Unsere Wohnmobil-Tour von Berlin durch Bayern und Italien nach Korsika

Ihr seid noch unabhängig von den Schulferien, oder überlegt schon, ob Ihr vielleicht doch noch einen Trip in den Herbstferien wagen wollt? Wir, unsere Töchter, mein Mann und ich haben diesen Sommer eine Korsika-Tour mit einem Wohnmobil unternommen. Wir vier sind von dieser Reiseform schon seit längerem begeistert, die gerade unter Pandemiebedingungen uns noch einmal mehr überzeugt hat! In unserem bebilderten Reisebericht erfahrt Ihr, warum wir uns so in Korsika, das Gebirge im Meer, verliebt haben.

Zerklüftete Berggipfel, die sich bis zu 2.500 Meter aus der Meerestiefe erheben und aus denen sich glasklare Bergflüsse ins Tal ergießen. Eine 1.000 km lange Küste mit zahllosen kleinen Schnorchel-Badebuchten und langen Sandstränden.  Spektakuläre Pass-Straßen, charmante Städtchen und dann noch dieser Duft, der sanft ins geöffnete Wohnmobilfenster weht… „Ich könnte die Insel mit verbundenen Augen allein an ihrem Duft erkennen“, so schwärmte schon der kleine Mann mit der Hand in der Jacke und wir hoffen, dass wir nach unserem Urlaub das ebenso können.

Unsere erste Wohnmobilreise von Berlin nach Korsika durch Bayern (in Österreich durften wir wegen der Covid-19 Regelungen nicht halten) und Italien und zurück hätte abwechslungsreicher nicht sein können. Obwohl wir schon viel mit unserem MB100 in Europa herum gekommen sind und wunderschöne Orte und zauberhafte Landschaften gesehen haben, hat uns die französische Mittelmeerinsel sehr beeindruckt. Die Tour haben wir von Mitte Juli bis Anfang/Mitte August 2020 unternommen, weil wir schon schulpflichtige Kinder haben.

In diesem Beitrag stelle ich Euch unsere komplette Route im Überblick mit Entfernungen und Tipps für schöne Camping- und Stellplätze vor. Korsika ist die viert größte Insel im Mittelmehr, daher haben wir uns auf den Norden, das Département Haute-Corse, konzentriert. Wir haben also mehr auf Erholung anstelle auf viele Campingplatzwechsel gesetzt.

Überblick über die Stationen mit Aufenthaltsdauer

Während unseres Wohnmobiltrips sind wir auf insgesamt 20 Übernachtungen gekommen. Zwölf davon haben wir auf Korsika und den Rest für die An- und Abreise verbracht. Theoretisch hätten wir noch Zeit für ein bis zwei weitere Übernachtungen gehabt. Allerdings wollen wir lieber in Ruhe zuhause ankommen bevor die Schule für die Kinder und für uns Eltern die Arbeit wieder beginnt. Und so ein Wohnmobil will ja auch noch ausgeräumt und sauber gemacht werden. Wir haben keine Reservierungen für unseren Sommerurlaub gemacht, weil wir zum einen flexibel sein wollen und zum anderen wegen Covid-19 auch nicht zu befürchten brauchen, dass es ausgebucht sein wird. Zuvor haben wir auf den Campingplätzen auf Korsika angerufen und uns erkundigt, wie die Auslastungssituation aussieht und erfahren, dass nicht viel los sei und wir einfach kommen können. Unsere einzige Buchung ist das Hin- und Rückfahrticket für die Fähre Livorno-Bastia-Livorno.

Bayern

1 Übernachtung in Arrach im oberen Bayerischen Wald bei Freunden auf dem Ferienbauernhof (Alternativ Camping- und Wohnmobilstellplatz am Fuße des Ossers in Lam: https://camping-wohnmobilstellplatz-lam.obsg.de/

Italien

1 Übernachtung am Kalterer See in Südtiol auf dem Caravanpark Kalterer See

1 Übernachtung in Malcesine am Gardasee auf dem Campingplatz Lombardi

1 Übernachtung auf in der Kabine von Corsica Ferries im Hafen von Livorno

Korsika

8 Übernachtungen in Patrimoni, Campingplatz U Sole Marinu

5 Übernachtungen bei Moltifao, Campingplatz Tizarella

Italien

1 Übernachtung in Florenz, Camping in Town

1 Übernachtung am Kalterer See in Südtiol auf dem Caravanpark Kalterer See

Bayern

1 Übernachtung auf dem Wohnmobilstellplatz am Sylvenstein

 

Entfernungen und Dauer der Etappen im Überblick

  1. Etappe Berlin – Arrach (Bayern) ca. 514 km/ 5 Std.
  2. Etappe Arrach – Kalterer See (Ital.) ca. 503 km / 5 Std.
  3. Etappe Kalterer See – Malcesine (Ital.) ca. 593 km / 6 Std.
  4. Etappe Malcesine – Pisa – Fährhafen Livorno (Ital.) ca. 409 km / 4 Std.
  5. Etappe Fährfahrt Corsica Ferries ca. 4,5 Std.
  6. Etappe Bastia – Patrimonio (Korsika) ca. 168 km / 2 Std.
  7. Etappe Patrimonio – Moltifao (Korsika) ca. 66 km / 1 Std.
  8. Etappe Fährfahrt Corsica Ferries ca. 4,5 Std.
  9. Etappe Fährhafen Livorno – Florenz (Ital.) ca. 101 km / 1 Std.
  10. Etappe Florenz – Kalterer See (Ital.) ca. 368 km / 4 Std.
  11. Etappe Kalterer See – Am Sylvenstein (Bayern) ca. 214 km / 2 Std.
  12. Etappe Am Sylvenstein – Heimstettener See -Berlin ca. 671 km / 7 Std.

Unsere Wohnmobil-Route von Berlin nach Korsika
Anreise durch Deutschland

Bevor ich beginne sei vorweg geschickt: Wir sind eine sehr reiselustige Familie mit zwei Kindern im Alter von 6 und 10 Jahren. Wir sind schon durch einige Länder Europas wie Griechenland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Spanien und Italien mit dem Wohnmobil gegondelt. Unsere Kinder kennen die Fahrerei und sind damit fein. Wegen der Covid-19 Pandemie saßen wir – wie viele viele andere Menschen auch – mehr als ein halbes Jahr auf Berliner Boden fest, weil die Osterferien ja schon in den Lockdown fielen. Bis zuletzt hatten wir uns vor einer Reisewarnung oder gar einem Reiseverbot wegen der Covid-19 Pandemie gebangt und gleichzeitig großes Fernweh verspürt. Zur Sicherheit haben wir ein Fährticket bei Corsica Ferries gekauft, das wir bis zu 48 Stunden vor Abfahrt hätten stornieren können. Doch zum Glück ist das nicht nötig. Die Reisewarnungen gelten nicht für Korsika und so steht mitten in den Berliner Sommerferien 2020, also Mitte Juli, steht unser Wohnmobil gepackt und fahrbereit in unserer Straße. Wir können es kaum fassen, dass wir nun endlich und wirklich verreisen dürfen! Das Abenteuer ruft!

Für die Anfahrt bis zum Fährhafen Livorno in Italien (das ist für uns die kürzeste Strecke übers Mittelmeer nach Korsika) haben wir vier Tage Zeit. Das bedeutet, dass wir die Gesamtstrecke von circa 1.200 Kilometern auf vier Tage ganz bequem aufteilen können. So haben wir durchschnittlich etwa einen halben Fahrtag und einen halben Tag zum draußen unterwegs sein pro Tag oder einen Tag eine lange Fahrt und dafür am nächsten Tag mehr Zeit für einen Ausflug.

1. Etappe: Arrach im oberen Bayerischen Wald

2. Etappe: Kalterer See in Südtirol

Den Kalterer See in Südtirol haben wir vor zwei Jahren für einen Zwischenstopp besucht und es hat uns sehr gut gefallen. Unsere Vorfreude auf den See ist also groß! Durch Österreich heizen wir nur so durch. Aufgrund der Covid-19 Regelungen dürfen wir nicht anhalten. Kaum in Südtirol angekommen, suchen wir uns auf dem Stellplatz am Kalterer See ganz hinten ein freies Plätzchen. Hier gibt es ein top gepflegtes modernes Sanitärhaus mit Duschen, Waschmaschine, Entsorgungsmöglichkeiten und Abwaschbecken. Um die Ecke ist ein hübscher Open-Air-Imbiss, wo es Pizza gibt sowie ein kleiner Supermarkt sowie mehrere Restaurants. Und offenbar ist die Gegend hier ein Eldorado für Radfahrer, so viele düsen hier herum. Nach der Anmeldung bzw. dem Parkticketkauf am Automaten laufen wir schnurstracks zum See, wo wir uns ein Tretboot mieten. Nach der Fahrerei ist es für uns alle erholsam vom Tretboot aus in den See zu springen, auch wenn das Wasser nicht besonders kühl ist. Für die Kinder also genau richtig. Am nächsten Tag spazieren die Kinder und ich ausgeruht und begleitet von morgendlichen Sonnenstrahlen durch die Weinberge zum Bäcker. Im Supermarkt gibt es zwar auch Brötchen, aber wir möchten gerne den Bäcker ausprobieren. Derart gesättigt sind wir die ersten beim Tretbootverleih und dürfen uns das schönste Tretboot mit der tollsten Rutsche ausleihen. Damit strampeln wir schnurstracks bis zur Mitte des türkis leuchtenden Sees, wo unsere 10jährige Tochter Köpper übt bis es besser nicht geht. Danach müssen wir leider aufbrechen, wollen wir doch weiter gen Oberitalien, das Tor zum Süden.

3. Etappe: Malcesine am Gardasee

Camping Lombardi

Wie wäre es mit Gelati?

Kein Pietro Lombardi weit und breit, obwohl der Camingplatz an der östlichen Seite des Gardasees doch “Camping Lombardi” heißt! Dafür macht eine Zikade im Olivenbaum direkt neben unserem Stellplatz einen riesen Radau. Für Kurzzeitcamper, wie wir es sind, gibt es direkt zwischen Straße, jungen Granatapfelbäumen und Rezeption einen Stellplatz mit einem kleinen Container-Sanitärhaus. Da die Straße wenig befahren ist, macht uns die Lage nichts aus. Wichtiger ist uns, dass wir zu Fuß zum Gardasee laufen können und dass wir ohne Reservierung überhaupt noch einen Platz bekommen haben. Der Gardasee ist trotz Corona immer noch ein beliebtes Urlaubsziel – auch für Camper. Im Mini-Markt neben der Rezeption, die von einer sehr zuvorkommenden Dame und einem Herren geleitet wird, bestellen wir Panini für den nächsten Tag damit das Frühstück schon mal gesichert ist.

Badepause am Gardasee

Wir schultern die allzeit bereite Badetasche und laufen hinunter zum Badestrand an der Uferpromenade (Via Gardesana) des größten See Italiens, den ich seit Kindheitstagen nicht mehr besucht habe. Trotz seiner 346 Meter Tiefe ist der Gardasee kaum kühler als der Kalterer See bemerken wir, als wir über die hellen Kieselsteine mühselig hinein wackeln. Da nehmen wir doch lieber den Badesteg um von dort in den See zu springen. Beim Abtauchen in die Tiefe wird es gleich erfrischender! In Malcesine sieht es zwar nicht so pittoresk aus, wie in manch anderen Orten am See. Aber für einen Zwischenstopp passt es für uns. Nach einer Siesta am See mit Blick auf die spektakuläre Bergkulisse gehen wir schräg gegenüber in eine überraschend gute Pizzeria.

Per Gondel auf den Monte Baldo

Am nächsten Tag gönnen wir uns einen Ausflug und laufen zur Talstation der Luftseilbahn am Berg Monte Baldo. Der Monte Baldo ist ein zwischen Gardasee und dem Fluss Etsch gelegener, etwa 30 Kilometer langer Bergrücken, der zum Gebirgszug der Gardaseeberge zählt. Eine Menschentraube drängt bereits die Treppe hinauf, um sich Tickets für die Gondelfahrt hinauf auf den Berg zu kaufen. Schnell ordern wir uns Online-Tickets und können elegant an der Schlange vorbei gehen, ohne länger in der Sonne zu schmoren. Nachdem unsere Temperatur wegen Covid-19 gemessen und als harmlos befunden wurde, dürfen wir in eine der um 360 Grad rotierenden Gondeln einsteigen. Innerhalb von 15 Minuten und einmal Umsteigen transportiert uns die Gondel auf 1.650 Meter. Der Ausblick während der Fahrt und vom Bergrücken ist genauso klar und fantastisch, wie wir es uns vorgestellt haben. Alles andere wäre bei den recht happigen Ticketpreisen auch ärgerlich gewesen. Paraglider schweben dem Gardasee entgegen und Touristen trinken im Café eine Cola während wir uns die verlassene Herberge anschauen und mit Blick auf den See eine Brotzeit einlegen. Zum Glück ist es nicht so frisch wie gedacht, so dass die Jacken im Rucksack bleiben dürfen.

4. Etappe: Pisa Pisa und
Hafen von Livorno

Kurz vor Livorno machen wir in Pisa einen Zwischenstop, um wen anzuschauen? Na klar, den bekanntesten geneigten Gebäude der Welt, einem Baufehler auf lehmigen, sandigen Morast sondergleichen. Fußläufig vom schiefen Turm und der Kathedrale von Pisa halten wir auf einem kostenfreien Parkplatz in der Via Ugo Rindi. Leider sind wir für den Eintritt in den Turm knapp zu spät dran, aber das macht uns nichts. Die Abendsonne taucht das gesamte Ensemble aus Turm, Dom, Baptisterium und dem Friedhof in ein bezauberndes Licht. Die Restaurants in der von der Piazza del Duomo abgehenden Via Roma füllen sich gerade langsam. Manche Lokale sind geschlossen. Ob das die Auswirkungen der Pandemie sind?

5. Etappe: Fährfahrt Livorno-Bastia

Ein paar Eiskugeln später sitzen wir wieder im Wohnmobil und fahren an Sonnenblumenfeldern und einem Militärstützpunkt (interessante Kombination) weiter in Richtung Hafenstadt Livorno. Zunächst haben wir Schwierigkeiten das richtige Gate zu finden. Doch irgendwann finden wir es und fahren nach einem Temperaturtest in den noch komplett leeren Fährenbauch. Erst am nächsten Morgen um 8 Uhr wird die Fähre mit uns zur 83 km entfernten Hafenstadt Bastia auf Korsika ablegen. Die meisten Passagiere werden deshalb erst morgens zusteigen. Für uns ist das vorabendliche Einchecken praktisch, weil wir somit nicht in aller Frühe einen Stellplatz verlassen müssen, um zum Hafen zu fahren und dort ein bis zwei Stunden zu warten bis wir an Bord dürfen. Außerdem haben wir in der Kabine etwas Privatsphäre und müssen nicht ständig mit einem Mund-Nasen-Schutz herumlaufen. Als wir im Dunkeln an Deck gehen und noch einen kleines Imbiss einnehmen, haben wir einen Ausblick auf die Lichter im Hafenstädtchen. Ein Stewart führt uns zu unserer geräumigen Kabine mit Bullaugenfenster und Bad (mit großen weissen flauschigen Handtüchern!). Nachdem er für uns die Betten heruntergeklappt hat, werfen wir uns darauf! Als morgens die Fähre ablegt, träumen wir noch gemütlich in unseren Kojen. Die Fahrt am vormittag ist ruhig, das Mittelmeer spiegelglatt. Während die Kinder in der Kabine spielen, lese ich draußen an der Reling ein Buch, erfreue mich am glitzernden Meer und blicke gespannt auf das immer näher rückende Bastia, der größten Hafenstadt Korsikas.

6. Etappe: Camping U Sole Marinu
in Patrimonio auf Korsika

Meiner Freundin N. haben wir diesen wunderbaren Campingplatz in der Gemeinde Patrimonio im Département Haute-Corse zu verdanken, da sie ihn letztes Jahr besucht und uns empfohlen hat. Also hier nochmal herzlichen Dank an Dich, liebe N.! Von Bastia an der Nordostküste durchqueren wir den Zeigefinger von Korsika bis zur Nordwestseite der Insel in Richtung Saint-Florent, das ist die Hauptstadt der Region Nebbio. Nördlich vom Küstenort liegt der Campingplatz, der durch ein großes Schild an der Straße ausgeschildert ist. Doch vorher halten wir noch kurz an einer hübschen Open Air Bar, wo korsisches Bier auch zum Take Away verkauft wird. Kurze Zeit später kommen wir an Weinreben vorbei und biegen dann links auf einen holprigen und löchrigen Zufahrtsweg über eine schmale Brücke ab, die über ein trockenes Flussbett führt. Wir zittern etwas, ob unseres Gewichts, aber die Mini-Brücke hält stand.

Nach der Anmeldung (natürlich mit Maske) an der Rezeption suchen wir uns einen freien Platz für unser Wohnmobil aus. Da es nicht so voll ist, haben wir viele schöne Plätze zur Auswahl und nehmen den, der dem Strand “Plage de campo magiore” am nächsten ist. Es sind hauptsächlich französische Familien mit Zelt hier zu Gast. Aber auch einige Wohnmobile aus Deutschland und der Schweiz parken hier.

Die Stell- bzw. Zeltplätze sind teilweise durch Bäume, Gebüsch, kleine Steinmauern oder Schilf voneinander getrennt. Es wirkt schön wild und dschungelig, was uns gefällt. Es gibt kein Chichi, es wirkt naturbelassen. Der Boden ist etwas sandig und trocken, jedoch eben und weitgehend steinfrei. Angenehm für uns ist der besonders kurze Weg zum lang gestreckten Kiesstrand. Die Atmosphäre ist ruhig und entspannt, was uns sehr gefällt.

Es gibt ausreichend Einzelduschkabinen, mehrere Wasch- und Spülbecken und mehrere Einzeltoiletten. Die sanitären Anlagen sind einfach gehalten, machen aber einen sauberen Eindruck. Jeden Vormittag wird dort geputzt, wie wir sehen. Toilettenpapier müssen wir selbst mitbringen. Für die Duschen bekommen wir Chipkarten, die wir täglich an der Rezeption neu aufladen können. Hier empfiehlt es sich, dies nicht erst abends zu erledigen, wenn alle anderen ebenfalls ihre Chipkarten aufladen möchten.

Eine Waschmaschine gibt es auch und wer keinen Kühlschrank hat, kann sich eine abschließbare Kühlbox mieten.

Den Müll müssen wir leider bis zur 1,5 Kilometer entfernten Abzweigung bringen, weil die Müllabfuhr leider keine Lust hat, bis zum Campingplatz zu fahren, wie uns erklärt wird. Das erledigen wir mit dem Klapprad, das wir mit dabei haben.

Im Gebäude bei der Rezeption gibt es einen kleinen Mini-Markt, in dem die nötigsten Lebensmittel und auch regionale korsische Spezialitäten wie Honig, Wein, Bier (Pietra) und Naturkosmetik und Badeutensilien gekauft werden können. Das Frühstücksbaguette sollte bis 20 Uhr für den nächsten Morgen bestellt werden. Des weiteren gibt es ein Restaurant mit Außenterrasse und eine Eistheke.

Stand up Boards und Kajaks inklusive Rettungswesten können für an der Rezeption gemietet werden, was wir auch einmal in Anspruch nehmen, um alle vier an der Küste entlang zu schippern und Buchten zu entdecken.

Der lange Kiesstrand liegt wie beschrieben direkt am Campingplatz. Das Wasser ist klar und es wird relativ schnell tiefer. Aus hölzernen Strandgut haben Gäste wunderschöne Gebilde errichtet, die man prima zum Sonnenschutz nutzen kann, wenn man ein großes Tuch darüber spannt. Manche haben sogar richtige Kunstwerke gebaut, die aussehen, wie ein Boot. Auch wir machen uns daran, Strandgut zu sammeln und die Werke weiter auszubauen. Auch imposante Türme aus Steine lassen sich hier prima errichten. Langweilig wird es also nicht!

Das südliche Ende der Bucht wird durch eine terrassierte Felswand begrenzt, die man leicht hinauf laufen und ganz viele Meeressedimente entdecken kann. Seitlich sowie am Ende der Felswand lässt es sich herrlich aus unterschiedlichen Höhen ins glasklare Meer springen. Die niedrigste seitliche Stelle ist etwa 1,5 Meter hoch und die höchste Stelle ganz vorne dürfte 10 Meter messen. Auf dem Stand up Bord sitzend schauen wir zu, wie mutige Kids hinab springen. Nach ein paar Minuten ist unsere Tochter mit ihrem Papa auch oben auf der Klippe und wagt den Sprung! Es geht so schnell, dass ich es mit unserer wasserfesten Kamera nicht filmbereit bin und sie extra noch ein zweites Mal springen muss, damit ich es für alle Ewigkeit aufnehmen kann.

Wir merken schnell, dass wir in der Bucht nur mit Badeschuhen glücklich werden. Ansonsten ist es für die Füße zu schmerzhaft über die Kiessteine ins Wasser zu gehen und auch im Meer liegen vorne viele Steine. An der Felswand verstecken sich auch ein paar wenige Seeigel. Unsere Schnorchelausrüstung haben wir glücklicherweise auch dabei. An der Felswand und in den kleinen Buchten können wir herrlich tauchen und schnorcheln. Neben silbernen und schwarzen Fischen in unterschiedlichen Größen entdecken wir auch eine Muräne und einen Tintenfisch. Von Seesternen berichten unsere Campingplatznachbarn.

An manchen Tagen ist es etwas windig, so dass eine ganz schön wilde Brandung herrscht. Statt zu schnorcheln oder mit dem Stand up Board herum zu cruisen, werfen wir uns in die Wellen und haben so unseren Spaß. Auch unser Drachen kommt einmal zum Einsatz und wäre uns um ein Haar ausgebüchst, so stark zerrt der Wind an der Drachenschnur. Allerdings treibt der Wind eine Menge kleinen Plastikmüll in die Bucht. Gemeinsam mit anderen Familien sammeln wir den Müll im Meer und am Strand auf. Es kommen rasch ein paar volle Müllsäcke zusammen.

Abends treffen wir uns gefühlt mit dem halben Campingplatz am Meer um mit einem Glas Wein den Sonnenuntergang zu bewundern. Sobald der Himmel tief schwarz ist, weil kaum Luftverschmutzung herrscht, können wir mit unseren bloßen Augen den Neowise-Kometen erkennen, der alle paar Tausend Jahre an unserem Planeten vorbei zieht.

Küstenwanderung “Sentier du Littoral”
nach Saint-Florent

Dort, wo die hohe Felswand am südlichen Buchtende empor steigt, befindet sich der gut beschilderte Küstenwanderweg “Sentier du Littoral”. Abends, als die Sonne nicht mehr so knallt, laufen wir hinauf und werden mit einem herrlichen Ausblick auf den Golf von Saint-Florent belohnt. Wir entdecken außerdem ein riesiges Felsloch in das Kletterseile gespannt sind. Ein paar Tage später laufen wir morgens mit Rucksäcken voller Wasser und Proviant wieder los und schaffen es bis nach Saint-Florent. Mittags gibt es leider kaum Schatten, so dass es zwischenzeitlich ganz schön heiß ist. Zum Glück können wir in die ein oder andere traumhafte Badebucht hinab steigen, um uns abzukühlen. Leider gefällt uns das letzte Wegstück vor Saint-Florent weniger gut. Zuerst kommt ein Strandabschnitt, der unter einem dicken Algenteppich derart verschwindet, dass ein Bagger dabei ist, die Algen abzutragen. Allerdings ist das Wasser trotzdem sehr klar und algenfrei. Danach folgt eine lieblose Strandpromenade. Schade, das hätte man auch schöner lösen können, finden wir.

Unser Ziel, der charmante Küstenort Saint-Florent, lässt uns das ästhetische Ärgernis wieder vergessen. Hier spazieren wir oberhalb des Meeres um die Reste der Zitadelle herum, die eine ungewöhnlich runde Form hat und freuen uns am Anblick des hübschen Küstenorts. Die nächste schöne Bar ist unsere, wo wir uns eine erfrischende korsische Zitronenlimonade und Kola gönnen, bevor wir durch die malerischen Gässchen zum Yachthafen schlendern. Hier gibt es nochmal einen Stop am Eis-Café sowie am Supermarkt, um unsere Wasservorräte für den Rückweg aufzufüllen. Insgesamt kommen wir mit dem Hin- und dem Rückweg auf eine Strecke von 17,5 Kilometer. Mein Mann und ich sinken abends sichtlich erschöpft in unsere Campingstühle, während unsere Kinder, denen die Wanderung anscheinend weniger ausgemacht hat, vergnügt um uns herum springen.

Alte Festung in Calvi

Zwischen Wandern und Schnorcheln unternehmen wir mit dem Wohnmobil einen Ausflug in die von Bergen umrundete Hafenstadt Calvi am gleichnamigen Golf von Calvi. Allein die Fahrt in den Hauptort der Region Balagne ist eine reise wert! Ein wahnsinnig schönes Bergpanorama türmt sich neben der Straße auf.
Calvi zählt wegen seiner Zitadelle mit wunderschöner Altstadt und Gouverneurspalast sowie seinem Yacht- und Fährhafen zu den meist besuchten Städte Korsikas. Aufgrund der Pandemie ist es zum Glück für uns nicht so voll, so dass wir ganz in Ruhe jede verwinkelte Gasse erkunden können. Wir finden direkt zu Füßen der berühmten genuesische Zitadelle einen Parkplatz und laufen gleich hinauf. In den schattigen Gässchen der Altstadt gibt es viel zu entdecken und auch das ein oder andere hübsche Lokal. Dadurch dass die Zitadelle auf eine, hohen Granitfelsvorsprung errichtet ist, hat man einen tollen Ausblick auf die Bucht und die Unterstadt.

Natürlich gibt es auch eine touristische Straße, wo sich ein Souvenirgeschäft ans andere reiht. Logisch, das wir mit unseren Töchtern auch hier entlang bummeln müssen und sie das ein oder andere Mitbringsel in Form von Halsketten erstehen und noch ein schönes Eis verputzen. Wenn man auf Calvi auf der Küstenstraße zufährt, sieht man unten nicht nur sehr viele Ferienhäuser, sondern oben am Himmel auch fast ebenso viele Paraglider. Außerdem befindet sich bei Calvi auch die Station der Fallschirmjäger der Fremdenlegion.

Auf Schnorcheltour am Phare de la Pietra

Nach unserem kleinen Calvi-Citytrip haben wir Lust auf eine Badepause. An der Ile Rousse bekommen wir die Gelegenheit quasi auf dem Silbertablett serviert. Unterhalb des Genueserturm steigen wir von den flach ins Wasser auslaufenden Felsen ins Meer und schnorcheln. Wirklich einmalig schön! Wenn man den Weg ein Stück weiter hoch läuft, kommt man zum Leuchtturm Phare de la Pietra.

7. Etappe: Camping Tizarella in Moltifao auf Korsika

Nach acht Nächten trennen wir uns vom Meer und fahren ein kleines Stück landeinwärts ins Asco Tal der Gemeinde Moltifao, die auch Départment Haute-Corse liegt. Den Campingplatz Tizarella an der Route d’Asco haben wir ebenfalls von der lieben Freundin empfohlen bekommen.
Vorweg: Dieser Platz zählt sicherlich zu den schönsten, die man auf Korsika abseits der Küsten finden kann. Warum? Er liegt direkt an einem glasklaren und angenehm kühlen Bergfluss, welcher der Nordwest-Flanke des höchsten Berges von Korsika, dem Monte Cinto entspringt. Für wen der Fluss zu frisch ist, gibt es einen schönen Swimmingpool. Wer nicht gerne selbst kocht, kann sich in dem super Restaurant verwöhnen lassen! Außerdem befindet sich das Asco Tal in einem geschützten regionalen Naturpark von Korsika. Radfahrer können hier ihre Touren starten.

Der Platz ist für Wohnmobile gut zu erreichen, da die Straße gut ausgebaut und noch ausreichend breit ist. Der Platz bietet sowohl für Zelte als auch für Campingbusse und Wohnmobile viele schöne und schattige Stellplätze. Die freien Plätze werden uns von einer Dame bei der Ankunft gezeigt und als wir ihr verraten, dass wir fünf Nächte bleiben werden, gibt sie uns einen Platz direkt am Fluss Asco, der nur durch eine Zaun von unserem Wohnmobil getrennt ist. Das Gatter am Zaun sollte man hinter sich aber immer schließen, damit keine Kinder den kurzen steilen Abstieg zum Fluss hinunterfallen.

Es gibt zwei Sanitärhäuser, wovon eines Hotelqualität hat: tolles Design, große Duschkabinen, tiptop sauber, einfach Klasse. Eine Waschmaschine und eine Kühltruhe gibt es auch. Ähnlich erstklassig ist das Restaurant am Platz: Ein wunderschönes Gebäude und die Pizza, die die Pizzabäckerin vor den Augen der staunenden Kinder durch die Luft wirbelt, ist ebenso lecker wie die Fleischgerichte, die vom Grill kommen und das Dessert. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, die Atmosphäre ist toll, das Personal sehr freundlich. Das einzige Manko ist, das es keinen Mini-Markt gibt. Als wir Wasser brauchten, mussten wir für eine 1,5 Liter stilles Wasser aus der Plastikflasche 3,40 Euro berappen. Der nächste Supermarkt ist circa neun Kilometer entfernt und der Rückweg geht bergauf. Daher machte mein Mann mit dem Klapprad nur einmal den Weg zum Supermarkt. Allerdings kann man morgens frisches Baguette und Croissants bekommen, wenn man sie am Vorabend bestellt hat.

Der Pool ist insbesondere für unsere Kinder ein Highlight gewesen! Wie alles auf diesem Camping ist auch die Poolanlage sehr gepflegt und sauber. Drum herum stehen viele Liegen, Sonnenschirme, Tische und eine Dusche. Digital Detox Fans kommen hier insofern auf ihre Kosten, da der kostenlose WIFI-Zugang nur hinter dem Restaurant funktioniert.

Gegenüber vom Campingplatz Tizarella gibt es einen kleinen Schildkrötenpark “Village des Tortues”, in dem die kleinen Krabbeltiere aufgepeppelt werden. Leider verlassen wir den Park recht zeitnah etwas enttäuscht. Es gibt nur drei kleine Stationen und die Beschilderungen sind ausschließlich auf Französisch. Na wenigstens haben wir mit unserem Eintrittsgeld etwas für die kleinen Hermann Schildkröten getan, die leider immer seltener auf der Insel werden.

Wanderung durchs Asco-Tal

Unsere Wanderung ins Bergdorf Moltifao ist dafür umso schöner! Dafür ist unbedingt festes Schuhwerk erforderlich. Dadurch dass das Asco Tal jahrhundertelang vom Rest der Welt abgeschnitten und nur Eingeweihten als Versteck bekannt war und erst 1937 durch den Straßenbau zugänglich wurde, ist die Landschaft entsprechend wild und ursprünglich geblieben. In der Umgebung finden sich einige schöne Wanderrouten. Wir können direkt am Wohnmobil loslaufen. Nach dem Öffnen des Gatters und den kurzen Abstiegs überqueren wir den Quellbach indem wir über die dicken Steine laufen und spazieren kurze Zeit später an kleinen Ponyhöfen mit hübsch ausgebauten Holzhäusern vorbei. Wir gelangen auf eine ansteigende asphaltierte Straße, die sich den Berg zum Bergdorf Moltifao hochwindet. Unsere Jüngste macht die Hitze ganz schön zu schaffen. Kaum im Dorf angekommen, fallen wir in die erste und einzige Bar ein um korsische Limonade zu bestellen sowie eine große Flasche Wasser für den Rückweg. Wieder erfrischt, spazieren wir durch das im Dornrösschen Schlaf liegende Dorf an der Kirche Annunziata mit der Sonnenuhr vorbei und zu den verlassenen großen Villen am Berghang hinauf. Von dort aus folgen wir den orange farbigen Hinweisen durch einen Olivenhain wieder ins Tal hinab. Von oben können wir schon die Brücke sehen, die sich über den Asco Fluss spannt. Wir freuen uns schon auf ein kühles Bad im Fluss! Den restlichen Rückweg laufen wir am Bach entlang bis das Gestrüpp uns auf die schmale Bergstraße vertreibt und wir von dort aus wieder das Campingplatzgelände erreichen.

Lustigerweise besuchen wir das Bergdorf Moltifao kurze Zeit erneut. Doch dieses Mal am Abend. Die Ehre wird uns zuteil, weil wir uns mit einer korsischen Familie anfreunden. Auf dem Campingplatz lernen wir eine sympatische Mutter und deren Tochter kennen, die nur unwesentlich älter als unsere Tochter ist. Zu Beginn muss ich noch für die Mädchen übersetzen, aber schon mal verständigen sie sich im Pool mit Händen und Füßen. Mit der Mutter finde ich auf Anhieb eine tolle Gesprächsebene, weil sie gut drauf ist, meine Ansichten zum Weltgeschehen teilt, einen interessanten Job hat und viel gereist ist. Sie kommen aus der Inselhauptstadt Ajaccio und machen wegen Covid-19 auf ihrer eigenen Insel Urlaub. Eines abends erzählen sie uns von einem Dorffest mit Life-Konzert, das der Bürgermeister schmeisst und nehmen uns mit. Und was soll ich sagen? Es ist nichts weniger als ein rauschendes Fest. Wir sind zwar die einzigen Nicht-Korsen oder -Franzosen auf dem 500 Personenfest, aber das niemand scheint es zu stören. Nach einem Essen mit korsischen Wein und Bier tanzen mit den Kindern vorne direkt an der Bühne zu französischen und internationalen Hits bis unsere Jüngste nicht mehr stehen kann und wir mit unseren Freunden in deren Auto zurückfahren.

Unsere Wohnmobil-Route von Korsika nach Berlin

8. Etappe: Fährfahrt Bastia-Livorno

Au revoir, Korsika!

Am Abend und in der Nacht vor unserer Abfahrt stürmt es und morgens regnet es ganz kurz (das erste Mal während unseres Urlaubs), so dass wir froh sind, dass wir unseren Kram bereits verstaut haben. Nach dem Frühstück fahren wir nach Bastia, wo unsere Fähre um 13 Uhr ablegen soll. Aufgrund des nächtlichen Sturms ist das Mittelmeer immer noch sehr unruhig, so dass die Fähre mit zwei Stunden Verspätung ablegt. Im Bad unserer Kabine werde ich ganz schön rum geschubst als ich versuche darin zu duschen und die Kinder halten es kaum drinnen aus. Deshalb verbringen wir die meiste Zeit des Nachmittags und des frühen Abend draußen an Deck, wo wir das Schauspiel am Himmel beobachten und die kleinen einsamen Inseln zählen, an denen wir vorbei ziehen.

Erst gegen 21 Uhr rollen wir aus dem Fährenbauch auf italienischen Boden und geben Fersengeld damit wir es noch zum Campingplatz in Florenz schaffen, auf dem wir am Vortag einen Stellplatz reserviert haben.

9. Etappe: Camping in Town in Florenz

Um 22 Uhr checken wir auf dem Campingplatz ein, so dass wir erst am Morgen erkennen, welche Annehmlichkeiten der Platz bietet. Nicht nur die vielen Sanitärgebäude sind super neu, sauber und schick. Es gibt auch eine große Wasserlandschaft für Kleinkinder, einen Pool, ein Restaurant mit Bar, einen Supermarkt, Lodges sowie das allerbeste: einen Shuttlebus, der uns in die Altstadt von Florenz bringt! Dafür muss man sich rechtzeitig anstellen, ansonsten bekommt man keinen Platz mehr, wie wir am eigenen Laib erfahren müssen. Zum Glück fährt der Bus mehrmals täglich, so dass wir einfach in den nächsten einsteigen.

Ein paar Minuten später steigen wir aus und laufen in Richtung Ponte Vecchio. Um 10 Uhr scheint Florenz noch zu schlafen, so wenig ist auf den Straßen los. Einige Läden haben noch geschlossen. Der Platz vor der Franziskanerkirche, der Basilica di Santa Croce, ist nahezu menschenleer, als wir vorbei schlendern. Durch die Straße Borgi dei Greci laufen wir hinauf zum Palazzo Vecchio und seinen wunderschönen verzierten Innenhöfen und der Piazza della Signoria. In der Pasticceria bzw. dem Caffee Persea gönnen wir uns leckeres Eis und Café bevor wir zur Kathedrale laufen. Um die Hauptattraktion der Stadt windet sich eine lange Menschenschlange, auf die wir keine Lust haben. Wir drehen stattdessen lieber eine Runde um das imposante Bauwerk und gehen in den Geschäften bummeln, wo wir für die Einschulung ein paar schicke Schuhe für unsere Jüngste und ein wunderschönes Oberteil für unsere Große kaufen. Leider müssen wir danach zurück zum Wohnmobil um rechtzeitig vor dem Late Checkout um 14 Uhr noch in den Pool des Campingplatzes zu hüpfen.

10. Etappe: Kalterer See in Südtiol

Abends rollen wir auf dem uns vertrauten Stellplatz am Kalterer See ein. Für eine Tretboottour ist es leider zu spät, aber dafür gehen wir eine große Runde durch die Apfelplantagen spazieren. Am nächsten Morgen leihen wir uns dafür wieder ein Tretboot mit Rutsche aus. Der Kalterer See ist innerhalb der letzten zwei Wochen gefühlt noch wärmer geworden. Bald schon brechen wir auf, weil wir noch etwas vorhaben…

Festung Franzenfeste in Südtirol

Die Festung, ein Koloss aus Granit, im 19. Jahrhundert unter Kaiser Ferdinand I. erbaut, hatten wir schon vor zwei Jahren an der Brenner Autobahn in Südtirol entdeckt und nun haben wir endlich Zeit sie uns aus der Nähe genauer anzusehen. Das Bauwerk ist mit einer Fläche von 65.000 Quadratmetern die größte historische Anlage Südtirols. Einst als Militärstützpunkt im Eisacktal als eine Sperre geplant, wurde sie als solche allerdings nie genutzt, sondern diente lediglich als Depot und erstarrte über eineinhalb Jahrhunderte im Dornröschenschlaf einer streng bewachten Militäranlage. Die gewaltige Festung wurde seit 2005 aufwändig saniert und ist zu einem Ort der Begegnung und der Kultur geworden. Die Innenräume sind unmöbliert und dadurch wirken die Wände mit ihren partiell freigelegten Farbschichten noch stärker. Besonders gut gefällt uns die Verbindung von moderner und historischer Architektur in Form der Verbindungsbrücken von denen man wunderbar auf den türkis leuchtenden Stausee Franzenfeste blicken kann. Es gibt unter anderem einen Fahrstuhl mit einer verglasten Wand (die Fahrt ist dadurch wirklich interessant), ein Treppenhaus mit vergoldeten Handlauf (eine Anspielung auf die einst in der Franzensfeste gelagerten Goldreserven) und eine hübsche gotische Kapelle. Doch das Beste entdecken wir zum Schluss:
Was entdecken wir in einem Kämmerlein auf der Franzenfeste? Diese kontemplative Lichtinstallation von Julia Bornefeld. Ihr Werk „Ariadne’s Asteroids Centrifuge“ spielt auf Robert von Ranke-Graves an, der 1955 den Labyrinthmythos von Knossos (Knossos ist auch eine Reise wert) als entscheidenden Übergang des Matriarchat ins Patriarchat bezeichnete.

12. Etappe: Stellplatz in Bayern am Sylvensteinsee

Unsere letzte Nacht vor Berlin haben wir ganz in der Nähe des Sylvensteinsees und der Isar verbracht, wo eine ganz eigene Stimmung herrscht. Das Dorf namens Fall musste dem Staudamm vor einigen Jahrzehnten weichen und wurde ein paar Meter weiter und höher wieder aufgebaut. An sich ganz schön skurril. Aber es gibt noch einige weitere Dörfer, die das gleiche Schicksal andernorts teilen. Der Stellplatz für unsere letzte Nacht vor Berlin befindet sich in einem Waldstück am Dorfrand. Es gibt eine winzige Sanitäranlage, die gerade gereinigt wird, als wir abends ankommen. Der Stellplatz ist allerdings nur für Wohnmobile und nicht für Zelte erlaubt. Stromanschlüsse gibt es nicht. Abends ist der Platz schon gut belegt, so dass wir für einen freien Platz eine Weile suchen müssen. Bevor wir uns ans Kochen machen, unternehmen wir zunächst einen kleinen Spaziergang zum Sylvensteinsee, an dem wir unseren wunderschönen Urlaub ausklingen lassen.

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Eva

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