erlebnis-flughafen/besucherterrassen/index.php Der Eingang ist zwischen Terminal A und D, rechts neben dem S-Bahn-Imbisswagen. Personalausweis und Mund-Nasen-Schutz nicht vergessen!

Kulturprojekt auf dem Tempelhofer Feld 2012

Flughafen Tempelhof

Dieselben widerstreitenden Gefühle wie bei der Schließung von TXL hatten mich vor einigen Jahren schon einmal beschlichen als der Flughafen Tempelhof geschlossen wurde. Die Flieger, die damals von dort starteten, waren noch etwas lauter als die aktuellen. Von Tempelhof ging es damals für mich in einer blau-weißen KLM zu meiner lieben Freundin S. nach Brüssel, meine Cousine reiste von THF nach Bornholm und hier erlebte ich am 30. August 1987 zu Ehren der 750- Jahr-Feier der Stadt Berlin als Kind gemeinsam mit 1,2 Millionen Berlinerinnen und Berlinern das Japanische Feuerwerk. Alles Erinnerungen.

Der britische Architekt Lord Norman Foster bezeichnete den Flughafen als „die Mutter aller Flughäfen“

Seit der Aufgabe des Flugbetriebs 2008 und der Öffnung am 8. Mai 2010 als 355 Hektar große Freifläche für Freizeit- und Erholung zieht es mittlerweile jährlich bis zu 2 Millionen Besucher auf das Tempelhofer Feld. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang steigen anstelle von Flugzeugen nun Drachen in die Luft, ziehen Radfahrer, Inlineskater und Jogger ihre Runden und Familien genießen den Platz für ein Picknick. Durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, Initiativen und Organisationen sind auf der Freifläche z.B. eine mobile Fahrradwerkstatt, ein Freilandlabor, eine Einrad-Fahrschule und Zirkusschule mit Zirkus- und Bewegungsparcours, ein Mini ART Golfplatz und ein Gemeinschaftsgarten entstanden. Außerdem stehen nordische Rollsportgeräte im Sommer und Langlaufski im Winter sowie Segway- und E-Roller zum Verleih bereit. Doch das ehemalige Rollfeld dient nicht nur eine gigantische Spielwiese für Berliner und Touristen. Neben den freizugänglichen Aktionsflächen für sportliche Aktivitäten und Picknick, gibt es zwischen den zwei Kilometer langen und 40 Meter breiten Start- und Landebahnen abgepollerte Wiesenflächen, die während der Vogelbrutzeit nicht betreten werden sollen. Eingezäunte, nicht betretbare Flächen im Südosten des Feldes wurden außerdem zu Vogelschutzgebieten erklärt.

Laufübungen auf Start- und Landebahnen unserer Tochter im Jahr 2012

Ausstellungstipp: Living the City

Riesige Quietschenten, Villa Kunterbunt ähnliche Hausmodelle, Videohäusschen und vieles mehr können noch bis zum 20. Dezember 2020 (mit Ausnahme 1.-30.11. wegen des so genannten Lockdowns light) in der Haupthalle des Flughafen Tempelhof besichtigt werden.
Die Ausstellung „Living the City“ erzählt über 50 Geschichten zu Projekten aus Architektur, Kunst und Stadtplanung und ist kostenfrei. Eine Online-Anmeldung ist auch hier erforderlich. Die begehbare Stadtcollage ist auch virtuell zu erleben: https://livingthecity.eu/virtuelle-ausstellung/#/

Städte stecken voller Geschichten


Spaziergang durch die Flusslandschaft Briesetal

Wir konnten in den vergangenen Wochen wegen der Pandemie nicht in die Ferne schweifen. Aber zum Glück beginnt der Dschungel vor der Haustür! An einem leicht nass-feuchten Wochenende zog es uns in die reizvolle Flusslandschaft des Briesetals (Naturpark Barnim) nordwestlich von Berlin.

Getrödelt haben wir. Deshalb ist es bereits Nachmittag als wir an der Waldschule ankommen und zu spät für die insgesamt 13 Kilometer lange Wanderstrecke zwischen Birkenwerder und Zühlsdorf. Deshalb beschreibe ich hier einen Spaziergang und keine Wanderung. Aber für Familien mit Kindern reicht eine kürzere Strecke aus. Schließlich gibt es am Wegrand dieses sumpfigen Waldes, auf den wir hier treffen, genug zu entdecken.

Besonders geeignete Wanderwege für Familien mit (kleinen) Kindern

Die Wege sind ideal für Kinder

Die leicht begehbaren Wege mit geringer Steigung machen Wanderweg zum Spaß für die ganze Familie. Nur festes Schuhwerk sind für die größtenteils naturbelassenen Pfaden wichtig damit man nicht auf die Überquerung der Briese über leicht wackelige Biberstaudämme verzichten muss. Die Briesetal-Wanderung hat den Vorteil, dass man die Strecke an die individuelle eigene Kondition und die der Kinder anpassen kann. Es gibt praktischerweise zwei Uferwege und Wendepunkte, so dass die Tour ein kleiner Spaziergang oder eine längere Wanderung sein kann.

Unser Startpunkt: Waldschule in Briese

Wir stellen unser Auto auf einem Parkplatz vor der Waldschule Briesetal in der Kolonie Briese (ein Wohnplatz der Gemeinde Birkenwerder) ab. Das etwa 5.000 Quadratmeter große Außengelände der Umweltbildungseinrichtung, bzw. des Waldschule Briesetal e.V. , können wir vom Zaun aus nur bestaunen. Die seit 1998 bestehende Einrichtung ist wegen Corona leider noch geschlossen und darf ab 1. Juli wieder öffnen. Dennoch sehen wir einen liebevoll angelegten Naturerlebnisgarten mit Spielmöglichkeiten für die Kleinen, einen Teich, eine Moorlandschaft und Insektenhotels. Fast gegenüber ist der „Mini Monkey Kletterwald„, der ausschließlich für Kinder (ab zwei Jahre) konzipiert und im Gegensatz zur Waldschule geöffnet ist.

Hinter der Waldschule betreten wir einen breiten, von Buchen umsäumten Waldpfad, der uns den Weg ins tiefe Briesetal weist, bis wir auf eine Gabelung samt Wegweiser treffen. Wir folgen hier dem Schild in Richtung Hubertusbrücke, um auf dem Rundwanderweg entlang des Briese-Bachlaufs zu bleiben. Und gleich entdecken wir auch schon einen imposanten Knüppeldamm, der quer über das Fließ reicht. Logisch, dass unsere Kids darüber klettern! Dahinter entdecken wir ein altes leicht vefallenes Hexenhaus. Sogar mit einem Außenklo samt Tapete… Die Hexe scheint bereits ausgezogen zu sein. Wahrscheinlich waren ihr die Sanierungskosten zu hoch. Wer weiß das schon.

Willkommen im Märchenwald

Je weiter wir der Flussaue in Richtung Hubertusbrücke folgen, desto sumpfartiger entwickelt sich das Landschaftsbild um uns herum. Fast schon mysthisch-märchenhaft wirkt diese grüne Kulisse. Eine bemerkenswerte Vielfalt an Pflanzenarten verzaubert uns. Verschiedenste Bäume, darunter auch 100 Jahre alte Roteichen sowie Sträucher, Farne, Moose und krautige Pflanzen begleiten unseren Weg. Ich kann mir vorstellen, dass diese Vielfalt sicher ideale Lebensbedingungen für viele Amphibien, Reptilien, Vögel, Kleinsäuger und anderen Getiere sein muss. So wundert es mich nicht, dass hier neben Biber, Enten und Schwänen hier auch seltene Tierarten wie Schwarzspecht, Eisvogel, Moorfrosch und Schlingnatter heimisch sein sollen.

Riesige Tipis am Wegrand bieten Schutz vor Regen

Oberhalb des Flussweges wachsen stolze Eichenbäume, die unsere Kinder sofort beklettern. Zwischen den Bäumen kriechen sie wiederm in die zahlreichen Tipis, die hier gebaut wurden. Teilweise sind sie so groß wie eine Zweizimmerwohnung und auch so hoch, dass wir Erwachsene darin stehen können und Schutz vor einem kurzen Regenschauer finden!

Baumgesichter gibt es auch zu entdecken, schau genau hin…

By the way…

Wenn Du denkst die Briese hat irgendetwas mit einer „frischen Briese“ zu tun, dann täuscht Du Dich. Das Wort kommt wie viele andere Ortsbezeichnungen rund um Berlin aus dem Slawischen und heißt Birke. In diesem Landschaftsschutzgebiet im Berliner Norden, durch die der Nebenfluss der Havel – die Briese – fließt, wachsen trotzdem nicht nu Birken. Erlenbäume (die zu den Birkengewächsen gehören), Kiefern und prächtige Eichen haben sich dazu gesellt.

Anfahrt mit der S-Bahn oder Bahn

Der Bahnhof Birkenwerder wird von zwei S-Bahnen, der S1 und der S8, und einer Regionalbahn RB20 aus Richtung Berlin angefahren. Beachte beim Kauf des S-Bahn-Tickets, dass Birkenwerder im Tarifbereich C (Berliner Umland) liegt und Du dafür das entsprechende Ticket löst. Vom Bahnhof Birkenwerder sind es etwa zwei Kilometer und 30 Minuten Fußweg über die Fichteallee bis zum ersten Punkt auf der schönsten Runde durch das Briesetal: die Waldschule in der Kolonie Briese. Alternativ kannst du den ca. 3,7 Kilometer langen Weg über den Steg am Boddensee nehmen, für den du etwa 60 Gehminuten einplanen musst.

Anfahrt mit dem Auto

Mit dem Auto erreichst Du Birkenwerder über die A10, A111 oder B96a. Von Berlin-Mitte variiert die Fahrtdauer je nach Strecke und Verkehrslage zwischen 30 und 90 Minuten. Kostenloses Parken ist direkt auf dem Parkplatz vor der Waldschule und dem Mini Monkey Kletterwald in der Kolonie Briese möglich.

Links

Rundwanderwegkarte: www.barnim-naturpark.de/themen/routen-touren/rundwanderung-durch-das-briesetal

Waldpfade Berlin: https://amzn.to/2YflMVY

Waldschule Briesetal: www.waldschule-briesetal.de

Mini Monkey Kletterwald: www.minimonkey-kletterwald.de

Romantische Wanderung rund ums Schloss Dammsmühle

Virus undead, so und nicht anders lautet der Horrorfilmtitel, für den das Schloss Dammsmühle einst als Filmkulisse diente. Passender hätte der Zeitpunkt unserer Wanderung nicht sein können. Zum Glück grassiert Corona in Berlin und Brandenburg nicht mehr so stark, so dass wir uns wieder ins Umland wagen dürfen und es hoffentlich bald „Virus is dead“ heißt.

Das kleine barocke Schloss Dammsmühle wartet im Naturschutzgebiet der Mühlenbecker Seen (bei Wandlitz, am nördlichen Rand von Berlin) schon länger darauf wach geküsst zu werden. Der Zerfall hat deutliche Spuren hinterlassen. Zwar gibt es keine gefährlich schützende Dornenhecke. Vielmehr stehen zwischen Schloss und dem Mühlenteich ein paar Bauwagen, Autos mit polnischen Kennzeichen und es sind Stimmen im Schlosse zu vernehmen, so dass Prinzesssinnen und Prinzen dort hoffentlich eines Tages Hochzeit feiern dürften. 2018 soll das Schloss neue Besitzer gefunden haben, die es zu einem Hotel mit Spa-Bereich und Restaurant machen möchten, so lesen wir es in einer Tageszeitung. Noch ist davon nicht viel zu erkennen und so bleibt unser Ausflugsziel ein so genannter Lost Place.

Die bewegte Vergangenheit des ruinenhaften Schlosses und Kombination mit der Nähe zur Hauptstadt sorgen sicherlich dafür, dass viele Berliner*innen gerne die sanierungsbedüftige Parkanlage besuchen. Die Liste an früheren Bewohnern reicht vom Unileverdirektor, der SS bis zur Roten Armee und Stasi. Selbst Napoleon himself verbrachte hier einige Nächte. Seinen Namen verdankt das Schloss sowohl dem Lederfabrikanten Damm, der es vom verschuldeten Bauherrn erwarb, als auch der Mühle, die der Soldate Knape dort bauen durfte. 2003 fand dort das Freiluft-Musikfestival Nation of Gondwana statt. Vielleicht haben auch Szenen, die auf dem Gelände für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ entstanden, für noch mehr Faszination gesorgt? Auch die Lage inmitten dreier Seen des Barnimer Land prädestiniert dazu, dass Schloss und die Parkanlage zu erkunden und ist – nicht zuletzt aufgrund der Nähe zu Berlin – sehr zu empfehlen. Wenn man wie wir nur den Mühlenteich umrundet, ist die Wanderung auch mit kleinen Kindern sehr einfach zu schaffen. Wer sich mehr Strecke zutraut, könnte zum Beispiel noch die umliegenden westlich liegenden Summter See und Mühlenbecker See umrunden.

Das Auto lassen wir auf der Schlossstraße stehen, neben der einige umgefallene Bäume unsere Kinder zum Klettern anregen. Kurz darauf kommen wir an Ruinen vorbei, die einst Kasernen gewesen sein könnten. Nach einer Tordurchfahrt gehen wir direkt aufs Schloss zu vor dem sich der Mühlenteich ausbreitet. Obowohl das Fischen hier laut Beschilderung verboten ist, sehen wir viele Angelruten über dem Wasser kreisen. Woher wohl der Fisch kommt? Ob es am Tegeler Fließ liegt, der in den Mühlenteich fließen soll?

Wir laufen im Uhrzeigersinn auf einem schmalen Weg um den kleinen See bis wir zu einem verfallenen Holzpavillon gelangen in dem sich ein paar Mädchen in der Sonne badend unterhalten. Immer wieder gibt es am See Mini-Halbinselchen, die über im Wasser liegende Äste laufend besetzt werden können. Auch ganze Bäume schweben in der Diagonale über dem Wasser, so dass sie von Tarzan und Jane beklettert werden können. Um den See herum raschelt ein wunderschöner Laubwald. Kurz vor dem Schloss später gelangen wir über eine Holzbrücke auf eine kleine Insel auf der einst eine Moschee gestanden hat. Davon ist leider kaum noch etwas übrig. Wir sind gespannt, was hier eines Tages stehen wird…

Adresse

Schloss Dammsmühle, Schloßstraße, 16348 Wandlitz