Documenta fifteen

Freundschaft, gesellschaftliches Engagement, Teilhabe und die Kraft der Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Solidarität. Wer von uns würde diese zentralen Werte heutzutage nicht auf seine Werteagenda setzen? Lumbung, eine Indonesien verbreitete soziale Praxis, ist der Oberbegriff für diese Werte, die das zehnköpfige Künstler*innen Kollektiv ruangrupa aus Jakarta, das die 15. Documenta leitet, an allen Ausstellungsorten in den Fokus rückt.

Dieses Leitmotiv und die Tatsache, dass die Ausstellung in 32 Orte in der Stadt verteilt ist, finden wir so spannend, dass mein Mann und ich unsere sieben Sachen ins Wohnmobil gepackt, die Kinder bei ihren Großeltern untergebracht haben und über Wochenende von Berlin nach Kassel gefahren sind.

Die Presseberichte über die Documenta fielen in den Feuilletons nicht besonders positiv aus. Dies hatte meines Erachtens allerdings vielmehr mit dem unsensiblen und auch unprofessionellen Umgang mit der antisemitischen Bildsprache einzelner Kunstwerke zu tun. Natürlich irritierte uns bereits im Vorhinein unseres Besuchs, dass in Vorbereitung der Documenta anscheinend von der Stadt Kassel, dem Land Hessen und dem Bundeskulturministerium bei den Werken niemand genau hingesehen und auf solche essentiell wichtigen Aspekte geprüft hat. Personelle Konsequenzen hat es zum Teil entsprechend gegeben und die Kunstwerke wurden entfernt. Dennoch sind wir der Meinung, dass man deshalb nicht die gesamte Kunstschau in Abrede stellen sollte. Zum Glück sehen das laut den im August veröffentlichten Presseberichten wohl viele Kunstinteressierte ähnlich. Die diesjährige Documenta zählt wohl fast genauso viele Besucher*innen, wie die bisher am besten besuchte Documenta und das trotz Pandemie.

Seit dem 18. Juni 2022 läuft in Kassel die documenta fifteen. Wie jedes Mal ist die alle fünf Jahre stattfindende Kunstschau 100 Tage lang geöffnet. Allerdings ist jetzt Beeilung angesagt, denn am 25. September 2022 ist der letzte Tag, an dem Besucherinnen wieder Werke internationaler Künstlerinnen an verschiedenen Orten über Kassel verteilt anschauen können.

Unsere Documenta Highlights

Kohlemuseum vor der Documenta Halle

Bevor ich unser Fazit zur Documenta fifteen ziehe, verrate ich euch erstmal unsere Highlights. Wie erwähnt, reisten wir mit unserem Wohnmobil nach Kassel und hatten unsere Klappräder dabei. Das war insofern sehr praktisch, weil wir dadurch sehr schnell und unkompliziert von a nach b kamen. Aus diesem Grund haben wir an einem Tag wirklich sehr sehr viele Orte besuchen können, was ansonsten nicht so möglich gewesen wäre.

Hallenbad Ost im Bauhausstil

Das denkmalgeschützte Hallenbad Ost in Kassel wird vom umstrittenen indonesischen Kollektives Taring Padi bespielt.

Kirche St. Kunigundis

Ghetto Biennale des Künstler:innenkollektiv Atis Rezistan

Hübner-Areal

Kopf des Riesenhunds „Krümel“ aka Moondog

Rondell

Documenta Halle

Auch Kinder kommen auf der Documenta auf ihre Kosten

WH22

Einfahrt der Lolita Bar

Bootsverleih Ahoi

Die Alles Brücke wurde von Schüler*innen gebaut

Karlswiese

Return to Sender von The Nest Collective

Komposthaufen (Karlsaue)

Unser Fazit

Zum Reinbeißen: Die Obstauslage der Installation „rasad“ von Britto Arts Trust

Die diesjährige Werkschau ist mit der 12. und 14. die dritte Documenta, die wir besucht haben. Es fällt natürlich schwer nicht zu vergleichen, weil darunter schon spektakuläre Werke waren.
Den thematischen Schwerpunkt der Documenta fifteen, der eine aufrüttelnde Botschaft an die Bewohner*innen der Nordhalbkugel senden soll, finden wir sehr wichtig finden und ist auf sehr spielerische Weise anstelle mit erhobenen Zeigefinger umgesetzt worden. Allerdings kam die Transformation in die Kunst manchmal zu kurz.

Besonders gut gefallen haben uns die außergewöhnlichen Ausstellungsorte. Deshalb haben wir bei unserem Besuch außer der Documenta Halle vor allem solche Orte besucht, in die man ansonsten nicht hinein kommt. Darüber hinaus gab es fast überall ein originelles kulinarisches Angebot. Besonders hervorzuheben ist das Catering am Hallenbad Ost. Zwar haben wir unsere Kinder nicht mit dabei gehabt, aber es fiel uns positiv auf, dass es für Kinder viele Mitmachen- und Bewegungsangebote gab. Der Bootsverleih Ahoi mit der Alles Brücke sowie die Skaterrampe in der Documenta Halle waren bei den Kindern sehr beliebt. Außerdem gibt es mit RURUKIDS im Erdgeschoss des Fridericianums einen tollen Kinderbereich.

Wie gesagt, war das unsere dritte Documenta und wir finden, die Werkschau ist reif für eine eigene App. Nervig war, dass wirken Ermangelung einer App immer zwischen der Documenta Website und der Website der Stadtteil Kassel hin und her switchen mussten, um an die Informationen zu den Veranstaltungsorten zu kommen.
Mit einer App hätten wir unterwegs außerdem leichter Zugang zu Hintergrundinformationen über die Künstler*innen erhalten und uns eine Route zusammenstellen können.

Unser Campingplatz

Mit dem Preisleistungsverhältnis (30€ pro Nacht für Wohnmobile) des Campingplatz in Kassel waren wir sehr zufrieden. Per Fahrrad war es mit drei Kilometern nur ein kurzer und dabei sehr schöner Weg durch den wirklich sehenswerten Staatspark Karlsaue bis ins Kasseler Stadtzentrum. Auf dem Weg dorthin konnten wir außerdem bereits einige Kunstwerke der Documenta, wie zum Beispiel den Komposthaufen und das Gewächshaus, besichtigen.

Der schön mit Bäumen und Hecken bepflanzte und sehr neue Campingplatz liegt direkt in der Fuldaaue. Man kann also direkt auch am Fluss mit dem Zelt Campen. Der Platz hat ein modernes auf Stelen gebautes Gebäude in dem die Sanitäranlagen, ein Shop, ein Medienraum und die Rezeption untergebracht sind. Alles ist gepflegt und sauber. Für Spätanreisende ab 14:30 Uhr gibt es einen Briefkasten mit allen erforderlichen Informationen und einer Chipkarte für die Sanitäranlagen. Morgens kommt ein Kaffeewagen vorbei. Wenn man zur Documenta anreist, ist eine Reservierung sinnvoll.

Gegenüber vom Campingplatz und nur durch eine schmale Straße getrennt, gibt es außerdem einen Stellplatz für Wohnmobile, wo man mit sehr viel weniger Bepflanzung und sehr eng beieinander für 15€ pro Nacht steht. Mit einer Chipkarte (pauschal mit 5€ aufgeladen) kann man auf dem Campingplatz duschen und abwaschen.

Nur einen kurzen Spaziergang entfernt befindet sich das super schöne Café Siebenbergen direkt an der gleichnamigen künstlich angelegten Insel. Hier kann man morgens beim Blick ins Grüne einen Kaffee trinken oder mittags lecker essen gehen oder auch abends einen Absacker trinken.

Eva

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