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Wohnmobiltrip durch die Toskana

Ciao Ragazzi! In den Sommerferien 2022 haben wir etwas für uns außergewöhnliches getan. Wir sind am dasselbe Ferienziel gereist wie im Vorjahr. Allerdings mit einer leicht veränderten Route. Wir haben die wunderschönen toskanischen Städte Siena und San Gimignano. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Mitte der 80er Jahre als Kind mit meinen Eltern bereits in der Nähe Urlaub in einem Ferienhaus gemacht. Normalerweise zieht es uns jedes Jahr im Sommer in eine andere europäische Region, wie die fleißigen Blogleser unter euch vielleicht bemerkt haben. Doch die südliche Toskana hat uns tatsächlich so gut gefallen, dass wir nicht anders konnten und einfach nochmal hierher reisen mussten. Obendrein ist der Campingplatz PuntAla Camp & Resort einfach genau unser Ding. Er bietet nämlich genau die richtige Mischung aus Aktivitäten, Entspannung, Natur, Strand und Privatsphäre. Der Campingplatz liegt unweit vom Naturpark Maremma und direkt am Tyrrhenischen Meer. Hier gibt es Pinienwälder genauso wie glasklares Meerwasser und feinen Sandstrand. Vom Strand aus kann man die Insel Elba sehen, wenn sie nicht gerade in einer heissen Dunstwolke verschwindet.

Nicht nur, dass wir normalerweise stets woanders unseren Urlaub verbringen (ok, mit Ausnahme von Mallorca) sind wir obendrein rastlos. Wir bleiben mit unserem Wohnmobil generell nicht länger als maximal fünf Tage an ein und demselben Ort. Aber weil die Maremma-Küste so idyllisch ist und der Campingplatz all unsere Anforderungen erfüllt, haben wir im August ganze zwölf Tage auf dem Platz verbracht. Das ist unsere Rekordzeit!

Was kann man bei Punta Ala unternehmen?

Hier kann man viel mehr tun, als die ganze Zeit entspannt am goldenen Sandstrand zu liegen, obwohl dies zugegebenermaßen auch sehr schön ist und wir sehr genossen haben.

An der Küste werden Wassersportarten, wie zum Beispiel Segeln oder Surfen angeboten, und auch Taucher und Schnorchler kommen im kristallklaren Wasser ihre Kosten.
Wenn es nicht zu warm ist, kann man toll wandern oder Fahrradtouren unternehmen. Besonders schön soll das Naturschutz- und Feuchtgebiet Riserva Naturale Diaccia Botrona südlich des Orts Castiglione della Pescaia sein. Hier besteht sogar die Chance Flamingos zu entdecken. Wer auf Golf steht, kann mitten in dem riesigen Pinienwald von Punta Ala eingebetteten Golfplatz seine Bälle schlagen.

Außerdem kann man natürlich Ausflüge in die bekannten wunderschönen toskanischen und umbrischen Städte Florenz, Siena, San Gimignano, Perugia, Assisi und Arezzo unternehmen. In den jeweiligen nächst größeren Ortschaften halten öffentliche Busse, mit denen man dorthin gelangen kann, falls man nicht mit dem eigenen PKW oder Camper fahren kann oder möchte.

Wir haben zum Beispiel während unserer Toskana-Urlaube Florenz, Siena, San Gimignano besucht und sind froh, dass wir diese unvergleichlich schönen Städte gesehen und viele bekannte Sehenswürdigkeiten gesehen haben.
Mit Kindern muss man natürlich schauen, dass man nicht unbedingt in der Mittagshitze durch die Stadt spaziert. In der Zeit kann man zum Beispiel lecker essen gehen oder sich einen kühlenden Park zum picknicken suchen. In der Hochsaison sind die Städte allerdings sehr voll. Einige der Städte verfügen über Camping- oder Stellplätze in der Stadtteil oder in der Nähe.

Der Campingplatz PuntAla Camp& Resort

Preisleistungsverhältnis und Sauberkeit

Zugegeben, der Campingplatz ist in der Hauptsaison relativ teuer. Aber er liegt an einer sehr schönen Bucht und bietet tolle Stellplätze, sowohl im Schatten eines hohen Pinienwaldes als auch mit viel Unterholz zur natürlichen und hübschen Abgrenzung der Stellplätze. Das ist auf anderen Campingplätzen in der Umgebung nicht so, dort stehen die Wohnwagen und auch die Mobilheime dicht an dicht. Das mögen wir persönlich überhaupt gar nicht, weshalb diese natürlich gewachsene Abgrenzung ideal ist.

Wir hatten einen Stellplatz weiter südlich auf dem Campingplatz in Meeresnähe vorher fest gebucht. Aber wir haben vor Ort gesehen, dass es auch für spontan Anreisende ausreichend schöne und freie Stellplätze gibt. Die Holz verkleideten Mobilheime mit Veranda sind bei kurzfristiger Buchung in der Hauptsaison ziemlich kostenintensiv, wie wir aus Neugier auf der Website nachgeschaut haben. Alternativ kann man auch einen Silverliner (mit Klimaanlage) oder auch Tipizelte in Strandnähe buchen.

Jenachdem wie weit der Stellplatz vom kleinen kommerziellen Zentrum, wo sich der Supermarkt, die Pizzeria, die Eisdiele und der Shop (Badeutensilien, Bekleidung und Zeitungen) befinden, entfernt ist, desto weiter ist natürlich der Weg dorthin. Wir haben deshalb Klappfahrräder dabei. Ich habe auch ein paar Gäste auf Elektrorollern gesehen. Wer einen Kinderwagen schieben möchte, sollte wissen, dass die Wege mit Kieselsteinen bestreut und daher nicht so bequem befahrbar sind.

Der alte Pinienwald wird mit ein paar verständlichen Auflagen gut geschützt. Als wir da waren, wurden deshalb einige Wege am Meer gesperrt, so dass sich der Wald erholen kann. Es gibt aber trotzdem noch ausreichend Strandzugänge.



Was wir gut finden, ist, dass sich der Müll nicht stinkend in irgendwelchen Containeranlagen sammelt, sondern täglich am Platz abgeholt (getrennt – man kann sich die passenden Tüten am Eingang mitnehmen) wird.

Die Sanitäranlagen sind neu und werden mehrmals täglich geputzt. Die Duschen sind prima und bis auf den späten Abend immer heiß. Es gibt kostenloses WLAN, das aber nicht überall besonders gut funktioniert hat.

Die weite Bucht hat feinen Sandstrand und ist sehr sauber. Es gibt überall Mülleimer. Auch das Meerwasser ist überaus sauber und glasklar. Natürlich ist der Strand in der Hochsaison recht gut besucht.

Essen und Trinken

An Hunger braucht man während des Urlaubs wirklich nicht leiden und auch nicht unbedingt in einen weiter entfernt Supermarkt fahren. Es gibt einen gut sortierten Supermarkt, der täglich bis 20 Uhr geöffnet hat. Dort gibt es regionale und Bio-Produkte, frisches Obst und Gemüse, einen Back- und einen Fleischstand und lustigerweise eine Weinzapfstation in der man für 4,50€ sowohl einen Liter Rot- als auch Weißwein in einer wiederverwendbaren Glasflasche abfüllen kann. Im Supermarkt sowie auch in allen anderen Geschäften und Restaurants des Campingplatzes kann man übrigens ausschließlich nur mit Karte und nicht in bar bezahlen. Allerdings kann man für Kinder und Jugendliche, die damit umgehen können, eine Campingplatzkarte mit Geld aufladen.

Die Pizzeria ist absolut empfehlenswert. Hier gibt es eine große Auswahl an super leckerer Pizza, die man auch zum Mitnehmen bestellen und zum Beispiel am Strand beim Sonnenuntergang verspeisen kann. Außerdem gibt es noch ein schickeres Restaurant in Strandnähe, das wir allerdings nicht ausprobiert haben. Den Eisstand in der Nähe vom Supermarkt und der Pizzeria haben wir regelmäßig abends aufgesucht und ausgiebig zu unserer vollsten Zufriedenheit getestet. Am Strand gibt es eine Bar, wo kleine Snacks, Eis sowie heiße und kalte Getränke bekommt.

Aktivitäten

Langeweile auszuhalten, ist nicht leicht. Zumindest nicht für mich. Ein Urlaub, während dem man länger an einem Ort bleibt, wie wir es während unseres Aufenthalts in der Toskana getan haben, bietet sich daher gut zum Üben an.
Allerdings machte es mir der Campingplatz mit all seinen Möglichkeiten nicht leicht. Bei einigenden Aktivitäten konnte ich nicht widerstehen, bei anderen habe ich allein schon wegen der Hitze besser verzichtet.

Per Mail informiert das Campingplatz-Team regelmäßig über das Sport- und Eventprogramm sowie auch über Unwetterwarnungen. Hier kommt eine Auswahl davon, was man allein nur in dem Camp&Resort unternehmen kann.

Auf dem Meer unterwegs Mit einem an der Strandbar mietbaren aufblasbaren SUP-Brett und Paddel kann man die Maremma-Küste entdecken und vom Meer zu Orten, wie die Bucht Cala Violina oder die Insel Sparviero gelangen, die man sonst nicht erreichen kann. Wenn das Meer relativ ruhig ist, sollte das auch für Einsteiger zu schaffen sein. Wir haben ein eigenes SUP dabei gehabt und es wirklich gerne und häufig genutzt.
Alternativ kann man auch ein Tretboot oder einen kleinen Katamaran mieten. Eine Surfschule ist auch vorhanden.

Hüpfburg

Besonders toll fanden unsere Kids die große Hüpfburg auf dem Meer, ein paar Hundert Meter südlich von unserem Campingplatz entfernt. Für 10 Euro pro Person kann man eine Stunde klettern, hüpfen und rutschen. Mit einer Schwimmweste bekleidet, schwimmt man vom Strand aus ein kleines Stück dorthin.
Die Kinder müssen schwimmen können und erst ab einer gewissen Körpergröße dürfen sie ohne Begleitung der Eltern mitmachen. Ein junger Mann passt auf der Burg auf, dass nichts passiert. Die Hüpfburg ist echt nicht ohne und ich war nach einer Stunde auch alle. Bei leichten Wellengang wackelt es bereits , was es noch schwerer macht, sich auf den Beinen zu halten.

Trecking

Adrenalin-Kick-Junkies beziehungsweise sportliche Urlauber können sich Mountainbikes oder Elektrofahrräder mieten und auf Trails hinunter bis zum Meer durch mediterranes Buschwerk und mittelalterliche Dörfer heizen.

CrossFit-Box

Weniger als 50 Meter vom Meer entfernt kann man seine Muskeln spielen lassen und kann morgens, mittags oder abends Trainingsstunden nehmen.

Tennis und Volleyball

In der Nähe der Strandbar und des Restaurants gibt es Tennis- und Volleyballfelder, die man buchen kann.

Yoga und Streching

Für mich besonders erfreulich war das Angebot wochentags morgens entweder um 8:30 oder um 10 Uhr Yoga oder Streching direkt am Strand machen konnte. Insbesondere die Yogalehrerin hat einen super guten einstündigen Kurd gegeben.

Kinderprogramm

Das Animationsprogramm ist rein auf Italienisch gehalten, daher kann ich dazu wenig sagen. Jeden Sommer gibt es ein anderes Animationsteam, das ein anderes Programm vorbereitet. Während unseres Aufenthalts gab es abends öfters ein Tanzprogramm zum Mitmachen am Strand. Unsere achtjährige Tochter hat sich immer gerne dazu gesellt und spontan mitgetanzt.

Musik

Musik ist am Stellplatz nicht erlaubt, was natürlich zur ruhigen Atmosphäre auf dem Campingplatz beiträgt. Freitagabends gab es während unseres Urlaubs abends eine ziemlich gute Live-Band zu der wir am Strand abgetanzt haben. Je weiter südlich man auf dem Campingplatz steht, desto mehr bekommt man allerdings mit, was auf dem Nachbarcampingplatz abgeht. Dort gibt es leider abends öfters mal lautere Musik aber es ist aushaltbar.

Glamping mit dem Omnia Backofen

Kochst du gerne und das auch unterwegs? Dann ist dieser Beitrag für dich genau der richtige. Auf Tour mit dem Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil schmeckt eine selbstzubereitete Mahlzeit oft besonders gut, wenn man das richtige Kochwerkzeug und die passenden Zutaten dabei hat.
Für unsere regelmäßigen Campingurlaube haben wir uns einen Backofen zugelegt. Das hört sich auf den ersten Eindruck etwas opulent und vor allem heavy an. Ist es aber nicht. Zumindest nicht, wenn es sich um den kleinen 500 Gramm leichten Omina Ofen handelt, den wir während unseres Sommerurlaubs auf einem toskanischen Campingplatz getestet haben. Der zwei Liter fassende Ofen eignet sich hervorragend zum Aufbacken von Brötchen, Croissants und ähnliches. Jedoch auch für viele andere Zubereitungen, Wie Aufläufe, Kuchen oder Brot backen. Er eignet sich nahezu für alle Hitzequellen wie Elektroplatte, Cerankochfeld, Grill, Gaskocher oder Trangiakocher (außer für einen Induktionsherd).

Einfache Anwendung

Outdoor-Kochen macht mit dem richtigen Equipment erst richtig Spaß!

Einfach den Camping Backofen auf einen Gas- oder Spirituskocher stellen und schon kann’s losgehen. Auch auf Herdplatten lässt er sich hervorragend betreiben. Ein kleines Heft mit leckeren Rezepten zum Ausprobieren liegt dem Backofen bei. Wir haben mit dem Backofen mehrmals Brot sowie Aufläufe gebacken und die gelungenen Ergebnisse haben uns sowohl kulinarisch als auch praktisch überzeugt. Für den ersten Versuch empfehlen wir zunächst ein einfaches Rezept zu probieren, um zu schauen, wie sich deine Hitzequelle mit dem Temperaturangaben macht.

So funktioniert der Backofen

Aufläufe schmecken aus dem Omnia Backofen besonders lecker.


Der Backofen besteht aus drei Teilen: Der emaillierte Untersatz kommt auf die Kochstelle, darauf kommt die Backschale und obendrauf der Decke. Die Backschale besteht aus einer runden Form mit Loch in der Mitte. Die Schale leitet die Wärme entlang der Unterseite der Backform und erzeugt somit die Unterwärme. Durch das Loch in der Mitte steigt die Hitze auch bis zum Deckel auf und erzeugt somit die Oberhitze. Seitliche Ventilationslöcher im Deckel lassen überschüssige Feuchtigkeit entweichen. Dadurch gelingen eine Vielzahl von Rezepten, z. B. Brot, Brötchen, Gebäck, Quiche, Lasagne, Rouladen, Braten und Aufläufe.

Den Omnia-Backofen kannst du zum Beispiel hier bestellen. Wenn du Inspirationen für leckere Rezepte suchst, gibt es hier ein Rezeptbuch extra für den Omnia-Backofen, das wir im Urlaub gerne genutzt haben.

Unser Wochenentip: Kanutour in der Ruppiner Schweiz

Hallo liebe Outdoor-Freunde! Ich habe etwas verheimlicht und zwar waren mein Mann, unsere Kinder und ich vor den Sommerferien gemeinsam mit drei befreundeten Familien bereits vorvereist. Bei uns hat sich mittlerweile die Tradition entwickelt einmal pro Jahr eine Kanutour zusammen mit unseren Kids zu unternehmen. Meist hat unser Kurztrip im Spätsommer stattgefunden.
In diesem Jahr haben wir unser Fernweh nicht mehr ausgehalten und haben bereits vor dem großen Sommerurlaub ein Wochenende im Naturschutzgebiet Ruppiner Schweiz verbracht. Dieser Landstrich gehört zu den schönsten die ich kenne und eignet sich sowohl im Frühling als auch im Sommer oder Herbst für einen Ausflug oder Urlaub.

In der Ruppiner Schweiz gib es neben dem wunderbaren Waldgebiet (das als Wandergebiet sehr beliebt ist) eine Seenkette, die durch den Havelnebenfluss namens Rhin wie eine Perlenkette miteinander verbunden ist. Eine solche Seenkette ist ideal wie sonstwas zum Kanu- oder Kajalfahren, da ein glasklarer See nach dem anderen kommt. Man kann also bei guter Kondition einen See nach dem anderen abklappern. Wir haben uns für unser Wochenende den Zermützelsee und den Tornowsee ausgesucht.

Der Zermützelsee liegt neun Kilometer nördlich von Neuruppin (eine Sehenswerte Stadt in dessen Therme wir im Januar waren, siehe Beitrag: Unser Wellness-Wochenende) entfernt. Nördlich darüber reiht sich der Tornowsee. Auch vom Wasser aus ist die umgebende Landschaft einfach wunderbar anzusehen. Vielen Dank an dieser Stelle an unsere liebe Freundin S., die Tour vorgeschlagen hatte. Sehr schade nur, dass sie selbst am dem Wochenende nicht dabei sein konnte.

Zwar haben wir in dem Anglerparadies von See weder Aale, noch Hechte oder Zander, Welse, Barsche, Karpfen, Schleien und Weißfische geangelt oder sie gesehen, obwohl diese Fischarten im 1,2 km2 großen Zermützelsee zuhause sind Aber dafür haben wir jede Menge Wasservögel und Seerosen entdeckt. Zwischendurch fühlten wir uns wie in einem Mangrovenwald, der mich mehr an Südostasien als an Nordbrandenburg erinnerte. Davon später mehr.

Campingplatz Stendenitz

Unser Camp, bestehend aus mehreren Zelten, mehreren Campingtischen und einem Wohnmobil, richteten wir gegen Mittagszeit auf einer 4-Sterne-Campingplatzanlage direkt am Ufer des Zermützelsees ein. Auf der anderen Seite des Platzes liegt ein hügeliges Buchenwaldgebiet, wie es so typisch für die Ruppiner Schweiz ist. Hinter der Einfahrt auf den Campingplatz befindet in sich übrigens das urige Waldmuseum Stendenitz.
Neben der tollen Lage an dem ausgezeichneten Badegewässer haben uns der Naturbadestrand, das freundliche Personal und die modernen Sanitäranlagen besonders gut an dem Platz gefallen. Vom Strand aus konnten wir praktischerweise unsere Kanus und Stand up Boards zu Wasser lassen. Da wir keines auf unser Wohnmobildach packen konnten, liehen wir uns vor Ort eines aus.
Der Campingplatz gehört zu CUR Camping, einer Gruppe von insgesamt drei Plätzen in dieser Umgebung. Wer also in Stendenitz keinen Platz mehr bekommt, findet eventuell auf einem der beiden anderen Plätze, am Rottstielfließ oder am Großen Rehwinkel, noch etwas. Da wir insgesamt vier Familien waren, hatten wir im Vorhinein ausreichend Platz für uns reserviert.

Unsere Kanutour über den Zermützelsee und Tornowsee zur Boltenmühle

Dschungelfeeling am Rottstielfließ

Vollständigerweise müsste die Überschrift „Unsere Kanu- und Stand up Board Tour“ heißen, da wir fast her genauso viele Boards wie Kanus aufs Wasser ließen. Einige der Kids, unsere inklusive, hatten mehr Spaß auf ihren Boards und paddelten oder ließen sich von den Kanus ziehen. Für den Hin- und Rückweg benötigten wir jeweils etwa 1,5 Stunden. Obwohl der Zermützelsee für Sportboote befahrbar ist haben wir während der gesamten Zeit nicht ein einziges Motorboot gesehen oder gehört. Es waren auch kaum andere Kanus auf dem Wasser unterwegs.

In nordwestliche Richtung verließen wir den Zermützelsee über den Rottstielfließ. Dieser schmale Stichkanal empfing uns gleich zu Amfang mit einem romantischen Schilf- und Seerosenteppich der als Stopover für zahlreiche Insekten diente. Danach entwickelte sich das Ufer immer mehr zu einem Mangrovenartigen Gebiet, denn wir konnten die Wurzeln der dicht am Wasser hinaufgewachsenem Bäume sehen.

Nach dem wir eine kleine Brücke unterquerten, erreichten wir den 2,18 Kilometer langen (oder kurzen, je nachdem) Tornowsee. Dieser See ist größer und mit zwölf Metern auch tiefer als der Zermützelsee. Sogar eine Miniinsel hat auf ihm Platz. Während wir über den See paddelten, fing es im Himmel an zu grummeln. Zuerst dachten wir, dass es unsere hungrigen Mägen wären. Aber mit der Zeit verdunkelten sich ein paar Wolken, weshalb wir mehr Gas haben um vor einem vermeintlichen Gewitter an Land zu kommen anstatt mitten auf dem See einen lebendigen Blitzableiter abzugeben.
Unsere Tour erreichte seinen Wendepunkt am nördlichen Ende des Tornowsees, wo sich mit der Boltenmühle eine hübsche Einkehrmöglichkeit für uns anbot: https://www.boltenmuehle.de/hotel

An der Boltenmühle in Gühlen Glienicke, von der bereits Promis wie Theodor Fontane oder Friedrich der Große literarisch schwärmten, befindet sich wirklich noch ein Mühlrad nach dem sich das Hotel benannt hat. Hotel und Gaststätte waren ursprünglich eine Schneidemühle. 1718 errichtet, diente sie dem Zerteilen von Baumstämmen und zum Mahlen von Korn. Das noch vorhandene Mühlrad wird vom wild-romantischen Binenbach angetrieben. Die Liste der ehemaligen Eigentümer der Mühle ist wirklich lang und die verschiedenen Nutzungen über die Jahrhunderte sehr abwechslungsreich. Hier gibt es die Chronik der Boltenmühle zum Nachlesen: https://www.guehlen-glienicke.de/boltenmuehlechronik.html
Ganz nebenbei erwähnt gibt es ich eine alte Hexengeschichte von der Boltenmühle. Aber davon zu erzählen, würde hier zu weit führen. Wer sich dafür interessiert, kann die Legende hier nachlesen: http://www.stadtspaziergaenge.de/2007/neur_hexe_boltenmuehle.php

Gleich nach dem Anlegen öffnete sich uns ein weitläufiger idyllisch angelegter Garten mit einem Gatter für Esel und andere Tiere sowie ein Restaurant mit angeschlossenem Bio-Gemüse-, Beeren- und Kräutergarten. Dahinter liegt leicht erhöht ein Biergarten von dem man über die gesamte Schönheit blicken und bei bodenständig märkischer Küche einfach nur genießen kann.
Wir fanden natürlich, dass wir uns hier eine ausgiebige Pause verdient haben. Obendrein reservierten wir bevor wir uns wieder auf den wasserreichen Rückweg machten, für den selbigen Abend eine lange Tafel im Restaurant, weil es uns so gut dort gefiel. Das dies eine weise Entscheidung war, bemerkten wir erst später. Denn gegen 20 Uhr, als wir im Restaurant durchs Panoramafenster hinaus blickten, wurden wir Zeuge eines ordentlichen Wolkenbruchs. Glücklicherweise waren wir abends mit dem Auto gekommen.

Wer Lust auf Wasserwandern bekommen hat und sich auf den Weg in die Ruppiner Schweiz machen möchte, findet in diesem Buch viele nützliche Infos.

Unser rasantes Himmelfahrtswochenende im Heide Park Soltau

Oh mein Gott, ich weiß nicht mehr, wann ich das letze Mal so laut und lange geschrien und gejauchzt habe. Der Adrenalinkick katapultiert uns mit 4,7 G (Beschleunigungsmaßeinheit) innerhalb von 2,5 Sekunden in eine ganz neue Atmosphäre. Meine Tochter, ihre Freundin und ich begrüßen das Geschehen lautstark, während der Mann (nicht meiner) neben mir keinen Pieps von sich gibt. Wahrscheinlich ist sein Testosteron in Schockstarre verfallen, während unsere weiblichen Östrogene jubilieren. Wir rasen mit 100 Kilometer pro Stunde durch die Lüfte und leider ist es deshalb auch viel zu schnell vorbei. Würden wir nicht 30 Minuten anstehen müssen, würden wir es gleich wieder tun. Das Himmelfahrtskommando in Form einer Katapultachterbahn trägt den passenden Namen Desert Race und befindet sich in einem ansonsten sehr harmonischen Landstrich in Deutschland: im Heide Park Soltau mitten in der Lüneburger Heide.

Meine Tochter, ihre Freundin und mein Mann hatten bereits ihren ersten Adrenalinkick auf Europas höchster Holzachterbahn namens Colossos. Allein schon das Material Holz in Verbindung mit dem Superlativ „höchste“ finde ich beunruhigend. Deshalb bin ich nicht gram, dass unsere zweitgeborene Tochter noch zu jung für diese 60 Meter hohe Attraktion ist und nur mein Mann mit den großen Mädels Kopf und Kragen riskiert. So habe ich eine entspannte Ausrede, weshalb ich leider nicht mit in den Waggon steigen kann. Stattdessen darf ich mit unserer Jüngsten in den Themenbereich „Drachenzähmen – Die Insel“ abtauchen und mich dort etwas entschleunigen. Uns beiden gefällt das Flugmanöver in einer der acht bunten Gondeln von „Hicks Himmelstürmer“ sehr gut und wir kommen uns fast wie echte Drachenreiterinnen vor. Es ist ein bisschen so wie Kettenkarussell, nur dass wir bei liegen anstatt zu sitzen. Ein Glück ist es wieder sonnig und unsere Kleidung ist nach unserer etwas feuchten Wildwasserfahrt wieder trocken. Ansonsten wäre es in den luftigen Höhen etwas frisch für uns geworden.

Orientierung im Freizeit- und Vergnügungspark

Es ist für uns kurz nach dem Betreten des 850.000 Quadratmeter großen Freizeit- und Vergnügungsparks gar nicht leicht, uns für eine der Attraktionen zu entscheiden. Deshalb laufen wir erst einmal entgegen des Uhrzeigersinns durch Deutschland zweitgrößten Vergnügungsparks und suchen uns dann aus, worauf wir Lust haben. Anhand der Heide Park App können wir nachschauen, mit wie viel Wartezeit wir bei welcher Attraktion rechnen müssen. Wer keine Lust auf Warten und etwas mehr Geld locker machen möchte, kann zusätzlich zum Eintrittsticket, das 40€ pro Person kostet, einen von fünf verschiedenen so genannten Express Butler Pässen kaufen, die die Wartezeit verkürzen.

Zusätzlich zur Wartezeit regulieren die Alters- und Größenbeschränkungen unsere Auswahl an Attraktionen etwas. Deshalb beginnen wir zunächst mit den Angeboten, die wir alle zusammen wahrnehmen können. Dazu gehören neben der Wildwasserbahn, gleich rechterhand des Eingangsbereichs, das Peppa Pig Land und das Kettenkarussell La Ola und Breakdance. Letztere sind natürlich Klassiker, die in keinem Vergnügungspark fehlen dürfen.

Zur Freude unserer achtjährigen Tochter gibt es außerdem einen großen Rutschenturm und eine Kinder-Fahrschule namens Wüstenflitzer, wo sie zwar die älteste Fahrerin ist, aber egal. Im Schritttempo drehen die Kiddies gemächlich ihre Runden, während die Eltern neben ihren geliehenen oder mitgebrachten Bollerwagen vom Zaun aus beobachten, wie ihr Nachwuchs sämtliche Vorfahrtsregeln missachtet und im Anschluss trotzdem einen Führerschein mit Lichtbild erhält, wenn man 9€ bezahlt.

Zwischen all dem aufregenden Gesause erholen wir uns auf einer der Parkbänke, die ganz idyllisch umgeben vom viel Grün liegen, in der Sonne und gönnen uns die ein oder andere Portion Pommes Rot-Weiss, obwohl wir schon den ganzen Tag an unseren unendlichen mitgebrachten Proviantboxen knabbern. Wir genießen es, dass es in dem Park immer irgendwo auch etwas schönes angepflanzt ist. Insgesamt kommen also Gross und Klein im Heidepark auf ihre Kosten.

Die Big 7 des Freizeit- und Vergnügungsparks

An den Drive Coaster namens Krake in der so genannten Bucht der Totenkopfpiraten trauen wir uns nicht ran. Zu steil und zu weit oben hängen die drei Sitzreihen über dem Heidepark See bevor sie rasant in die Tiefe und in den Krakenschlund stürzen. Wir müssen jedoch immer wieder automatisch nach oben schauen, wenn die Besucher:innen mehrere Sekunden mit baumelnden Füßen darauf warten in die Senkrechte zu fallen und kurz danach eine Wasserfontäne auslösen. Sieht wirklich spektakulär aus!

Über Scream diskutieren wir ernsthaft. Trauen uns dann aber jedes Mal doch nicht an den 71 Meter hohen Gyro-Drop-Tower ran. Mit nahezu 100 Kilometer pro Stunde hinab in die Tiefe zu fallen, ist ähnlich wie Fallschirmspringen und bringt bestimmt ein verrücktes Glücksgefühl. Aber eigentlich reicht uns der kleine Bruder namens Screamie schon aus, der um einiges kleiner ausfällt. Gerne wären mein Mann und ich in den absoluten Klassiker der Freizeit- und Vergnügungsparks, der Loopingbahn Big Loup, eingestiegen. Doch leider ist dieser derzeit gesperrt. Die beiden anderen Attraktionen der Big 7 heissen Limit, eine spektakuläre Hängeloopingbahn, und Flug der Dämonen, Deutschlands einziger Wingcoaster. Die langen Wartezeiten halten uns jedoch davon ab uns hier den nächsten Adrenalinkick abzuholen. Somit beschränken sich unsere praktischen Adrenalinkick-Erfahrungen, was die Big 7 betrifft, auf Colossus und Desert Race. Immerhin!

Statt uns die Beine bei einen der Big 7 in den Bauch zu stehen, machen wir alle zusammen eine spritzige Mountain-Rafting Tour durch eine Gebirgslandschaft und entspannen danach während einer Monotrailfahrt, die uns einen guten Überblick über den Park verschafft. Bevor unsere Kinder und ich den aufregenden Tag mit ein paar Hinauf-Hinab-Runden auf dem Turm Screamie ausklingen lassen, wollen wir es noch einmal richtig wissen und steigen in die Bobbahn, die uns kräftig durchrüttelt. Zum Abschluss steigen wir gegen 18 Uhr in die Piratenschiffsschaukel, die, so wie alle anderen Fahrgeschäfte nach 18 Uhr, keine neuen Gäste mehr aufnimmt, damit um 19 Uhr der Park seine Pforten schließen kann.

Unser Stellplatz auf dem Campingplatz Böhmeschlucht

Fernab vom Vergnügungstrubel, etwa 30 Minuten Fahrtzeit vom Heidepark Soltau entfernt, bekamen wir einen der letzten reservierbaren Stellplätze für unser Wohnmobil und ein großes Zelt. Der Campingplatz Böhmeschlucht liegt sehr idyllisch in einem Waldgebiet direkt am 71 Kilometer langen Fluss Böhme, in dem man auch Kanu fahren kann, insofern er ausreichend Wasser führt. Fußläufig befindet sich das Dorf Vierde, welches sich aktuell im Rhododendronrausch befindet und eine Straußenfarm als Attraktion sein Eigen nennen kann. Auf dem beschaulichen vier Hektar großen Campingplatz samt drei Seerosenteichen können wir nach dem rasanten Tag sehr schön runterfahren.
Der Inhaber geführte Platz hat für Erwachsene und Kinder jeweils eine eigene Bücherei sowie eine Spielscheune samt Tischtennisplatten, Federballschlägern, Kicker, Roller, Tretautos und Kinderräder. Außerdem gibt es ein Restaurant, Brötchenservice, ein Sanitärgebäude sowie eine Küche mit Backofen und frischen Eiern im Kühlschrank, die man kaufen kann. An manchen Tagen ist Backtag, dann gibt es frisch gebackene Pizzen und Brot vor Ort.

Wer vom Campingplatz nicht so weit wie wir zum Heidepark fahren möchte, kann sich auf einem der näher liegenden Campingplätzen umsehen oder natürlich in einem der originellen Themenzimmer des Heide Park Hotels einmieten. Allerdings muss man schnell sein, um noch einen freien Platz zu ergattern.

Wer noch mehr Tipps für Freizeit- und Vergnügungsparks haben möchte, kann sich gerne meine Beiträge über das Legoland in Günzburg oder den Playmobil Funpark und Karls Erlebnis-Dorf ansehen. Und last but not least habe ich über den sehr hübschen Jardin d’Acclimation berichtet.

Mit dem Wohnmobil nach Paris und Versailles

Bonjour mes amies! Zwölf Jahre ist es her, dass wir den all time favorite, die Nummer Eins der schönsten Städte der Welt besuchten, während in meinem Bauch unser erstes Kind heranwuchs und wir dabei frisch verlobt, ich mit Diamantring bestückt und wir sehr romantisch durch die Stadt der Liebe schlenderten.

Vor zwei Jahren planten wir diese Reise in einer neuen Konstellation und mit einem anderen Vehikel zu wiederholen. Doch ein klitzekleiner Virus, der mit dem unauffälligen Buchstaben C beginnt, kam uns 2020 und auch 2021 dazwischen. Quel malheur!

Über Karlsruhe und Sezanne nach Paris

Diese Ostern hielt uns endlich nichts mehr davon ab, unseren Plan in die Tat umzusetzen, Tochter Nummer eins (bald 12 Jahre) und Tochter Nummer zwei (sehr bald acht Jahre alt) zu schnappen und mit unserem guten alten Wohnmobil, aka Gipsy, von Berlin aus einmal Deutschland in westliche Richtung zu durchqueren und unsere französischen Nachbarn zu besuchen. Auf dem Weg in die elf Millionen Einwohner:innen Stadt machten wir einen Schlenker und Zwischenstopp in Karlsruhe, um unsere Freunde zu treffen, die wir auf unserer Kur im Winter kennengelernt hatten. Danach verbrachten wir noch eine Nacht auf dem städtischen Campingplatz von Sezanne, etwa zwei Autostunden von Paris entfernt. In dem Ort deckten wir uns mit Lebensmitteln und Getränken ein. Unser Glück, dass in Frankreich offenbar am Ostersonntag die Supermärkte geöffnet haben. Insgesamt haben wir mit dem Wohnmobil auf unserer Hinreise etwa 1.220 Kilometer zurückgelegt und dafür zwei Übernachtungen gebraucht, weil wir mit unserem Stopp in Karlsruhe einen kleinen Umweg genommen haben. Auf dem Rückweg nach Berlin haben wir in Köln auf einem Busparkplatz in Köln gestanden, weil der dortige Stellplatz bereits voll war.

Wer kein Wohnmobil hat oder mieten möchte, kann Paris natürlich auch per Bahn, Pkw oder Flugzeug erreichen. Dazu gehört dann allerdings auch das Buchen eines Hotels oder einer Ferienwohnung.

Ist Paris als Reiseziel für Familien mit Kindern geeignet?

Qui/ Ja! Auch wenn uns während der Osterferien vier einhalb Tage für Paris und einen halben Tag für Versailles zur Verfügung standen und das nach relativ viel Zeit für einen Städtetrip klingen mag, mussten wir schauen, wie wir alle Interessen unter einen Hut bekommen. Allerdings fiel uns das nicht allzu schwer, weil der Zeitraum von fast einer Woche Aufenthalt für eine Stadt ausreichend ist und die französischen Hauptstadt bei schönem Frühlingswetter auch viele Möglichkeiten bereit hält um sich als Familie mit Kindern die Zeit zu vertreiben. Natürlich muss man als Eltern wie immer Kompromisse und Deals mit dem Nachwuchs machen. Aber wenn man sich auch auf die Interessen der Kids einlässt, hat man auch Spaß dabei.

Es gibt in Paris viel Grün, so manchen Spielplatz und überall bekommt man schnell etwas auf die Hand zum Essen. Die Menschen begegneten uns hilfsbereit und gastfreundlich. Eine Story aus dem Nähkästchen: als wir beim Arc de Triomph mal einen leckeren Snack für unsere Tochter mit einem relativ großen Geldschein bezahlen wollten, konnte der Verkäufer leider nicht wechseln, woraufhin er uns einlud und partout nicht akzeptieren wollte, dass wir den Geldschein wechseln gehen. Ob das damit etwas zu tun hatte, dass unsere Tochter beim Zubereiten ihres Snacks helfen durfte, weiß ich nicht.

Selbst auf dem Prachtboulevard, den Champs Élysée, findet man einen Supermarkt (Monoprix), wo man das notwendigste einkaufen kann. Restaurants sind, wen wundert es in einer Stadt, die berühmt ist für ihre gehobene Küche, allerdings kostspieliger als in Deutschland. Dafür sind Museen für Kinder sowie junge Erwachsene bis zum 26. Lebensjahr kostenfrei zugänglich. Die regulären Eintrittspreise für Erwachsene in Museen sind ungefähr gleich hoch wie Museen auf ähnlichem Niveau wie in Deutschland. Die Tickets für die großen und bekannten Häuser sollte man online ein paar Tage im Voraus buchen wenn man keine Lust auf Enttäuschungen oder lange Wartezeiten hat.

In Paris kann man sich wie in jeder anderen Großstadt sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie der Metro als auch per Leihfahrrad oder Roller sowie Taxi bequem fortbewegen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat erfreulicherweise dafür gesorgt, dass es mit Fahrradfahren in Paris ganz prima klappt. Wer sich mehr für dieses Thema interessiert, findet hier mehr Infos.

Obendrein gibt es Busse für Stadtrundfahrten und Ausflugsschiffe (haben wir beides nicht gemacht). Mit dem eigenen Auto in Paris unterwegs zu sein, würde ich sein lassen. Erstens braucht es dafür eine Genehmigung und zweitens erschien uns der Verkehr an den noralgischen Verkehrsknotenpunkten als ziemlich chaotisch.

In Paris haben wir uns überall sicher gefühlt. Natürlich sind wir nicht mit offenen Handtaschen durch die Stadt gelatscht und waren allein schon wegen der Kinder in keinen zwielichtigen Ecken und auch nicht abends unterwegs. Die Polizei ist recht präsent, ohne aufdringlich zu wirken.

Falls du dich fragst, ob wir in Disney World waren, so lautet die direkte Antwort nein. Diesen Besuch heben wir uns für ein anderes Mal gerne auf. Wir haben stattdessen andere Parks und Gärten, tolle Museen sowie berühmte Sehenswürdigkeiten besucht, die ich dir jetzt vorstelle. Aber auch ohne Plan lässt es sich in dieser wunderschönen Stadt einfach überall drauflos spazieren. Man entdeckt überall etwas schönes und überraschendes.

Insgesamt haben wir am Ende doch viel gesehen und ein volles Programm gehabt. Natürlich hatten wir auch nen Reinfall. Aber davon nur einen. Ich wollte unbedingt der Galerie La Fayette Hausmann einen Besuch abstatten. Na klar war die Glaskuppel schön anzusehen und der Ausblick von der Dachterrasse über die Oper bishin zum Eiffelturm toll. Aber mit Kindern? Muss nicht sein. Kein lohnenswerter Ausflug. Das Essen oben war schlechter als an jeder Imbissbude.

Um die Kinder bei Laune zu halten, gab es während unserer Ausflüge viele Pausen mit leckeren Crèpes, erfrischenden Getränken, kleine Souvenirs und ab und zu ein Eis sowie ein Golfcar für den riesigen Schlosspark von Versailles.

Fahrverbote in Paris

Unsere Ankunft planen wir so, dass wir am Wochenende in Paris eintreffen, da in der Umweltzone von Paris das Verbot für alte Dieselwohn- oder Automobile am Wochenende nicht gilt. Werktags dürfen wir zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends nicht durch Paris fahren. Das ist nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Dass diese Regelung nötig ist, zeigt der Riesenstau in dem wir während der Anfahrt nach Paris geraten und der immer noch wahnsinnige Autoverkehr, den wir später vom Fahrrad aus beobachten können. Auch Baustellen begegnen uns jede Menge. Mehr Informationen zur Pariser Umweltzone gibt es hier: https://www.france.fr/de/nuetzliche-tipps/umweltzone-paris

Camping de Paris mitten im Stadtwald

Am Rande des weitläufigen Stadtwalds von Paris, im Bois de Bologne, schmiegt sich unser vorab gebuchter Campingplatz namens Camping de Paris an die Seine. Es ist ziemlich voll, als wir am Ostersonntag um die Mittagszeit ankommen und wir sind froh, einen Stellplatz reserviert zu haben. Trotzdem bekommen wir nur einen direkt an der befahrenen Straße Allée du Bord de l‘Eau. Andere waren wohl schneller als wir.

Der Campingplatz gehört zur Kette von City Kamp/ Huttopia, die in Frankreich sehr viele und in Kanada und USA ein paar wenige Campingplätze haben. Diese Kette ist dafür bekannt, dass sie wert auf eine natürliche Umgebung und eine Wohlfühlathmosphäre legen, was in Paris ganz gut gelingt. Schließlich liegt der wirklich sehr idyllische und abwechslungsreiche Stadtwald Bois de Boulogne, der eigentlich aus mehreren ineinander übergehenden Parks besteht, direkt vor der Tür.

Neben etwa 300 Stellplätzen für Wohnmobile und Zelte gibt es auf dem schönen grünen Platz auch einige ganz hübsche kleine hölzerne Bauwagen, so genannte Gipsy Caravans, und größere Cottages zu mieten. Insgesamt stehen drei moderne Sanitäranlagen (insgesamt etwas schmuddelig) eine Wäscherei, ein kleiner Supermarkt (mit Apothekerpreisen), eine Café, ein einfaches Restaurant und ein Spielplatz zur Verfügung. Direkt an der Rezeption gibt es einen kleinen Platz, der nur für Bienen reserviert ist. Um die abgezäunten Bauden summt und brummt es entsprechend. Fahrräder für Erwachsene (normales Rad für 11€ und Elektrobikes 30€ pro Tag) und Kinder (9€ pro Tag) lassen sich auf dem Platz ausleihen. Wer lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann sich für wenige Euro pro Person von einem mehrmals pro Tag startenden Bus direkt vom Campingplatz zum nächsten U-Bahnhof fahren lassen.

Für alle Grillfans unter euch: Das Grillen ist vor Ort ist verboten. Für alle Hobbyangler: An die Seine gelangt man von Campingplatz direkt leider nicht. Aber im Bois de Boulogne gibt es einige Seen an denen die Pariser gerne ihre Angelleinen auswerfen.

Unser Ostersonntag in Paris

Nach der Ostereiersuche und Nascherei haben wir große Lust auf Bewegung! Da wir unsere Fahrräder dabei haben, schwingen wir uns auf die Drahtesel, durchqueren den üppigen grünen Stadtwald und fahren direkt zu DEM Wahrzeichen von Paris. Am Ostersonntag haben allerdings Tausende von Tourist:innen aus aller Welt das Bedürfnis auf den 330 Meter hohen Turm von Monsieur Eiffel zu gelangen. Wir haben leider online keine Tickets mehr bekommen, weil diese bereits Wochen vorher ausgebucht waren. Um den Turm herum ist ein Wahnsinnstrubel. Wir können kaum laufen, geschweige denn radeln. Daher lassen wir davon ab und suchen uns einen Tisch in einem süßen kleinen Restaurant in der Umgebung, um dort zur Feier des Tages ein frühes Abendessen zu genießen. Den ersten Tag in Paris lassen wir dann am Arc de Triomphe ausklingen, zu dem man übrigens unterirdisch gelangt. Unten erhält man auch Tickets zum Besteigen des Triumphbogens.

Das Radfahren jenseits des Kreisverkehrs funktioniert dank der steinernen Abgrenzungen auf der Straße ganz gut. Als Radfahrer:in hat man also richtige eigene Spuren. Das Wetter spielt super mit und wir kommen gut durch. Allerdings gibt es auch ein paar brenzlige Stellen in Paris an denen wir gut acht geben müssen. Dennoch werden wir die gesamten folgenden vier Tage, die wir in Paris verbringen, alle Wege mit dem Fahrrad zurücklegen. An manchen Tagen legen wir nur elf an anderen 20 Kilometer zurück.

Unsere Ausflugstipps für den Bois de Boulogne

Der 860 Hektar große Stadtwald ist der Central Park von Paris und befindet sich im Westen außerhalb des Stadtkerns. Er ist tagsüber bei Familien mit Kindern und Joggern sehr beliebt. Bevor hier entspannt werden konnte, wurde hier geballert, denn früher diente er als königliches Jagdgebiet bevor er Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild des Londoner Hyde Parks im Auftrag von Napoleon III. von Eugène Hausmann als Park umgestaltet wurde. Auf idyllischen Wegen, die kreuz und quer verlaufen, lässt es sich prima spazieren oder radfahren. Hier locken außerdem viele schöne Ausflugsziele wie das als Segelschiff getarnte Austellungshalle Fondation Louis Vuitton, die Fondation Good Planet, der direkt dahinter liegende Vergnügungspark Jardin d’Acclimatation, der romantische Rosengarten La Bagatelle, ein künstlicher Wasserfall, ein See mit Ruderbootverleih und die Pferderennbahnen Hippodrom d‘Auteuil und Hippodrom de Longchamp. Mehr dazu erfährst du weiter unten in meinem Beitrag.

Ab dem frühen Abend beziehen an den Autostraßen, die teilweise durch den Bois de Boulogne führen, allerdings etwas zwielichtige Gestalten ihre Positionen um ihren Geschäften nachzugehen. Abends ist der Park also kein geeignetes Familienausflugsziel.

Vergnügungspark Jardin d’Acclimatation

Wer als Familie einen rundherum schönen Tag erleben möchte, dem möchte ich den Besuch dieses Vergnügungsparks im Bois de Boulogne ans Herz legen. Über 40 sehr liebevoll im Steam Punk Stil gestaltete Attraktionen und Manegen, ein gutes Dutzend Restaurants, Cafés und Imbisse, ein großer Wasserspielplatz (Badesachen oder Wechselkleidung mitnehmen), Picknickwiesen, hunderte Tiere und Vögel (darunter Lamas, Ponys, Pfauen, Ziegen, Schafe und Enten) sowie wunderschön gestaltete Grünanlagen erwarten die Besucher:innen. Unsere Kinder hat der Park sehr gut gefallen und der Tag war sicherlich das Highlight für sie.

Das Tagesticket für 39€ pro Person sowie Einzeltickets für 4€ pro Attraktion zzgl. 7€ Eintrittspreis pro Person bekommt man am Eingang oder online.

Rosengarten La Bagatelle

Wir waren im April noch etwas zu früh in diesem romantischen Rosengarten La Bagatelle, denn die Rosenstöcke mit so manchem lustigen Namen, blühen erst zwischen Juni und Oktober. Dennoch ist der Besuch des Gartens auch außerhalb dieses Zeitraums lohnenswert. Überall überraschte uns entweder ein Pavillon, ein schmuckes Schlösschen oder ein verwunschenes Gartenhaus, eine hübsche Brücke, ein Wasserfall oder gar eine Höhle oder ein Rad schlagender Pfau auf einer blühenden Wiese. Tickets erhält man vor Ort am Kassenhäusschen.

Fondation Louis Vuitton

Kein Schiff, das sich durch ein Meer von Bäumen zu pflügen scheint, sondern vielmehr ein vom amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry gestaltetes futuristisches Ausstellungsgebäude mit zwölf Glassegeln erhebt sich seit dem Jahr 2014 im Bois de Boulogne direkt an der Avenue du Mahatma Gandhi. Warum das Ding da steht? Weil Bernard Arnault, ein sehr vermögender Mann und Vorsitzender des Pariser Mode-Koffer-Champagner-Cognac-Luxushauses LVMH, zu dem auch die Marke Louis Vuitton gehört, das Museum in Bilbao von Gehry so cool fand, das er so was auch für Paris haben wollte. Also Gehry anrufen, im Büro quatschen, Auftrag vergeben, ein paar Jahre später Museum eröffnen. So geht das, Leute! Trotzdem hat mir das Guggenheim Museum im spanischen Bilbao, das wir uns vor ein paar Jahren während unseres Wohnmobiltrips durch Nordspanien angesehen haben, weitaus besser gefallen, unter anderem weil wir einfach mehr davon zu sehen bekamen.

Jump, Jump!

Neben der aktuellen Ausstellung „Coming of Age“ zu Ehren und in Erinnerung an den 2021 überraschend an Krebs verstorbenen US-amerikanischen Modedesigner, Virgil Abloh, erster dunkelhäutiger Chefmodedesigner von Louis Vuitton, schwimmt zur großen Freude unserer Kinder eine spektakuläre knallrote Hüpfburg auf einem flachen Wasserbecken direkt am dem Privatmuseen. Das Spielgerät ist nach dem Durchqueren des Museums und erst ab einer Körpergröße von 150 Zentimeter zugänglich. Wer es mit ausgezogenen Schuhen auf die exklusivste Hüpfburg aller Zeiten geschafft hat, kann vor dem großes Logo der Modemarken posen, das über dem Eingang der roten Gummiburg prangt. Instagram und Snapchat lassen grüßen! Unsere große Tochter und ich hatten auf jeden Fall sehr viel Spaß beim Springen!

Der Eintritt in das Galeriegebäude ist kostenfrei. Allerdings empfiehlt es sich unbedingt die Tickets ein bis zwei Tage vorher online zu bestellen, um sich die Kunst aus dem 20. oder 21. Jahrhundert anzusehen. Ansonsten muss man draußen lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Centre de Pompidou

Und nun raus aus dem Bois de Boulogne und mitten rein ins Stadtzentrum: Das Centre de Pompidou liegt im 4. Arrondisseement von Paris und ist gefüllt mit moderner Kunst, dessen großzügiges Foyer aus meiner Sicht bereits ein Besuch wert ist. Hier blinkt und leuchtet es überall und so manches ungewöhnliches Kunstwerk versteckt sich hier. Auch von außen is dieses von George Pompidou, einem ehemaligen französischen Staatspräsidenten, in Auftrag gegebene Haus sehenswert. Denn alles, was normalerweise innen liegt, also Rolltreppen und Rohre, sind hier nach außen verlegt. Deshalb wird es auch La Raffenerie genannt. Von der Rolltreppe aus, blickt man das lebendige Getümmel auf dem Vorplatz.

In der offenen Galerie des ersten Stockwerks konnten sich unsere Kinder im kostenfreien und farbenfrohen Workshop- und Ausstellungsbereich kreativ werden. Danach ging es für uns alle weiter nach oben in die aktuelle Ausstellung von Charles Ray. Auf der Dachterrasse befindet sich übrigens ein schönes Café mit Ausblick auf die Dächer von Paris.

Hierfür hatten wir ausnahmsweise keine Online-Tickets gebucht und sind trotzdem schnell reingekommen. Wer sich dennoch vorher ein Ticket buchen oder sich einfach informieren möchte, wird hier fündig.

Um die Ecke der La Rafferneie gibt es übrigens leckeren Falafel (leider nicht auf Google Maps gefunden)!

Bourse de Commerce

Nicht weit vom Centre de Pompidou, erst im Frühjahr 2021 eröffnet und schon der Star unter den Pariser Ausstellungshäusern ist die ehemalige Warenbörse Bourse de Commerce bzw. die Pinault Collection beim Quartier Les Halles. Der historische Rundbau mit Glaskuppeldach wurde vom japanischen Stararchitekten Tadao Ando im Auftrag des privaten Sammlers Pinault mit viel Sichtbeton umgebaut. Ando hat übrigens bereits unter anderem in Venedig einen schicken Palazzo erfolgreich umgebaut. Unterhalb der Glaskuppel befindet sich ein 140 Meter langes Wandgemälde, das die internationalen französischen Handelsbeziehungen darstellt und das man sowohl aus dem Erdgeschoss als auch von den innen liegenden Balkonen der oberen Etagen betrachten kann. Lustig sind die künstlichen Tauben, die auf der innen liegenden Brüstung sitzen.

Ryan Ganders animatronic mice ist sehr wissbegierig

Besonders gut gefallen hat uns Ryan Ganders weiße Maus, die sich durch eine Wand in der Bourse de Commerce gefuttert hat und uns viele Fragen stellt während wir vor ihr am Boden knien. Charles Ray, hier wie im Centre de Pompidou präsent, konnte uns wiederholt nicht abholen. Aber dafür war die Installation Opera (QM.15) in Form einer holographischen Illusion der Opernsängerin Maria Callas in einem spärlich von roten Lichtspots beleuchteten Raum in der 3. Galerieetage atemberaubend, wenngleich auch etwas gespenstisch. Kleiner Besserwisserhinweis: Die Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster hat für diese Installation bereits 2016 den Preis der Neuen Nationalgalerie in Berlin erhalten. Wenn man lecker speisen möchte, sollte man sich im obersten Stockwerk einen Tisch im Restaurant reservieren. Tickets für die gesamte Pinault Collection kann man online buchen.

Louvre-Museum

Mon Dieu! Zugegebenermaßen ist es im berühmten Louvre-Museum ziemlich warm und voll. Aber was soll ich sagen? Es ist halt der Louvre, ma cherie! Logo gehen wir da mit den Kindern rein! Schließlich hat sich das Louvre-Museum in den letzten Jahren nochmal erweitert und ist immer noch DAS Museum, das man im Leben mindestens einmal gesehen haben sollte.

Um die 7.000 Kunstwerke zu betrachten, bräuchte man mehrere Tage. Natürlich machen wir genau das nicht. Wir folgen ganz schnöde dem Mammon und besuchen die berühmten Damen, also die Mona Lisa, die Venus von Milo, die Nike von Samothrake und die Nymphe Antiope. Die sehr einfach gekleidete Florentinerin mit dem enigmatischen Lächeln, die Mona Lisa, ist wirklich ein überraschend kleines Bild von 77 Zentimetern Höhe und 53 Zentimetern Breite vor dem täglich tausende Besucher:innen schnell ein Bild machen, teilweise ohne das Bild einmal ohne Fotolinse zu betrachten und die Damen einfach nur schnöde abknipsen. Das Bild ist mit Panzerglas sowie zusätzlich durch eine robuste hölzerne Absperrung und einer Museumsmitarbeiterin geschützt. Den Besucheransturm soll eine schlangenförmige Absperrung im Zaum halten. Diese Maßnahmen werden nicht ohne traurigen Grund getroffen: Bereits zwei Male fanden Attentate auf das berühmte Gemälde statt, zuletzt 2009 durch einen Tassenwurf. Ob das an ihrem leichten Silberblick liegt, der rechts am Betrachter vorbei geht und die Betrachter:innen irritiert? 1911 wurde das Bild sogar von einem im Louvre tätigen Glaser, einem Italiener, gestohlen und war für zwei Jahre verschwunden. Der Dieb wollte es an die Uffizien in Florenz für damals 500.000 Lire verkaufen, weil er der Auffassung war, dass das Bild des italienischen Genies Leonardo DaVinci nach Italien gehöre. Dass der französische König Franz I das Bild rechtmäßig vom Maler selbst kaufte, ließ er dabei außer acht.

Diese Geschichten können wir unseren Kindern direkt vor dem reichlich restaurierten Gemälde kaum erzählen, denn von hinten drücken die Leute. Es ist etwas stressig, aber die leicht schelmisch blickenden Augen und das einmalige leicht schiefe Lächeln dieser mehr als fünfhundert Jahre alten ungelifteten alterslosen Frau ohne Extensions ist den Stress allemal wert. Vielleicht haben wir irgendwann im Prado mehr Zeit unseren Kindern die mutmaßliche Gattin eines Florentiner Stoffhändlers zu zeigen, wo ihre älteste Kopie aus der Werkstatt Leonardos hängt.

Zum Schluss schauen wir kurz bei den Fundamenten des Louvre, der vor Versailles das Zuhause der französischen Königsfamilie war, sowie in der ägyptischen Sammlung vorbei bevor wir vom Museumspersonal bereits um 18 Uhr (why?) hinauskomplimentiert werden.

Galerie Rue de Rivoli 59

Nicht weit von der Bourse de Commerce und mitten zwischen Geschäften wie H&M, C&A, Zara und Sephora in der Shoppingstraße Rue de Rivoli sticht ein buntes Haus hervor, das von zahlreichen Künstler:innen als Galerie und Werkstatt genutzt wird und kostenfrei besucht werden kann. Tickets kann man vorher nicht reservieren, man kann einfach hingehen. Über Spenden am Eingang freut man sich natürlich.

Einst residierte in dem Haus in der Rue de Rivoli 59 eine Bank, danach stand es leer, wurde vom Künstler:innen besetzt, die inzwischen darin legal hier leben. Ein ehemaliger Bürgermeister hat ihnen das Haus um das Jahr 2006 herum überschrieben. Es gibt Kunst ganz unterschiedlicher Art (selbst im Treppenhaus) zu bewundern. Man kann sogar bei der Entstehung zusehen (auch spannend für Kinder) und falls gewünscht auch etwas kaufen. Die Künstler:innen stehen auch gerne für Fragen zur Verfügung. Wir finden das Haus sehr sehenswert und erinnert uns an eine Mischung aus dem ehemaligen von Künstler:innen bespielten Tacheles und der Streetart Galerie The Haus in Berlin.

Die Galerie steht von Dienstag bis Sonntag zwischen 13 und 20:30 Uhr offen. Es kann beim Einlass zu Wartezeiten kommen. Mehr Infos gibt es hier.

Eiffelturm

Eigentlich sollte der Eiffelturm 20 Jahre nach der Weltausstellung, also spätestens 1909, wieder abgerissen werden. Zum Glück hat man es sich anders überlegt.

Was wäre eine Reise nach Paris ohne den Besuch des berühmtesten Turms der Welt?

Keine Frage, sie wäre unvollständig. Unsere Kinder wollen unbedingt da rauf! Schließlich sehen sie das 330 Meter hohe Bauwerk auch quasi von überall her in der Stadtteil. Verrückt sich vorzustellen, dass das Ding zuerst alle total blöd fanden als Monsieur Eiffel es ihnen anlässlich der Weltausstellung Ende des 19. Jahrhunderts in die City klotzte, um zu zeigen, was er aus Eisen so schönes bauen kann. Aber es dauerte ja nicht lange bis die Pariser:innen total hin und weg von ihrem Türmsche waren. Kein Wunder, sieht das Ding doch von überallher anders und beeindruckend aus.

Da wir keine online Tickets bekommen hatten, versuchten wir abends gegen 18:30 Uhr unser Glück direkt beim Eiffelturm im 7. Arrondissements der Pariser Innenstadt am nordwestlichen Ende des Champ de Mars und schafften es doch glatt Kombitickets zu ergattern. Das ganze hatte allerdings einen mittelgroßen Haken in Form einer Sporteinlage für uns: Nicht nur das mir verhasste Schlangestehen, nein auch noch nebenbei 745 Stufen hochlaufen in den zweiten Stock und dann erst weiter hoch mit dem bequemen Fahrstuhl! Im Treppenhaus ist es noch ziemlich leer und die Stufen treten sich rasch weg. Aber oben im Fahrstuhl wird es dann ziemlich eng. Wir setzen uns vorsichtshalber FSP2 Masken auf und rücken zusammen. Oben bemerken wir dann erst richtig wie weit OBEN wir eigentlich sind, so klein sind die Häuser und Brücken unter uns. Oh la la! Den angebotenen Champagner mit Kaviar brauchen wir gar nicht, um an der frischen Luft trotz der vielen Touris um uns herum happy zu sein. Die Aussicht belohnt uns für die vielen Stufen! Auf dem Rückweg und damit auch die letzten beiden Etagen per Pedes zittern uns die Beinchen vor Anstrengung.

Pariser Freiheitsstatue

Kein Mainstreamziel: Für mich ehrlich gesagt völlig neu und eine schöne Entdeckung auf dem Weg vom Eiffelturm zurück zu unserer Homebase fanden wir auf einer der Ile de Cygnes auf der Seine als wir über eine Brücke heimwärts radeln. Das nur 11,50 Meter klene Modell für die größere New Yorker Version der Freiheitsstatue wurde in Paris erprobt. Insgesamt gibt es in Paris fünf Freiheitsstatuen zu bestaunen.

Versailles

Zum Ende noch ein „once in a lifetime“ Highlight! Versailles, das etwa 80.000 Einwohner:innen zählende Städtchen, liegt idyllisch umgeben von ausgedehnten Wäldern und nur etwa 20 Kilometer von Paris entfernt. Mit der Bahn ist Versailles gut erreichbar. Wir hingegen parken mit unserem Wohnmobil auf einem Parkplatz (um die 4€ pro Stunde) unweit vom Schloss, weil wir den Ausflug so legen, dass wir danach Richtung Berlin zu düsen können, wo mit dem Schloss Charlottenburg ein etwas bescheideneres Habitat liegt.

Davon, dass an der Stelle des heutigen Barockschlosses ursprünglich mal ein kleines Jagdhaus stand, das zu einem größeren Jagdschloss ausgebaut wurde und verfiel, erinnert uns vor Ort heute nichts mehr. Vor lauter Prunk und Protz der riesigen Schlossanlage de Sonnenkönigs fällt es mir auch in meiner Fantasie schwer mir das vorzustellen. Selbst Erdagan und Putin würden hier neidisch, ich schwöre.

Booom, schackalacka und jetzt kommst du: Mit 2.300 Zimmern auf einer Fläche von 721.206 Quadratmetern soll das Schloss von Versailles wohl das größte der Welt sein. Mein Mann erzählt zwar etwas von einem größeren Schloss in Rumänien aber davon habe ich bisher noch nichts gesehen.

Dabei hatte LUDWIG XIV. es im damaligen Louvre-Palast, dem heutigen Louvre-Museum in Paris, wo er vorher lebte, auch nicht schlecht. Aber warum nicht noch fetter, wenn man es mit den Steuern der armen Bauern nicht finanzieren kann?

Als er Mitte zwanzig war, ließ es der junge und meiner Meinung nach etwas größenwahnsinnige Ludwig in Versailles zu seinem Regierungsantritt 1661 richtig krachen und ein imposantes und kostspieliges Schloss als Zeugnis seiner absoluten Herrschaft erbauen damit auch jeder Idiot kapiert, dass er der aller*** unter der Sonne ist.

Nicht weniger als zeitweise bis zu 30.000 Arbeiter und 6.000 Pferde waren nötig um den Bau zu ermöglichen. Damit hat er sicherlich alle Pharaos mitsamt ihren Pyramiden in den Schatten gestellt. Umgerechnet etwa 100 Millionen Euro, etwa 25 Millionen Livre, das damalige Jahreseinkommen der Krone, hat das Schloss an Geld verschlungen. Dabei wurde beim Bau sparsam vorgegangen, in Friedenszeiten wurde die Armee beim Bau herangezogen, es gab zahlreiche Tote und Verletzte, was sich dann auch an der Bauqualität rächte. Teilweise sank das Schloss in dem feinen Sand ein, Kamine zogen nicht richtig, die Fenster schlossen nicht, so dass es im Winter sehr ungemütlich wurde. Sanitäranlagen gab es so gut wie keine. Dafür sollte die Show funktionieren: An Gold, Spiegeln, Stuck, Seidentapeten, Deckengemälden und sonstigen teuren Zierrat wurde nicht gespart, so viel kann sogar ich erkennen. Außerdem wurden systematisch Menagerien für verschiedene Tierarten angelegt, die später zum Vorbild für Zooologische Gärten wurden. Auch wissenschaftliche Experimente fanden statt, was man auch anhand eines ausgestellten Gemäldes erkennen kann, auf dem beiläufig drapiertes Werkzeug abgebildet ist. Zum Unglück unserer Kinder wird im Schloss leider kein aristokratisches Spielzeug ausgestellt, obwohl an die 19 Kinder dort auf die Welt kamen.

Um sich das gesamte Schloss, die weiteren und später errichtetem Gebäude wie „Grand Trianon“ und „Petit Trianon“ sowie die barocke Parkanlage mit seinen vielen Brunnen und 75.000 Bäumen, inklusive dem künstlichen Weiler im Stil eines normannischen Dorfes von der später geköpften Marie Antoinette anzusehen, kann sich man sicherlich mehrere Tage Zeit nehmen. Wir haben leider nur einen viertel Tag zur Verfügung, was in Anbetracht des Ausmaßes des ganzen lächerlich erscheinen mag. Deshalb begnügt sich unser Besuch nur auf das Schloss und einen Teil des Parks, den wir mit einem Golf Caddy abfahren. Ich hätte ehrlich gesagt vorher nicht gedacht, das ich jemals zum Besuch eines Parks eine solche Rentnerkarre besteige, aber auch ich lerne nie aus. Der ab 24 Jahren fahrbare Untersatz ist wirklich praktisch, was sag ich, tagesrettend, um die Kinder bei Laune zu halten und um zwischendurch einen Stopp im Café oder für eine Tour mit dem Ruderboot auf einem großen künstlichen royalen Gewässer zu unternehmen. Die befahrbaren Routen sind vorgegeben, wenn man Sehenswürdigkeiten außerhalb des Rundwegs besuchen möchte, muss man anhalten und aussteigen. Bis zu vier Personen haben darin Platz. Pro Stunde kostet es königliche 39 Goldtaler und jede weitere Viertelstunde etwa 9€. Aber entre nous, man ist ja auch nicht alle Tage zu Gast im Reich des Sonnenkönigs, n‘est ce-pas?

By the way: Die Eintrittstickets sind unbedingt im Vorhinein online zu kaufen. Die Preise variieren jenachdem, ob an dem Besuchstag Brunnenshows stattfinden oder nicht.

Reiseführer

In diesem Jahr ist im DuMont Verlag dieser Reiseführer erschienen.

Stadtfrei: Familienabenteuer in der Natur

Wohnst du auch in einer (Groß)Stadt? Wenn ja, dann kennst du sicherlich die Vor- und Nachteile vom Stadtleben. Ich kann auf jeden Fall ein Lied davon singen. Ich bin ein seltenes Exemplar von Urberlinerin, das heißt ich bin in Berlin geboren und habe immer hier gelebt, geliebt und gearbeitet und viel Spaß dabei gehabt und habe ihn noch immer. Aber es gibt so Momente, in denen ich auch mal eine Pausetaste drücke und wir uns im Garten austoben oder mit unserem alten Wohnmobil raus aufs Land zuckeln. Fernab der Großstadthektik können wir als Familie dann richtig schön runterkommen. Für Familien mit Kindern, die einmal raus aus der Stadt und rein in die Wildnis möchten, gibt es zum Beispiel richtig tolle Angebote von Stadtfrei. Bisher hatte Stadtfrei allerdings nur Angebote für Väter mit Kindern. Ziemlich schade für Mamas. Ob sich daran mittlerweile etwas geändert hat, verrät uns die liebe Nicole Sachse-Handke in diesem Interview!


Stadtwaldkind: Hallo Nicole, wir kennen uns jetzt schon seit 2007, huch das ist schon eine lange Zeit. Uns verbindet die Kultur, aber seit ein paar Jahren auch unsere Leidenschaft für Outdoor-Erlebnisse. Du hast gegründet, Nicole. Stadtfrei heißt eure gemeinnützige Genossenschaft. Dort bist Du für Presse und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich und bist seit diesem Jahr qualifizierte Teamerin für Camps. Was macht ihr denn? Stadtfrei, das klingt für mich Großstädterin ja so nach Urlaub?
NSH: Ja, da liegst du richtig, Wir schaffen wir attraktive Angebote in der Berliner und Brandenburger Natur für Eltern und ihre Kinder. Frei nach dem Motto: Raus aus der Stadt und rein ins Abenteuer verschrieben.

Stadtwaldkind: Ich hatte schon früher mal in euer Programm geschaut, aber da hattet ihr aber nur Angebote für Väter. Gibt es denn auch Familien- oder Mutter-Kind-Camps?
NSH: Im letzten Jahr haben wir viel positives Feedback für unsere Stadtfrei-Arbeit bekommen. Uns haben aber auch viele Fragen und Wünsche. Die scheinbar interessanteste war dabei genau deine Frage: Wann gibts denn endlich Familien- oder Mutter-Kind-Camps? Bisher hatte Stadtfrei nur männliche Teamer. Das liegt daran, dass Stadtfrei aus der Initiative Männerjob – eine Initiative für Väter und Kinder entstanden ist. Wir haben auch 3 Teamerinnen, die in den letzten Monaten verschiedene Qualifizierungen durchlaufen haben. Neben der Erste Hilfe Outdoor und einer Kinderschutzfortbildung, gehört auch die Rote Karte und ein erweitertes Führungszeugnis dazu.


Stadtwaldkind: Was ist denn, wenn ich nicht soviel Zeit oder Geld habe und trotzdem der Stadtgewusel entfliehen möchte?
NSH: Dann kannst du einfach zu unseren kostenfreien Ein-Tages-Aktionen kommen. Wir starten am 2.4. mit der Aktion Erste-Hilfe-Fahrrad. Und dann gibt es noch Imkern, Walderleben, Bogenschießen, Räucherwerk und Baumschlagen.

Stadtwaldkind: Ich habe auch gesehen, ihr habt am 8. Oktober eine Aktion, die heißt Stadtfrei für alle? Ein Erlebnistag für Mütter, Väter und ihre Kinder. Was habt ihr geplant?
NSH: Ohja, alle sind eingeladen sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen. Es gibt reichlich Zeit zum Spielen für die Kinder und mit den Kindern, Musizieren und Toben. Er kann nach Regeln gerauft, mit dem Bogen geschossen, musiziert oder einem Bilderbuchkino gefolgt werden. Auf jeden Fall werden die Fotos/Videos der vergangenen Camps und Aktionen präsentiert. Zum Abschluss wird natürlich über dem Lagerfeuer Stockbrot gebacken oder auch das eine oder andere Würstchen gegrillt.

Stadtwaldkind: Das heißt ihr habt jetzt auch Angebote speziell für Mütter?
NSH: Ja, wir veranstalten vom 17.-19.6.2022 unser erstes Mutter-Kind-Camp für Mütter mit Kindern von 5 bis 9 Jahren. Musik & Yoga in wilder Natur. Wir kommen auf dem Gelände der Neuen Mühle Dahmetal unter. Der gesamte historische Hof ist umringt von wild-romantischer Natur. Man kann im eigenen Zelt übernachten oder in einem der Bauwagen.

Stadtwaldkind: Machst du das Camp?
NSH: Ja, im Tandem mit einer ausgebildeten Kinderyogalehrerin. Ich freue mich, mit den Kindern und Mütter auf musikalische Fantasiereise zu begeben. Ich begleite aber auch noch eines der beiden neuen Familien-Camps DER LAUF DES WASSERS – Ein Paddelabenteuer für Mütter/Väter und Kinder am 14.7.-17.7.2022.

Stadtwaldkind: In den letzten Jahren gibt es immer mehr solcher Erlebnis-Angebote. Was ist denn bei euch anders?
NSH: Nun, wir sind ein kleines Team mit ganz verschiedenen Temperamenten, wir leben alle in ganz verschiedenen Familienkonstellation und wir lieben es Zeit mit der Familie in der Natur zu verbringen. Wir glauben außerdem ganz fest daran, dass das gemeinsame Erlebnis nachhaltig die Verbindung zwischen Eltern und ihren Kindern stärkt und damit eine aktive Elternschaft unterstützt. Elternschaft verändert sich. Eltern haben heute ja ein ganz neues Selbstverständnis.

Stadtwaldkind: Ich verstehe, mir scheint eure Angebote haben eine ganz persönliche Note. Verdient ihr mit den Angeboten euren Lebensunterhalt?
NSH: Nein, unsere Teamer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Wir haben das Glück durch einige Partner finanziell unterstützt zu werden, wie AktionMensch, der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, das Jugendamt und den evangelischen Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, der Vielfarb Social gGmbH Berlin & Brandenburg und Kinder brauchen Matsch, einer Aktion der Evangelischen Auferstehungsgemeinde.

Stadtwaldkind: Was empfiehlst du, wenn die Kinderbande unausstehlich wird?
NSH: Raus in die Natur und freihaben von der Stadt. Komm mit 😉

Na, neugierig geworden? Mehr Infos zum Stadfrei-Programm gibt es hier: www.stadtfrei.de



Urlaubsplanung 2022 mit dem Wohnmobil, Camper oder Wohnwagen

wohnmobil camper fit für die reise machen

Vorfreude ist die schönste Freude



Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht, aber sobald das neue Jahr beginnt und es draußen noch grau und kalt ist, ist es für uns an der Zeit, uns an die Urlaubsplanung zu machen. Wann wollen wir vier mit Gipsy II, unserem Wohnmobil, wohin reisen? Planen macht einfach Spaß und außerdem beginnt mit den Reisezielen und -vorbereitungen auch die Vorfreude.



Status quo

Momentan hält unser Wohnmobil noch Winterschlaf in einer Scheune auf dem Land (trocken stehen ist schonender fürs Wohnmobil) und träumt vermutlich noch von unserem letzten Urlaub durch Italien im Sommer 2021. Doch die Wochenenden Zuhause sind gezählt und wir freuen uns darauf, bald die Wohnmobilfahrertür aufzuschließen, einzusteigen und mit unseren Kindern auf Reisen zu gehen.

Doch bis es so weit ist, haben wir noch ein paar To Do’s auf unserer Liste. Wenn das Wohnmobil in einer Scheune oder gar draußen auf der Straße stand, gibt es vorher noch einiges zu tun. Vor der ersten Fahrt werden wir unser temporäres Heim auf vier Rädern gründlich durchchecken müssen. Wenn man weiß, was zu tun ist, stellt das aber kein Problem dar.



Unsere Wohnmobil-Vorbereitungs-Checkliste für die nächste Tour

camping im sommer

Vorne weg zum Zeitumfang: zwei bis vier Wochen vor Urlaubsbeginn sollte mit den Vorbereitungen begonnen werden. Ansonsten gerät man in Stress, falls unerwartete Probleme auftreten (z.B. Batterie ist defekt oder TÜV ist abgelaufen). Bei Verti gibt es aktuell eine Wohnmobilversicherung ab 20,90 Euro pro Monat. Du kannst Deinen Camper bei Verti versichern und auf der übersichtlichen Website den genauen Preis erfahren, indem Du zuerst im Preisrechner ein paar Angaben zum Gefährt macht.



Die Außenwäsche

oldtimer camper

Zur Auswahl stehen Wohnmobil-Waschanlagen (die aggressiven Reinigungsmittel und kräftige Waschborsten der LKW-Waschanlagen sind für den sensiblen Wohnmobilaufbau nicht geeignet) oder Handwäsche. Es geht los beim Dach, das bei an der Frischluft stehenden Gefährten durch Laub sehr dreckig wird. Schaut dabei gleich nach, ob Feuchtigkeitsschäden am Aufbau entstanden sind. Putzt das Wohnmobil von oben nach unten weiter. Hochdruckreiniger sind hilfreich, aber aufgepasst bei Dichtungen und Kühlschrankgittern damit ihr sie durch zu hohen Druck nicht beschädigt.


Die Innenreinigung



Hier heißt die Devise schlicht und einfach aussortieren und entscheiden, welche Utensilien für die kommende Reise wirklich benötigt werden. Wer nach dem letzten Urlaub direkt aufgeräumt hat, ist jetzt im Vorteil. Danach geht es an Putzlappenschwingen. Ein Mikrofasertuch und ein desinfizierender Reiniger reichen um Möbel, Kochzeile und Nasszelle sowie Wassertanks, den Gaskasten, die Heizung und den Kühlschrank hygienisch sauber zu bekommmen. Dabei sollten die Fenster und Türen geöffnet und möglichst wenig Putzwasser verwendet werden, um Feuchtigkeit und Schimmelbildung zu vermeiden.




Checkliste für die Verkehrssicherheit nach dem Winterschlaf

camping in südtirol


Beginnen wir mit den Pflichtterminen, die unbedingt eingehalten werden müssen, weil sie auch wichtig für unsere Sicherheit sind.

TÜV- und Abgasuntersuchung: Das Nummernschild verrät, wann das Gefährt fällig ist. Wohnmobile bis 3,5 Tonnen sind alle zwei Jahre, größere jedes Jahr dran. Müssen die Plakette vor der Abfahrt noch erneuert werden?

Gas-Check: Alle zwei Jahre müssen die Gasanlage inklusive Tanks, Dichtungen und Schläuche von einem Sachverständigen überprüft werden.

Reifencheck: über die Wintermonate verlieren die Reifen an Luft – jetzt heißt es, nachfüllen (auch das Reserverad). Wie viel Bar welche Reifen benötigen, steht im Fahrzeug-Handbuch. Zwei Tage und eine Woche später sollte noch einmal der Reifendruck kontrolliert werden. Sind trotz Nachfüllens mehr als 0,1 Bar entwichen, ist das ein Hinweis auf einen undichten Reifen. Schaut Euch auch die Profiltiefe an, eventuell müssen neue Reifen angeschafft werden.

Bremsanlage und der Beleuchtung: Funktionieren Fuß- und Feststellbremse, Bremslichter, Abblendlicht, Rücklicht, Rückfahrlicht, Fernlicht und Nebelscheinwerfer? Sind Unterlegkeile für abschüssige Parkplätze mit an Bord?

Unterboden: Gibt es dort Rost oder Schäden? Fahrten über unbefestigtes Gelände greifen den Boden an, Wetter und der Zahn der Zeit verursachen Rost.

Füllstände: Sind Scheibenwischwasser, Kühlwasser und Motoröl ausreichend? Vor dem Wildcamping sollten auch die Wassertanks vor der Abfahrt durchgespült,, gefüllt und auf Dichtigkeit kontrolliert werden. An vollen Gasflaschen darf es natürlich auch nicht fehlen.

Geräte an Bord: Machen Kochfeld und Heizung noch das, was sie sollen? Kühlt der Kühlschrank richtig? Müssen die Dichtungen der Cassettentoilette ausgetauscht werden?

Strom bzw. Bordbatterie: Nach Abschluss der Vorbereitungen startet zu guter letzt das Reisemobil und macht eine kleine Probefahrt. Funktioniert der Anlasser und macht die Lichtmaschine ihre Arbeit? Machen Blinker, Brems- und Standlicht ihren Job?

Ausstattung: Hat man die Liste abgehakt, überlegt Euch, was an Werkzeugen oder Utensilien für den bevorstehenden Urlaub noch benötigt wird. Wir finden jedes Jahr neue Dinge, die wir an Gipsy II optimieren können. Da wir zum Beispiel keine Klimaanlage haben und gerne in südliche Länder fahren, wo es sehr warm werden kann, haben wir uns zum Beispiel ein Tarnnetz gekauft, das wir oben oder seitlich befestigen können, so dass die Sonne nicht direkt aufs Wohnmobil knallt. Außerdem haben wir Stoff mit UV-Reflektionen bestellt, den wir außen an die Fenster befestigen. Natürlich haben wir unsere Fenster innen solche Rolos, aber am besten ist es, wenn die Hitze erst gar nicht hinein gelangt. Diese Maßnahmen verbessern das Raumklima, ohne dass dafür Strom verbraucht wird. Den Trick haben wir von einem Surfer in Griechenland abgeguckt. Aber es können auch Kleinigkeiten in der Küchenausstattung sein, die nachgerüstet werden müssen.

camping in südtirol



Wohnmobilreise durch Italien

Wer meinen Blog kennt, weiß, dass wir uns vor etwa sechs Jahren einen damals circa 25 Jahre alten MB100 mit Karmanaufbau zugelegt haben. Nachdem wir etwa ein halbes Jahr später unser Oldtimer-Wohnmobil repariert und schön hergerichtet hatten, wobei wir damit nie fertig werden und immer noch weiter ausbessern, ging es los mit der Reiserei und hört seitdem nicht mehr auf. Mittlerweile haben wir mit unserem MB100 stolze 36.000 Kilometer zurückgelegt und damit die Erdkugel zu 2/3 umrundet. 

In diesem Sommer haben wir eine dreiwöchige Tour durch Italien unternommen. Italien haben wir bereits mehrfach auf der Durchreise nach Korsika oder Griechenland besucht. Durch meine circa ein Dutzend früheren Italienreisen mit meinen Eltern und meinem Bruder ist Italien schon immer mein Sehnsuchtsland. Ich liebe den Klang der Sprache, das Klima, das Essen, die Eiscreme, den Wein, die Strandbuchten, die Altstädte, die Kultur und die über 2.500 Jahre zurückliegende Geschichte der Italiener! Wenn ich allein schon die schlanken Zypressen, die hohen Pinienbäume sehe oder salziges Meerwasser rieche, denke ich schon sofort an Italien. Kurzum, bis auf die Mafia, den Autoverkehr und das Fahrverhalten der Italiener, mag ich so ziemlich alles an diesem Land auf der Apenninen-Halbinsel. 

Unsere Reiseroute nach Italien- eine Reise ins Land der Pizza, Eiscreme und mehr

Von unserer Heimatstadt Berlin ging es zuerst über Bayern nach Südtirol, dann zum Gardasee, für einen kurzen Zwischenstopp nach Parma in der Emiglia-Romana und anschließend weiter zum Meremma Meer an der toskanischen Mittelmeerküste. Von dort aus machten wir einen kurzen Abstecher nach Rom. Auf dem Rückweg fuhren wir in nördliche Richtung hoch in den Parco Naturale Monte San Bartolo südlich von Rimini an der Adriaküste. Danach stoppten wir wieder in Südtirol. Unser letzter Halt war in Thüringen.

Grundsätzlich buchen wir nie einen Campingplatz im Voraus. Wir legen uns zwar eine grobe Reiseroute fest, wollen dabei aber zeitlich flexibel bleiben. Bisher sind wir damit auch bis auf sehr wenige Ausnahmen immer gut gefahren. In diesem Urlaub war keiner der Campingplätze überfüllt. Allerdings hatten wir in Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern auch recht früh Sommerferien, wobei die Italiener bereits seit Anfang Juni Ferien hatten und entsprechend schon am Umherreisen waren.

Familienkompatibles Reisen

Insgesamt war es eine sehr abwechslungsreiche Reise, die sowohl Erholung als auch Sightseeing beinhaltete. Da unsere Kinder an solche Trips bereits seit sechs Jahren gewöhnt sind, war es kein Problem für sie. Wichtig für sie ist nur, dass sie im Wohnmobil Musik oder Hörspiele hören können und wenn wir auf einem Campingplatz sind (fast) immer einen Pool oder das Meer in der Nähe haben, um reinzuhüpfen. Die Stadtspaziergänge durch Parma und Rom waren aufgrund der sommerlichen Hitze natürlich etwas anstrengend für sie. Aber mit Pausen, kalten Getränken, Eis und Pizza war es auch für sie gut auszuhalten.

Nachdem wir vier uns jeweils einem Corona-Schnelltest unterzogen haben, erhalten wir nur 20 Minuten später per Mail unsere negativen Testergebnisse. Juhu, unserem Italienurlaub steht also nichts mehr im Weg! Mit Ferienbeginn geht es in Berlin und Brandenburg zwar etwas schleppend voran. Aber wir sind eben nicht die einzigen, die endlich wieder verreisen wollen. 

Azur WaldCamping Auwaldsee

Unseren ersten Stopp machen wir nach 540 Kilometern am frühen Abend im bayerischen Ingolstadt. Der Azur WaldCamping Auwaldsee liegt nah an der Autobahn, was wir aber kaum hören. Zwar lädt der See kaum zum Baden ein, aber dafür ist der weitläufige Platz super grün, so dass wir problemlos eine schönen Stellplatz für uns finden. Kaninchen hoppeln aus den Büsche, um zu sehen, was die Berliner auf ihrem Platz treiben. Die Kinder drehen auf einem Kettcar ein paar Runden auf dem Platz während mein Mann und ich Brötchen für Frühstück vorbestellen und das Abendessen vorbereiten. Das Restaurant am Platz hat wegen eines Krimi-Dinners leider für normale Gäste wie uns keinen Platz mehr frei.

AZUR Waldcamping am Auwaldsee (Ingolstadt), Am Auwaldsee 1, 85053 Ingolstadt, https://www.azur-camping.com/

Camping Gretl am See, Kaltern in Südtirol

Am nächsten Tag rollen wir vollgetankt und mit einer Vignette versehen non-Stopp durch Österreich hindurch. Nach 410 Kilometern erreichen wir am Südtiroler Kalterer See bzw. Lago di Caldaro endlich unser nächstes Etappenziel. Die Gemeinde Kaltern befindet sich circa 14 Kilometer südlich von Bozen. Wir kennen die Westseite mit St. Josef am See bereits von unseren vorigen Wohnmobilreisen wie zum Beispiel nach Korsika oder die Peleponnes. Kaltern ist zwar sehr touristisch aber der Ausblick auf die Landschaft bestehend aus dem steil aufragenden Mendelkamm, der Burgruine Leuchtenburg, sanft aufsteigenden Weinrebenhügeln und einem der größten Seen Südtirols mit einem langen Schilfgürtel in dem zahlreiche Zugvögel rasten, sind es uns jedes Mal wieder wert uns hier aufzuhalten. Außerdem gibt es nahe dem Campingplatz einen sehr gut sortierten kleinen Supermarkt, Eisläden, Restaurants, Bars und Tretbootverleihe. 

Jedoch sind wir zum ersten Mal auf dem Campingplatz Gretl am See, weil wir dieses Mal länger als eine Nacht hierbleiben möchten. Wir bekommen einen leicht schattigen Stellplatz in der Mitte. Es ist recht eng und man hat weniger Privatsphäre. Dafür gibt es einen direkten Zugang mit Steg zum Kalterer See an dem sich viele fette Karpfen tummeln und ein kostenfreies schönes Schwimmbad mit Liegen zum Ausleihen gleich nebenan. Wir finden, diese Vorteile überwiegen und Urlaubsfeeling macht sich bei uns breit. Abends feiern wir unsere Ankunft in Italien mit einem Hugo und Appetizers für uns Erwachsene und Bananaspliteis für die Kinder auf der Terrasse des Restaurants von Gretl am See. 

Den ersten Tag verbringen wir mit einer familieninternen Geburtstagsfeier sowie auf einem Tretboot mit Rutsche (dieser USP liegt unseren Kindern sehr am Herzen). Den Vormittag und Mittag haben wir den 1,47 Quadratkilometer großen See fast für uns allein und veranstalten wilde Sprung- und Rutschwettbewerbe ins recht warme Wasser. Unsere Jüngste zieht Runde um Runde ums Tretboot um sich für den Urlaub richtig warmzuschwimmen. 

Abends speisen wir mit Blick auf den See im Restaurant Geier. Zum Glück hatten wir am Vorabend für eine frühe Uhrzeit reserviert, ansonsten hätten wir keinen freien Tisch mehr bekommen. 

Am nächsten Tag werfen wir unser mitgebrachtes Standup Board auf den spiegelglatten See und erkunden die kleinen Einbuchtungen. Nachmittags wird es sehr windig, so dass wir vom Steg aus die kühnen Luftsprünge der Kite- und Windsurfer beobachten können.

Camping Gretl am See, S. Giuseppe al Lago, 17, 39052 Seestrasse BZ, Italien, http://www.camping-gretl.it

Camping Sirmione am Gardasee

Nach drei Nächten brechen wir in südliche Gefilde auf. Die nur 156 Kilometer entfernte Halbinsel Sirmione an der Südseite des größten Sees Italiens, dem Gardasee bzw. Lago di Garda in der Lombardei, ist unser nächstes Urlaubsziel. Hier im Süden des Sees herrscht quasi Mittelmeerklima. 

Wir checken auf dem 3,4 Hektar großen und sehr schön gelegenen Camping Sirmione ein. Es ist noch ziemlich leer als wir ankommen. Von einigen Stellplätzen und den drei Swimmingpools aus hat man einen tollen Blick auf den See. Je nach Körpergröße kann man sich in einem der sehr neu aussehenden Pools erfrischen. Leider gibt es kaum Schattenplätze und bis auf zwei bis drei Bänke auch keine Sitzplätze rund um die Pools.

Die Uferpromenade und eine 150 Meter lange Liegewiese mit Badesteg befinden sich direkt am Rand des Platzes. Am Steg kann man Motorboote mieten oder einfach nur sein Standup Board oder Badetiere aufs Wasser werfen, so wie wir es handhaben. Gleich am Campingplatzausgang am Seeufer gibt es ein Restaurant, ein kleines Geschäft mit Badeutensilien und einen Minimarkt unter anderem mit frischen Brötchen, den nötigsten Lebensmittel und Zeitungen. Im Sanitätsgebäude gibt es auch eine Kinderdusche und Toilette.

Der nicht besonders sehenswerte Ort mit zahlreichen austauschbaren Neubauten, Supermärkten, Geschäften, Hotels, Bankautomaten, zahlreichen Cafés und Restaurants sowie Bushaltestellen ist fußläufig erreichbar. Der Campingplatz sowie auch der Ort versprühen zwar noch einen 80er Jahre Charme, aber dafür ist es insgesamt recht ruhig und familienfreundlich, so dass wir drei Nächte bleiben. 

Camping Sirmione, Via Sirmioncino, 9, 25019 Sirmione BS, Italien, http://www.camping-sirmione.it

Castello Scaligero

Mit dem Bus (Tickets am Automaten kosten jeweils 1,- Euro) sind es nur wenige Minuten bis zum Ende der Halbinsel, wo wir über eine Brücke das malerische Castello Scaligero aus dem 13. Jahrhundert und die hübsche Altstadt von Sirmione erreichen. Von den Zinnmauern und drei Türmen aus schauen einige Besucher zu uns hinab. Die Wasserburg ist eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen am Gardasee und wird quasi vom See umspült.  Enten und Schwände drehen gemächlich ihre Runden um die Burg während die Touristen vor der Burg Schlange stehen. Uns zieht es dennoch mehr in die Altstadt sowie noch vielmehr zu einer ehemaligen römischen Villa sowie zu einer am Gardasee einmaligen Badestelle, weshalb wir auf eine Burgbesichtigung ausnahmsweise verzichten.

Castello Scaligero, Piazza Castello, 34, 25019 Sirmione, https://museilombardia.cultura.gov.it

Die Grotten des Catull – Römervilla in Sirmione

Mit einem riesigen Eis in der Hand spazieren wir rechts an der Burg vorbei in Richtung Gardasee und werfen von dort aus einen Blick auf die Uferpromenade, die weiter in nördliche Richtung führt. Wir laufen ein Stück durch die bunte und touristisch sehr beliebte Altstadt bevor wir an der östlichen Uferpromenade die Badestellen und den Badesteg des imposanten Villa Cortine Palace Hotel passieren und nach einem kurzen Anstieg durch einen mit Olivenbäumen bestandenen Park ein Plateau erreichen. Von dort aus geht es zur nächsten Sehenswürdigkeit: die Grotten des Catull, ein absolut besuchenswertes Freiluftmuseum. Es gibt auch ein dazugehöriges Indoor Museum, das wegen der Pandemie allerdings geschlossen ist. Das ist aber insofern nicht schlimm, weil allein schon die Ruinen der Villa ein Highlight darstellen.

Davon ist hier die Rede: An der Inselspitze von Sirmione liegen die Ruinen eines großen römischen Landhauses aus dem 2. Jahrhundert, die so genannten Grotten des Catull. Catull war ein berühmter Dichter, der hier angeblich gelebt haben soll, was mittlerweile aber widerlegt wurde. Als Grotte wird die ehemalige Römervilla übrigens erst bezeichnet, seitdem sie aufgegeben wurde. Vorher musste die Villa wohl ein grandioses Spa und Ferienhaus in einem gewesen sein, so verraten es die überall angebrachten Informationstafeln. Alles also etwas verdreht. Aber egal, die Grotten haben ihren Namen nun weg.

Kunstvolle Freskenreste und wunderschöne Mosaike deuten auf die prachtvolle Ausstattung des einstigen mehrstöckigen und aus mehreren Gebäudeteilen bestehenden Anwesens hin. Noch immer werden neue Details freigelegt, denn während unseres Besuchs in der Mittagshitze arbeiten Archäologen unermüdlich mit Pinseln am Boden. Riesige Steinblöcke liegen wie zufällig dorthin gestoßene Billardkugeln herum, die einst den Wohnbereich, auch als Halle der Riesen bezeichnet, stützten. Im nordöstlichsten Bereich der Villa erreichten die Fundamente die maximale Höhe von über sechs Meter über dem künstlich geschnittenen Fels. Romanische Bögen legen wunderschöne Ausblicke auf den leuchtend blauen Gardasee und den mit zarten Wolken durchzogenen Himmel frei. Auf dem Walnussfeld hat man einen wunderbaren Ausblick und kann auf einer Bank im Schatten eines Olivenbaums die Aussicht auf den Gardasee genießen.

Grotten des Catull, Piazzale Orti Manara, 4, 25019 Sirmione BS, Italien, https://museilombardia.cultura.gov.it/musei/grotte-di-catullo-e-museo-archeologico-di-sirmione/
 

Jamaica Beach am Gardasee

Nach dieser wunderbaren Besichtigung sehnen wir uns nach einem erfrischenden Bad im Gardasee. Gleich schrägt hinter dem Einlassbereich der Grotten führt ein Weg hinab zum See. Nachdem wir einen von Liegestühlen umsäumten Strandbarbereich hinter uns gelassen haben, gelangen wir zu einer von Büschen umwachsenen Badebucht, die wegen ihrer weit in den See hinein reichenden hellen Felsplatten wunderschönes türkis farbenes Wasser zaubern und deshalb sehr beliebt sind. Wir finden nach einer kurzen Suche eine Ministelle, an der wir unsere Sachen lassen können, entkleiden uns (Badekleidung hatten wir bereits an) und laufen vorsichtig auf den Felsplatten weit in den See hinein. Wirklich ein lohnenswerter Besuch! 
Zum Abschluss werfen wir uns nochmal ins Altstadtgetümmel von Sirmione und erfrischen uns an einem der schönen Plätze in einem Café.

Jamaica Beach am Gardasee

Peschiera del Garda

Nach unserer Abfahrt vom Campingplatz Sitmione halten wir am Südufer des Gardasees das Städtchen Peschiera de la Garda. Bereits auf dem Hinweg nach Sirmione war uns die Festung von Peschiera del Garda aufgefallen. Sie ist wirklich hübsch und nicht zu unrecht Teil der Unesco Welterbestätte. 

Auf dem kostenpflichtigen Parkplatz kurz vor dem Eingang zur Festung halten wir und dürfen die zahlreichen Stand Up Paddler bewundern, die im Wassergraben die Festung umrunden. Die von Wasser umsäumte Altstadt ist voller Eisläden, Bekleidungsgeschäften (leider recht austauschbare) und Restaurants. Wer also noch rasch ein günstiges Sommerkleidchen, eine Badehose oder einen Bikini braucht, wird hier sicher fündig. So halten auch wir es und kehren nach unserem kleinen Stadtrundgang wieder zum Wohnmobil zurück.

Parma 

Bevor wir die etwas weiter entfernt liegende Mittelmeerküste der Toskana erreichen, machen wir nach nur 106 Kilometern einen Zwischenstopp in der Universitätsstadt Parma in der Region Emiglia-Romana. Hier kommen der berühmte Parmaschinken und der Parmesan her, was man in den Ladengeschäften und auf den Speisekarten der Restaurants nicht übersehen kann. 

Bevor wir uns ins kulinarische Getümmel werfen, parken wir unser Wohnmobil auf einem vermutlich von der Stadt Parma betriebenen Stellplatz namens Area Sosta Camper Parma am Stadtrand. Es ist nicht viel los, als wir auf dem Platz ankommen. Auf diesem, mittels Zaun, Tor und nachts Licht spendenden Laternen gesicherten Platz direkt neben der Autobahn und einem Supermarkt, dürfen wir für eine Nacht stehen. Es gibt Duschen und Toiletten sowie einen super freundlichen jungen Mann, der uns alles erklärt. Der Supermarkt hat von früh morgens bis 21 Uhr und sogar sonntags geöffnet. Der Bus ins Stadtzentrum liegt nur 2 Fußminuten entfernt und bringt uns ganz in die Nähe des Palazzo dem Pilotta, ein Palast in dem sich mehrere Museen, Galerien und Theater, wie die Galleria Nazionale di Parma und das Museo Archeologico Nazionale di Parma befinden. Dahinter trifft sich an der Brunnenanlage die Jugend der Stadt. Wir laufen weiter zum imposanten Teatro Regio di Parma, deren Führungen leider bereits ausgebucht sind und wir somit nur in den Genuss kommen, uns das Foyer anzusehen und einen fernen Blick in den Saal zu werfen. Intuitiv tragen uns unsere Füße zur Piazza Guiseppe Garibaldi von der wir uns in südliche Richtung in die Seitenstraßen bewegen. An Parma fallen mir sofort besonders die Fußgängerzonen mit den sehr individuell und kreativ dekorierten Schaufenstern der Ladengeschäfte sowie die schmalen Seitenstraßen mit kleinen Cafés und Restaurants auf. In einem dieser hübschen Straßencafés machen wir dann auch gerne eine erste kleine Pause.

Nachdem wir uns an den großen steinernen Löwen vorbei gewagt haben, die den Eingang der prachtvollen romanischen Kathedrale Cattedrale Di Parma an der Piazza dem Duomo bewachen, kühlen wir uns im Kirchenschiff etwas ab und zeigen den Kindern die Malkünste, die über unseren Köpfen fast wie in 3D zu uns hinab zu stürzen scheinen. Das achteckige mit Rosa farbene Marmor verkleidete Baptisterium San Giovanni kann man gegen Eintrittsgeld übrigens ebenfalls besichtigen.

Zurück an der Piazza Guiseppe Garibaldi lassen wir uns gegenüber etwas erschöpft von dem Stadtspaziergang und der Hitze in einen der stählernen Sessel des Cafés direkt vor dem Palazzo del Governatore fallen. Hier erfrischen wir uns mit einem Aperitif und eine Vorspeise, bevor zum Restaurant unserer Wahl, der Trattoria Corrieri
+39 0521 234426
, schlendern. Da wir nicht reserviert haben, können wir uns glücklich schätzen, zu einer in Italien noch recht frühen Zeit, nämlich bereits um 18 Uhr hier einzukehren. Ansonsten hätten wir nur noch drinnen einen Tisch bekommen, weil draußen alles bereits reserviert ist. Aber beim Besuch der Toiletten stellen wir fest, dass es drinnen auch sehr gemütlich ist. Wir laben uns an dem Parmaschinken, den verschiedenen Sorten an Tortellini und anderen frischen Nudeln und Parmesan und süßem Nachtisch bevor wir unseren Tisch für die nächsten Gäste räumen müssen. Zurück geht es mit dem Bus zu unserem Stellplatz, wo wir uns alle eine erfrischende Dusche gönnen und groggy ins Bett fallen.

Area sosta camper Parma – Largo 24 Agosto 1942 , 21/A 43121 (PR), https://www.areasostacamperparma.it

Camping Punta Ala in der Toskana

Am nächsten morgen holen wir uns frische Brötchen aus dem Supermarkt nebenan und machen uns fertig zur Weiterfahrt. Wir wollen nun ans Mittelmeer, verlassen den Bauch Italiens und fahren in Richtung Toskana. Carrara, mit seinen abgeschürften Bergrücken und riesigen Freiluftlagern an abgebauten und fertig zum Verschiffen gepackten Marmorblöcken, passieren wir. 

An dem für sein türkisblaues Meerwasser sowie weißen Sandstrand bekannte Bucht von Vada, an der wir vorbei kommen, lassen wir unsere Finger. Direkt hinter dem Strand befindet sich eine aktive Fabrik, die einen Meerzugang zum Meer hat. Das ist uns nicht geheuer, auch wenn sich daran tausende Italiener dem Andrang zur Folge nicht zu stören scheinen. 

Nach 345 Kilometern Autobahn begrüßt uns endlich das Meer! Es nennt sich hier verheißungsvoll Meremma Meer und offenbart sich uns in Form einer circa zehn Kilometer langen fast unbebauten Sandbucht, die sanft zum Meer hin abfällt und mit zahlreichen bunten Tupfern in Form von Sonnenschirmen und spielenden Kindern getupft ist. Dahinter türmt sich ein dichter Pinienwald auf in dem von Sonnenaufgang bis -untergang die Zikaden ihre Hinterbeine geräuschvoll aneinander reiben. 

Gegenüber von Punta Ela schlummert die Insel Elba im Mittelmeer.

Es gibt in Punta Ala zwei Campingplätze. Wir entscheiden uns für den ruhigeren der beiden namens Camping Punta Ala. Der vier Sterne Campingplatz liegt unter hohen Pinienbäumen und bietet recht große Stellplätze mit Privatsphäre. Es gibt noch teurere Plätze, die noch größer als die normalen sind und einen eigenen Wasseranschluss haben. Wir buchen einen normalen Stellplatz circa 50 Meter vom Strand entfernt. Es gibt einen sehr gut sortierten, wenngleich auch etwas teuren Supermarkt mit regionalen Spezialitäten, einer Frischfleischtheke und eine Duschgel- und Shampoonachfüllstation, was ich super finde und zum ersten Mal auf einem Campingplatz so sehe. Hier kann übrigens ausschließlich bargeldlos bezahlt werden. 

Fürs Freizeitvergnügen sorgen neben dem Strand ein Baumkletterpfad, mehrere Spielplätze, ein Fahrradrampenparcours, ein Fitnesspfad, ausleihbare Fahrräder, Windsurfkurse, morgendliche Yogasessions und ein kleines Outdoorkino in dem wir das emotional aufgeladene EM Halbfinale von Italien gegen Spanien mit den italienischen Fans live und hautnah erleben dürfen. Für die Bambini gab es auch einen Gesangswettbewerb mit parallelen Nachtmarkt. Aber dadurch, dass wir weit vorne am Meer standen, bekamen wir von all dem nur dann etwas mit, wenn wir gezielt den Ort aufsuchten. 

In der Nähe von Campingplatz toben Kinder auf einer riesigen Wasserhüpfburg im Meer herum. Fürs leibliche Wohl sorgen ein Restaurant, eine Bar und ein Eisladen. Trotz dieser großen Auswahl an Freizeitangeboten ist der Platz sehr entspannt und ruhig, was an seiner schieren Größe und an der Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr zu liegen scheint. Außerdem dürfen PKWs nur auf einem extra dafür vorgesehenen Campingplatz parken. Durch den dichten Sträucher- und Pinienbewuchs bekommt man von der Weitläufigkeit allerdings weniger mit. Also eine super Kombination. Die einzigen Geräusche sind bei entsprechendem Wind entweder die Wellen oder das Animationsprogramm des Nachbarcampingplatzes, wobei letzteres sehr selten der Fall war. 

Sowohl Strand wie auch Campingplatz sind sehr sauber. Überall stehen Mülleimer bereit. Täglich wird der getrennte Müll (entsprechende Mülltüten gibt es kostenlos) von jedem einzelnen Stellplatz abgeholt. Außerdem gibt es Duschen in Strandnähe sowie einen Zaun zwischen Strand und Campingplatz, der von Campern mittels einer Chipkarte an Toren betreten werden kann. Somit kann man recht sicher sein, dass sich nur Camper auf dem Platz aufhalten. Einige der Sanitäranlagen wurden durch moderne ergänzt. Zelte, Silverline- Wohnanhänger sowie Blockhüten und Bungalows können hier gemietet werden. Etwas nervig waren allein die   mit 6,- Euro pro Waschgang ziemlich Türen Waschmaschine, die nur mein Geld fressen aber nicht waschen wollten. Die Unterstützung um die Maschine zum Laufen zu bringen, war ziemlich umständlich aufzutreiben und insgesamt ärgerlich, wenn man insgesamt über 70 Euro pro Nacht für einen Stellplatz bezahlt. Alles in allem ist es dennoch ein toller Campingplatz, den wir sicherlich noch mal aufsuchen werden. Hier haben wir uns am Strand sehr entspannt und sehr gerne insgesamt fünf Nächte gestanden. 

Camp & Resort PuntAla, 58043 Loc. Punta Ala (GR), Castiglione della Pescaia – Maremma Toskana, Italien https://www.campingpuntala.it

Camping in Town Rom

In meiner Teenagerzeit war ich nicht mehr dort. Mein Mann sowie die Kinder haben sie noch gesehen, die ewige Stadt. Rom und la dolce Vita sind nur knapp 200 Kilometer von Punta Ala entfernt. Keine Frage, dass wir diesen Ritt in südliche Richtung unternehmen müssen. 

Der Campingplatz namens Camping in Town liegt oberhalb der Autobahn am Stadtrand. Wir kennen diese Campingplatzkette bereits aus Florenz, wo wir letztes Jahr ebenfalls mit unserem Wohnmobil halt machten.

Eine Fußgängerüberführung verbindet die Seite auf dem der Campingplatz liegt mit der gegenüberliegenden Straßenseite und einem großen Supermakt (tolle Fischtheke) und einem Schuhgeschäft, wo wir unsere Tochter rasch mit bequemen Sneakern für den Stadtspaziergang versorgen. 

Die Autos hört man aufgrund der erhöhten Lage und dem Pflanzenbewuchs glücklicherweise dennoch kaum. Ohne Probleme finden wir eine von Büschen gesäumten Stellplatz. Hinter dem modernen Sanitärgebäude befindet sich der hoffnungslos überfüllte Swimmingpool. Unsere Mädchen wollen natürlich trotzdem nach der Fahrt direkt hineinspringen und sich austoben. Auch wenn wir Eltern es etwas eklig und beengt in dem Pool finden und das Geschehen argwöhnisch von der Liege beobachten, lassen wir den Kinder ihren verdienten Spaß im Wasser. Der Bademeister wird dem Getümmel nicht wirklich Herr. Aber wir lassen unseren Kindern ihren Spaß. Schließlich wollen wir sie für den Folgetag motivieren, den wir in der Innenstadt von Rom verbringen wollen. 

Roma Camping in Town, Via Aurelia, 831, 00165 Roma RM, Italien, https://roma.humancompany.com

Stadtspaziergang durch Rom

Gleich am Morgen geht es los. Bustickets erhalten wir auf dem Campingplatz und der Bus hält auch gleich davor. Er bringt uns zu einer U-Bahnstation. An der hübschen Piazza Barberini steigen wir aus und laufen zuerst zum von Touristen nur so wimmelnden Trevi Brunnen und erzählen den Kindern, dass hier bisher nur eine wunderschöne blonde Schauspielerin für einen Film und die begeisterten italienischen Fußballfans beim Sieg von Italien bei der Fußball WM 2006 Baden durften und ansonsten hohe Geldstrafen drohen, wenn man hinein springt.

Danach laufen wir durch die wundervolle Altstadt zum Pantheon. Leider haben wir uns am Vortag online nicht angemeldet . Ansonsten hätten wir es besichtigen können, wie wir auf einem Schild am Eingang lesen. Schade! 

Kolosseum und Forum Romanum

Dafür waren wir schlauer was das Kolosseum und das Forum Romanum betrifft. Hierfür haben wir nämlich vorher online Tickets für die Mittagszeit gekauft. Der Eintritt für Kinder ist erfreulicherweise kostenlos. Mit mehreren kühlen Flaschen Eistee, einem Sonnenhut und Sonnenschirm ausgestattet, fühlen wir uns für die Besichtigung des berühmtesten Bauwerks der Antike gut gerüstet. Mitarbeiter des Kolosseum weisen uns professionell den richtigen Weg zum Eingang des 48 Meter hohen Monuments. Wenn man bedenkt, dass in der Vor-Corona-Zeit an die drei Millionen Menschen besuchen, sind wir erstaunlich schnell drin. Wir verzichten auf einen Guide und auch auf einen Audioführer und bewegen uns stattdessen auf eigene Tour durch das Bauwerk und lesen uns seine wechselvolle Geschichte an den Informationstafeln durch. An manchen Stellen entdecken wir überraschendes wie zum Beispiel ein Stadtplan von Jerusalem der oberhalb eines Durchgangs in Stein gemeißelt über unseren Köpfen schwebt. Wir vermuten, dass dieser Plan auf die Finanzierung des aus 100.000 Kubikmeter Travertingesteins und 300 Tonnen Eisen und bestehenden Amphitheaters anspielt. Um für seine politische Propaganda eine Bühne zu bekommen, finanzierte Kaiser Vespasian aus der Kriegsbeute des jüdischen Kriegs den elliptischen Bau mit seinen 240 Bogenöffnungen und einstiger weißer Marmorverkleidung. Während wir den Bau, der einst 50.000 Besuchern Sitzplätze bot, und vor allem den von oben einsehbare Labyrinth unterhalb des früheren Arenabodens betrachten (hierfür gibt auch besondere Touren), staunen wir darüber, dass diese Arena vor über 2.000 Jahren nur innerhalb von acht Jahren fertig gestellt wurde! Knapp 500 Jahre fanden hier blutige Spektakel genauso wie Ernennungen von Prätoren statt, was wir uns durch die Erinnerung an alte Römerfilme noch einigermaßen bildlich machen können. Das martialische Teiben fand allerdings ein dramatisches Ende: Aufgrund der Plünderung Roms durch die Westgoten und Vandalen war die Stadt im Jahr 523 bevölkerungsmäßig und dezimiert und dermaßen pleite, dass an Brot und Spiele nicht mehr zu denken war. Stattdessen diente das Kolosseum zwischenzeitlich ganz bescheiden als Viehstall und Heuschober.Nachdem einige Adelsfamilien den Bau als Palastersatz nutzten und die marmorne Innenverkleidung in dunkle Kanäle verschwunden und für Palazzi und die Stufen des Petersdoms genutzt wurden, ernannte Pabst Benedikt XIV. im 18. Jahrhundert zur christlichen Gedenkstätte. Staatliche Archäologen setzten dem Treiben in den 1870er Jahren ein Ende indem sie die Fehldeutungen aufdeckten und vor weiterer Plünderung und Verfall bewahrten. 

Tickets für Kolosseum und Forum Romanum, https://www.rome-museum.com

In glühender Hitze spazieren wir vom einen Wahrzeichen der Stadt zum nächsten. Das Forum Romanum liegt gleich nebenan in einer Senke zwischen den beiden ältesten Siedlungskernen der Stadt namens Kapitol und Palatin. Durch Plünderungen und Zwischennutzungen als Kuhweide und Steinbruch sind die meisten Überbleibsel der Kaiserzeit mehr als traurige anzusehen. Nur mit sehr viel Fantasie ist es für uns vorstellbar, dass hier einst das Zentrum des wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und religiösen Lebens im alten Rom war. Aber wenigstens sind zum Beispiel die Curia, das Gebäude des Senats und der Titusbogen mit seinen schönen Reliefs im Bogendurchgang noch gut erhalten. 

Besonders gut gefällt uns der Palatin, dem früheren Wohnhügel von Roms High Society. Zwischen Pinien und Orangenbäumen finden wir etwas Schatten für eine kleine Pause bevor wir von der Aussichtsterrasse einen weiten Blick über das Forum Romanum und die grünen Dachterrassen Roms.

Petersdom 

Erst nach einer längeren Pause mit erfrischenden Getränken fühlen wir uns gestärkt für die letzte Sehenswürdigkeit die wir uns für Rom vorgenommen haben. Durch das malerische Regola-Viertel geht es wieder zu Fuß über den Tiber, vorbei an der Engelsburg zur Via d. Conciliazione, welche direkt auf die gut bewachte ovale Piazza San Pietro bzw. Petersplatz und den Petersdom führt. Die Sonne geht hinter den ausgebreiteten Armen der halbrunden Kolonnaden unter als wir ankommen. Auch wenn sich fast alle bedeutenden Baumeister ihrer Zeit ihr Werkzeug bei dem Bau in die Hand gegeben haben, begnügen wir uns mit dem äußeren Anblick der zweitgrößten Kirche der Welt, da unsere Beine wieder eine Verschnaufpause und unsere Mägen eine leckere Mahlzeit brauchen. In einem Restaurant im Prati-Viertel lassen wir den ereignisreichen Tag ausklingen. 

Petersdom, Piazza San Pietro, 00120 Città del Vaticano, Vatikanstadt, https://www.vatican.va

Camping Paradiso in Casteldimezzo, Marken

Am nächsten Morgen verlassen wir den römischen Campingplatz und treten unsere Rückreise gen Norden an. Hierfür steuern wir den von Rom etwa 350 Kilometer entfernten Parco Regionale del Monte San Bartolo zwischen Pesaro und Rimini an. 200 Meter oberhalb der Adriaküste halten wir in Casteldimezzo auf dem Familien geführten Campingplatz Paradiso. Hier geht es sehr ruhig zu und wir bekommen einen schönen schattigen Stellplatz oberhalb von einigen Dauercampern mit Blick ins Tal. Die Kinder freuen sich über den schönen Swimmingpool und wir uns über die vielen bequemen Liegen und Schattenplätze rundherum. Neben einer Pizzeria gibt es einen Minimarkt und einen kleinen Spielplatz. Knusprige Brötchen und Baguettes können wir online bis 20 Uhr vorbestellen. Hier möchten wir für drei Nächte bleiben, um nach Rom nochmal zu entspannen und natürlich das EM Finale mit den Italienern zu verfolgen. 

Am Tag nach unserer Ankunft und dem EM Sieg der Italiener machen wir uns auf zum adriatischen Meer, dessen türkisblau schimmernde Schönheit wir vom Straßenbalkon bereits bewundern durften. Der Weg windet sich in Schlaufen durch das dichte Grün hinab. Anhand der verrosteten Straßenschilder und Leitplanken, die sich die Natur einverleibt hat, erkennen wir, dass hier einmal eine Straße hinunter geführt haben muss, die irgendwann abgerutscht sein muss. Unten am Spiaggia di Casteldimezzo angekommen, gibt es mehrere aus an die Küste gespülten und von der Sonne ausgeblichenen Ästen errichtete Hütten, die uns Schatten spenden. Auch ein sehr verlockendes Strandlokal ist zu sehen, allerdings bleibt es leider geschlossen. Schade, wir hätten hier gerne etwas getrunken und gegessen. Ob hier wohl die Konzession fehlt? 

Dieses Strandrestaurant in herrlicher Lage hatte leider bei unserem Aufenthalt geschlossen.

Wellenbrecher stellen sich in regelmäßigen Abständen den Wellen entgegen, so dass man in Ruhe schnorcheln kann. An dem schmalen Strandabschnitt sammeln wir zahlreiche Muscheln und schöne Steine als Urlaubserinnerungen auf. 

Das verschlafen wirkende Casteldimezzo besteht aus wenigen Wohnhäusern, einer Kirche sowie Mauerresten einer alten Burg und gleich zwei bekannten Restaurants. Wir reservieren gleich eine Tafel in der Taverna dem Pescatoremit Panoramablick auf das Meer, weil wir uns hier mit Freunden aus Italien treffen und unser Wiedersehen feiern möchten. 

Camping Paradiso, Via delle Rive del Faro, 2, 61121 Pesaro PU, Italien, https://www.campingparadiso.net

Caravanpark am Kalterer See, Südtirol

Leider lässt sich die Heimkehr nicht weiter hinauszögern und wir müssen uns vom Meer verabschieden. Unsere vorletzte Etappe auf dem Rückweg nach Berlin ist wieder der Kalterer See. Nach circa 450 Kilometern kommen wir am frühen Abend im verregneten Südtirol an. Dieses Mal suchen wir uns auf dem Stellplatz einen Ort zum Übernachten. Es gibt hier aufgrund der Wetterlage zum Glück ausreichend Platz für unser Wohnmobil. Wir müssen uns mehrere Kleiderschichten anziehen, weil wir Temperaturen unter dreißig Grad im Schatten seit drei Wochen nicht mehr erlebt haben und entsprechend frieren als wir durch den Ort spazieren. 

Caravanpark am Kalterer See, St. Josef am See 18a, S. Giuseppe al Lago, 39052 Caldaro sulla Strada del Vino BZ, Italien, https://caravanpark-kalterersee.it

Ardesia-Therme in Lobenstein, Thüringen

Ab Südtirol geht es über den Brennerpass durch Österreich zurück nach Deutschland. Zehn Stunden, mehrere kurze Staus und eine Pause später halten wir im thüringischen Lobenstein. Hier befindet sich ein top Stellplatz auf einer frischen grünen Wiese neben der Ardesia-Therme. Wir kommen erst abends dort an und besuchen von 20 bis 22 Uhr die angenehm leeren Thermalbecken im Außen- wie im Innenbereich. Herrlich sauber und entspannt fühlen wir uns nach dieser spontanen Wellnesskur und bereit für unsere letzte Nacht im Wohnmobil. 

Die Brötchen fürs Frühstück holen wir uns im nahe gelegenen Bäcker während andere Stellplatznutzer das Frühstück mit anschließenden Bad in der Therme (15,- Euro pro Person) vorziehen. Danach spazieren wir zur Burg von Lobstein hinauf. Leider hat das Museum und damit auch die Burg samstags immer geschlossen. Doch zum Glück treffen wir auf einen freundlichen Mitarbeiter der gerade dabei ist die Wiese am Turm zu mähen, der uns kurz zum Gucken hinein lässt. Lobstein mit seinen alten Burgmauerresten und Fachwerkhäusern macht auf uns einen guten Eindruck. Hier werden wir sicher noch einmal auf dem Rückweg aus unseren Sommerferien Halt machen. 

ARDESIA-Therme, Parkstraße 8, 07356 Bad Lobenstein, https://www.ardesia-therme.de

Reiseführertipps für Italien

Camping.info Campingführer Italien 2020

Mit dem Wohnmobil nach Mittel-Italien: Rom, Latium, Abruzzen und zwei Meeren

Mit dem Wohnmobil durch die Toskana und nach Elba

Reise Know-How Wohnmobil-Tourguide Toskana und Elba: Die schönsten Routen

Wohnmobiltrip durch die Region Dahme-Oder-Spree

Heute möchte ich Euch ein Wohnmobil-Kurzreisetipp für den Südosten des Landes Brandenburg geben. Sowohl Kinder als auch Erwachsene kommen während dieses zweitägigen Trips auf ihre Kosten. Es sind ein actionreiches Spaßbad, ein idyllischer Stellplatz  mit Cocktail am Scharmützelsee, ein spannender Spaziergang im eleganten Bad Saarow und last but not least ein süßer kulinarischer Genuss in der Burg Storkow dabei.

Schwapp in Fürstenwade

„I was? Ich kenn nur Advent!“. Der Opa im Werbefilm für das Fürstenwalder Spaßbad „Schwapp – alles Wasser wollt“ hat es mit diesem Spruch zu bundesweiten Bekanntheit gebracht. Wir besuchen das Schwimmbad, das 2015 die goldene Auszeichnung für den schrägsten Werbespot von beiden Ulkmoderatouren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bekommen hat und der mit dem Who is Who der Deutschen Filmdarsteller nachgespielt wurde. Mit Stolz und einer Portion Selbstironie spielt das Spaßbad auf seiner Website noch immer mit dem „Goldenen Umberto“.

Aber heute ist leider oder zum Glück (da sind wir uns nicht ganz sicher) kein  Frozen T-Shirt Contest. Beim Anblick der dicken gelben und blauen Reifen mit denen die Kids durch den 120 Meter langen Action River reiten, springen unsere Mädels vor Vorfreude in die Luft. In Windeseile stehen wir deshalb auch im Badedress im Wasser und werfen uns mit ihnen in die Wildwasserfluten. Von der zehn Meter hohen Drachenburg taucht unsere achtjährige Tochter todesmutig mit mir im Schlepptau in das 94 Meter lange Black Hole. Es ist so düster darin, dass ich etwas Muffensausen bekomme. Doch am heftigsten ist die so genannte Master-Blaster-Wildwasserfahrt auf einem der Gummireifen! Das ist wirklich nur was für starke Nerven, finden wir. Für unsere vierjährige Tochter gibt es zum Glück auch harmlosere Rutsche und einen Wasserspielplatz.

Schwimmbad Schwapp

Stellplatz am Scharmützelsee

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Da wir nicht auf dem Schwapp-Parkplatz übernachten wollen, suchen wir mit der App Park4Night nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Bereits nach kurzer Zeit werden wir fündig. Nach 20 Minuten Fahrt in südliche Richtung finden wir am Ostufer des Scharmützelsees den Wohnmobilstell- und Wasserwanderrastplatz Diensdorf-Radlow mit Platz für vier Wohnmobile, den die Gemeinde dort eingerichtet hat. Es gibt sogar Strom an einer Münzsäule, jedoch bleiben wir diese Nacht autark. Bad Saarow ist etwa 2 Kilometer entfernt. Nach dem Abendessen, das auch selbst zubereiteter Alioli und gekochten Artischocken besteht, und ein paar Runden Gesellschaftsspiele, gehen die Kinder in ihre Koje. Wir geben der Großen ein Handy für den Notfall und gönnen uns an der benachbarten Bar des HOTEL-RESORT Märkisches Meer einen Cocktail.

Bad Saarow

Am nächsten morgen spazieren wir zum Meer. Dem märkischen Meer, wie Thoedor Fontane den Scharmützelsee nannte und bewundern sein klares Wasser. Mit einer Länge von zehn Kilometer und einer Breit von bis zu 1,5 Kilometer wird der See seinem Ruf mehr als gerecht. Ist er damit nach dem Schwielochsee schließlich der zweitgrößte natürliche See im Land Brandenburg. 

Danach fahren wir zum nördlichen Ende des Scharmützelsees, in den nahe gelegenen Kurort Bad Saarow. Durch die Straßen spazierend kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus, so schön sind hier die Villen. Es gibt auch einige Informationstafeln  zur Geschichte einiger Häuser. Zum Beispiel wird die Tetens Villa aus den 30er Jahren wegen ihrer Astronomieplattform auf der Dachspitze auch das Sterneguckerhaus genannt. Sie kann als Ferienhaus gemietet werden. In Erinnerung an den berühmten Box-Weltmeister, der einst in Bad Saarow lebte, gibt einen beschilderten Max-Schmeling-Rundweg.

Richtung Scharmützelsee laufend kommen wir am ehemaligen Elektrizitäts- und Wasserwerk mit einem Wasserturm aus dem frühen 20. Jahrhundert vorbei. Heute befindet sich darin ein schickes Hotel.
Oberhalb der Uferpromenade, entdecken wir neben einem Café und Veranstaltungshaus die ruinöse Villa Baruch, mit der zwei sehr traurige Schicksale verbunden sind. Sie gehörte einst Benno Marcus und seiner Frau Grete. Beide wurden mit dem 68. Alterstransport am 28. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert und wenige Jahre später in Auschwitz ermordet. Benno Marcus war Apotheker und gründete im Jahr 1902 mit Georg Lemke gemeinsam die Marzipanfabrik Georg Lemke & Co. in der Berliner Urbanstraße 71. Heute ist sie die älteste Berliner Marzipanmassen-Fabrik und befindet sich in der Neuköllner Späthstraße 31.

Das Gegenstück zum Lost Place steht ein östliches Stückchen weiter die Ludwig-Lesser-Promenade runter. Die Villa Contessa. Eine pompöse weiße Villa, die als First Class Hotel mit sieben Zimmern dient.

Hex, hex. Dass es Hexen gibt, beziehungsweise einst gegeben haben soll, erzählt uns eine Tafel, die neben einem Denkmal am See steht. Catherine Kohlhoff hieß die so genannte liebe Moorhexe. Sie war außerdem Malerin und lebte in der Moorstraße 6 als Einsiedlerin. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich mit Handlesen, Wahrsagerei und Naturmedizin.

Burg Storkow

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Wir parken auf dem kostenfreien Parkplatz neben der Burg Storkow, die vor einigen Jahren saniert wurde. Mein Mann und ich erinnern uns noch daran, wie sie ohne Dach aussah. Heute befindet sich in der Burg ein Café, wo wir leckeren Kuchen essen.  Direkt neben dem Café gibt es eine liebevoll gestaltete und kostenfreie Hands-on-Ausstellung über die verschiedenen Regionen in Brandenburg zu besuchen.
„Ist das Robin Hood, Mama?“, fragt unsere vierjährige Tochter mit Blick auf den jungen Mann mit einer Gruppe anderer junger Menschen im Schlepptau, die allesamt mit Pfeil und Bogen vor der Burg Storkow Stellung beziehen. Lustiges Hobby!

Stadt Storkow

Nach diesem schönen Wohnmobil-Wochenendausflug, bei dem für jedes Alter etwas dabei war, zockeln wir langsam wieder Richtung Berliner Heimat.

Reiseführer

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Auf Paddeltour im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald

mit Kindern auf Paddeltour im Spreewald

Leise und fast unmerklich fließt die Spree. Sie trägt uns dahin. Wären nicht unsere Paddel, die sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ins flache Flussbett senken, würde sich auf der Wasseroberfläche bis auf ein paar Wasserläufer gar nichts regen. Und manchmal kräht jemand. Aber kein Hahn, obwohl es den hier auch gibt. Wir haben ein stolzes Exemplar am Ufer auf einem Stall stehend gesehen. Nein, es ist unsere kleine Kapitänin, die vorne im Bug sitzt und aufpasst, dass wir nicht an die Uferböschung prallen. Sie trägt für ihre zartes Alter eine große Verantwortung. Denn ich bin von der schönen Landschaft ziemlich abgelenkt und achte nicht so 100% auf meine Aufgabe. Mehr als 1.000 Wasserwege führen durch den Spreewald und wir befahren gerade einen davon. Hier fahren Kähne, Kanus, Kajaks und seit ein paar Jahren auch Sup-Boards.

Mein Mann sitzt ganz hinten im Kanu, das wir uns mitsamt den Rettungswesten für die Kinder in Burg geliehen haben. Zwischen mir und meinem Mann sitzt unsere bald größere Tochter und schmollt. Sie hat keinen Bock und ist außerdem sauer, dass wir von einer anderen Familie überholt wurden. Allerdings hat die auch ältere Kinder mit an Bord, die mehr Stoff geben können. Ich versuche ihre schlechte Laune aufzuheitern. Bald gebe ich diese Technik, ob dieser nicht zu bewältigenden Aufgabe, auf. Nun wird Technik zwei probiert. Reiswaffel mit Joghurt oder liebevoll geschmierte Wurstbrote, mein Schatz? Hilft leider auch nicht lange. Sie fängt wieder an zu meckern und zu stänkern. Okay, wenn es sein muss, rufe ich meine dritte Technik auf. Laute Ansage machen. Damit ist es allerdings vorbei mit der Stille auf der Spree und es hilft auch nicht. Wir erwägen kurz, sie am Ufer abzusetzen und auf dem Rückweg wieder einzusammeln.

Selbstbedienungsschleuse im Spreewald
Selbstbedienungsschleuse im Spreewald

Die Selbstbedienungsschleuse

Sobald wir an der Schleuse ankommen, hat sie ihren Groll schon abgelegt. Denn sie darf mit ihrem Papa die Kurbel fürs Schleusentor betätigen. Das ist wirklich ein spannendes Unterfangen! Ich bleibe mit der Kleinen im Kanadier und beobachte das schäumende gurgelnde Wasser während sich das erste Schleusentor öffnet und uns in die schmale kurze Wanne aufnimmt. Während sie am nächsten Schleusentor kurbelt, wartet schon ein entgegen kommender Spreewaldkahn. Als wir durch das nächste Schleusentor hinaus in die Freiheit gleiten, Vater und Schleusenwärterin wieder an Bord haben, gibt es nicht nur von uns Eltern Lob sondern auch von den Fahrgästen des Kahns. Sogar ein Schokoladenriegel wechselt das Boot. Stolz wie Bolle fragt unsere Tochter, geistesgegenwärtiger als wir Eltern es sind, ob sie die Süßigkeit essen dürfe, obwohl diese von einer fremden Frau hinüber geworfen wurde.

Es ist immer noch einfach vorwärts zu kommen, denn wir treiben im Strom. Die Sonne lacht, obwohl es gestern noch sehr bedeckt war. Das stetige Paddelrhythmus mit dem Vierer-Kanu beruhigt und auch unsere Tochter hat endlich ihren frieden mit den Fließen des Sumpflandes geschlossen. Die Bäume blühen in schönsten hellrosa und hellgrün. Neugierig blicken wir in die Gärten der Ufergrundstücke. Es liegen viele romantische Häuser und einige scheinen auch als Ferienunterkunft zu dienen. Wenn wir nicht mit Proviant ausgestattet wären, so gäbe es am Wegesrand ab und zu die Gelegenheit in ein Lokal einzukehren.

Tiete im Spreewald

Tiere im Spreewald

Noch werden wir auf dem Wasser von Mücken verschont. Ansonsten können wir viele Tiere bei ihren Verrichtungen beobachten: Bisamratten kreuzen unseren Wasserweg, Ochsen und Kühe kauen und glotzen zurück, Hühner picken, Katzen lauern, Hunde bewachen ihr Grundstück, Greifvögel suchen nach Nahrung, das Symboltier des Spreewalds, ein Storch, macht sich auf dem Weg zu seinem Nest. Und wer weiß, vielleicht entdecken wir ja noch einen der störrischen schwarzen Ochsen mit denen der Teufel das Spreebett einst bearbeitet haben soll?

Baustelle

Wenn wir gedacht haben, dass wir nur im Stadtgebiet mit Baustellen zu rechnen haben, so haben wir uns geirrt. Auch ein Fluss muss repariert werden. Die wasserbauliche Maßnahme, eine Pfahlwand zur Anhebung des Wasserspiegels, zwingt uns unser Sportboot einige Meter umzutragen. Die große Tochter nutzt das Umsteigen für eine kleine Pinkelpause.

Sorbisch-wendische Prinzessin

Statt nach geplanten zwei legen wir nach vier Stunden und einem schmerzenden Kinderpo vom langen Sitzen im Hafen von Burg an. Der Kurort Burg ist ein traditionsreicher Ort und liegt im Gebiet der sorbischen Voklsgruppe. Deren Sprache findet sich auf den Wegweisern im Ort wieder, die auch an den Wasserstraßen liegen. Borkowy heißt der Ort im Niedersorbischen, was an die Eimer aus Buchenborke erinnert, in denen die Fischer ihren Fang einst nach Cottbus brachten. So weit müssen sie heute nicht mehr fahren. Die Touristen probieren sie auf den hiesigen Kanufahrten.
Auf dem Rückweg mussten wir entgegen der Strömung anpaddeln und sind etwas groggy. Wie zu unserer Begrüßung steht ein blondes Mädchen in sorbisch-wendischer Tracht am Treppenabsatz. Auf wen wartet die weiß gekleidete Schöne mit der roten Schärpe? Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass ganz in der Nähe auf einem Parkplatz unser treues Wohnmobil auf unsere Rückkehr wartet um uns zur nächsten Station zu bringen.

Spreewelten Bad

Im kleinen Bad des Wohnmobils trocken noch unsere Badesachen vom Vortag. Sie erinnern mich an unseren Besuch im SpreeweltenBad, das wir ansteuerten bevor wir auf einem Campingplatz einkehrten. In einem großen dicken Reifen hüpft unsere große Tochter mit mir durchs Wellenbad und lässt sich an meinem Rücken geklammert im Strömungskanal treiben. Die Kleine spielt währenddessen lieber mit ihrem Papa im 34 Grad Celsius warmen Kleinkindbecken. In der römischen Heilwassertherme treffen wir uns dann alle gemeinsam bevor wir uns raus zu den eigentlichen Hausherren des Erlebnisbads gesellen. Im Außenbereich leben die Stars des Bads: die Humboldt-Pinguine. Nur durch eine Glasscheibe von ihnen getrennt, können wir beobachten, wie sie tauchen. Unsere Tochter ist vom Schwimmbad jedoch mehr angetan als von den großartigen Entdeckungen von Alexander von Humboldt in Peru.

Also wieder rein in den Trubel. Unter einem großen Holzpodest gibt es ein Bastelangebot für Kinder, so dass sie Gipsmuscheln bemalen können und sich selbst mit Glitzertatoos verschönern können. Am Glücksrad gewinnt unsere große Tochter mit einer Gratistageskarte den begehrten Hauptgewinn.

Wir Eltern gönnen uns auch etwas. Abwechselnd besuchen mein Mann und ich die Saunen im Spreewald-Dorf. Von der Auswahl fantasievoller Saunen bin ich wirklich überrascht. In der Sauna namens Lutki-Höhle flüstert eine angenehme Stimme Märchen aus dem Spreewald. Außerdem locken zum Beispiel eine Salz, Heu- und eine Gurkensauna.

Kneipp-und ErlebnisCamping an den Spreewaldfließen

Auch auf unserem Campingplatz kurz vor Burg, dem Kneipp-und ErlebnisCamping an den Spreewaldfließen, hätten wir die Gelegenheit zum Saunieren. Massagen auf dem Heuboden sind ebenfalls im Angebot. Im gemütlichen Gasthof des Platzes wird ein schönes Frühstücksbuffet angeboten. Doch wir haben uns bereits anderweitig versorgt.

Bismarckturm in Burg, Spreewald
Bismarckturm in Burg, Spreewald

Bismarckturm

Welch ein Ausblick! Aus 27 Meter Höhe schauen wir über das frühlingshafte Biosphärenreservat Spreewald und die Bismarck-Schänke. In weiter ferne erkennen wir die umliegenden Städte. Zuvor sind wir den kaum als solchen wahrnehmbaren neun Meter niedrigen Schlossberg in Burg hinauf gelaufen um den Bismarckturm zu besteigen. 1,5 Millionen rote Steine befinden sich unter uns. Daraus besteht dieser schöne Aussichtsturm, von dem es weitere 173 gleichnamige Geschwistertürme in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Polen, Russland, Österreich, Kamerun, Tansania und Chile geben soll. Heutzutage ist es unvorstellbar, dass einem Politiker und Staatsmann mit Denkmälern so gehuldigt wird, wie dem Reichskanzler Otto Graf von Bismarck nach seiner Entlassung 1890.
Eigentlich hätten wir dem Bismarckturm eine Backsteintorte mitbringen sollen. Denn er feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag! Seit 1990 ist dieser Turm von April bis Oktober täglich geöffnet. Wer eine GästeCard dabei hat, kommt vergünstigt hinauf.

mit dem Wohnmobil zur Slawenburg Raddusch
Slawenburg Raddusch

Slawenburg Raddusch

Bevor uns auf dem Rückweg nach Berlin machen, biegen wir noch zur Slawenburg Raddusch ein. Dieses runde Gebilde ist uns bereits mehrfach aufgefallen, wenn wir auf der Bundesautobahn 15 an ihr vorbei fuhren. Jetzt möchten wir endlich herausfinden, was es damit genau auf sich hat.

Zuerst möchten unsere Kinder aber ein paar Runden Ponyreiten. Aufgrund des bevorstehenden Feiertags ist heute ein besonderes Programm, so dass sie auf dem Gelände der Slawenburg voll auf ihre Kosten kommen. Anschließend bewegen wir uns in kleinen Teilschritten auf die Burg zu. Denn bevor wir dort ankommen, gibt es an den aufgebauten mittelalterlichen Ständen einiges zu sehen. Bogenschießen mit Langbögen aus Holz sowie leichteren und kleineren Kinderbögen ist angesagt. Anscheinend konzentrieren sich unsere Kinder besser als ich. Im Gegensatz zu mir treffen sie die Zielscheibe. Ein Falkner zeigt seine stolzen Jagdvögel, Werkstätten sind zu besichtigen. Außerdem muss sich unsere Tochter noch das Gesicht rosa-lila-glitzermäßig anmalen lassen.

Dermaßen verschönert und mit Kuchen gestärkt, betreten wir endlich die frühmittelalterliche Wehranlage. An die 40 solcher Bauten hatte der slawische Stamm der Lusitzi in der Niederlausitz im 9. und 10. Jahrhundert errichtet. Genützt hat es ihnen letztendlich leider nichts. Karl der Große bereitete in seinen Wendenkreuzzügen im 12. Jahrhundert den Slawen ein blutiges Ende. Der Braunkohletagebau bedeutete für die letzten erhaltenen slawischen Wallanlagen und Fluchtburgen ihr traurige Ende.

Die heutige Fliehburg in Raddusch steht an ihrem früheren Originalstandort und wurde dort weitestgehend originalgetreu wieder aufgebaut. Eichenholz und Lehm bilden die Außenfassade des heutigen Betonhohlkörpers. Im 1.000 Quadratmeter großen Innenhof führt eine Treppe auf den umlaufenden Gang. Von hier oben blicken wir nach außen über die Niederlausitz und nach innen auf die Restaurantterrasse. Die sicherlich sehr interessante Ausstellung schaffen wir leider nicht mehr, weil wir uns nun endgültig auf den Heimweg machen müssen.

mit Kindern auf Paddeltour im Spreewald

Adressen

Kneipp-und ErlebnisCamping an den Spreewaldfließen
Vetschauer Str. 1A, 03096 Burg (Spreewald), Deutschland
http://www.caravan-kurcamping.de

Bootsverleihstellen im Spreewald
http://www.spreewald.de/bootsverleih-in-burg

Spreewelten Bad
Alte Huttung 13
03222 Lübbenau/Spreewald
https://www.spreeweltenbad.de


Bismarckturm in Burg
Byhleguhrer Straße
03096 Burg (Spreewald)
http://www.burgimspreewald.de/de/freizeit/sehenswertes/bismarckturm.php

Slawenburg Raddusch
Zur Slawenburg 1, 03226 Vetschau/Spreewald
https://www.slawenburg-raddusch.de